Westdeutscher Fussballverband e.V.
Leichtathletik 17.09.2014

Bayer Leverkusen gewinnt Team-DM in Lage

Falk Wendrich (Foto: Peter Middel)

Nach dem alten oder neuen Format der TSV Bayer Leverkusen bleibt im Nachwuchsbereich weiter absolute Spitze im DLV. Die Farbenstädter setzten sich bei der Premiere der Team-DM in Lage bei der Endabrechnung mit 335 Punkten souverän vor dem TV Wattenscheid (291 P.) durch.

Einen spannenden Kampf gab es um Platz drei. Der SCC Berlin schnappte im abschließenden Staffelwettbewerb mit 246 Zähler der LAV Bayer Uerdingen/Dormagen, der u.a. so starke Athletinnen wie Tanja Spill, Michelle Hering und Anja Roggel fehlten, noch die Bronzemedaille weg.

„Ich freue mich, dass wir auch unter den neuen Vorzeichen gewonnen haben. Entscheidend war, dass sich alle von uns zum Saisonausklang mächtig ins Zeug gelegt haben und wir keinen Ausfall zu beklagen hatten. Gut war auch, dass ich die Hereinnahme neuer Disziplinen mit Dominik Falkenhaben einen neuen Dreispringer und mit Laura Koenen eine neue 400m-Hürdenläuferin erhalten habe,“ kommentierte Leverkusens Betreuerin Ingrid Thyssen.

Um möglichst viele Punkte für ihr Team herauszuholen, absolvierten viele Athletinnen und Athleten Mehrfachstarts oder waren auch in Fremddisziplinen im Einsatz.

Konstanze Klostermann beeindruckend

Bei den siegreichen Leverkusenerinnen beeindruckte vor allem Konstanze Klosterhalven, die nach ihrem gestrigen 800 m-Erfolg in 2:10,56 Minuten die 3000m heute im Alleingang in 9:39,65 Minuten herunterspulte und dabei ihre persönliche Bestzeit lediglich um drei Sekunden verfehlte.

„Ich hatte heute gar kein richtiges Gefühl Tempogefühl und daher immer Angst, etwas zu schnell zu sein. Daher verfügte ich zum Schluss noch einige Reserven. Bei einer stärkeren Konkurrenz wäre ich sicherlich heute Bestzeit gelaufen,“ vermutete die Vierte der Olympischen Jugendspiele, die nach einer anstrengenden Saison in den nächsten Wochen erst einmal kürzer treten möchte. Die bevorstehende „Pause“ will sie u.a. mit Radfahren und Schwimmen nutzen.

Ihr Teamkollege Taher Belkorchi, der nach einer langwierigen  Waden- und Beugerverletzung wieder fit ist, war über 3000m in 8:42,88 Minuten ebenfalls ungefährdet. Nicht so gut lief es für ihn dagegen gestern über 800m (1:57,60 Min.), als mit dem deutschen U20-Meister Christoph Kessler (LG Regio Karlsruhe, 1:55,56 Min.) Marius Probst (TV Wattenscheid, 1:55,81 Min.)  und Keyhan Hatami (SCC Berlin, 1:56,74 Min.)  gleich drei  Mittelstreckler schneller waren als er.

Die Leverkusener konnten sich glücklich schätzen, Siebenkämpferin Laura Koenen in ihren Reihen zu haben. Die letzt jährige deutsche U20-Meisterin erzielte einen Tag nach ihrem viel versprechenden 400 m-Debüt in 62,61 Sekunden über 100 m-Hürden als Schnellste 15,04 Sekunden und holte damit weitere wertvolle Punkte für ihr Team.

Falk Wendrich meistert als Joker 2,12 m

Falk Wendrich, der zu den großen Mannschaftsstützen beim Vizemeister TV Wattenscheid zählte,  war im Vorfeld zwei Wochen lang krank und konnte überhaupt nicht trainieren.  Dennoch wollte er sein Team nicht im Stich lassen und holte bei seinem Hochsprung-Erfolg als Joker mit 2,12m wertvolle Punkte für die „Blauhemden.“ „Unter den gegeben Vorzeichen  bin ich mit meiner  Leistung zufrieden,“ befand der  U20-Vize-Weltmeister von Barcelona. Seine Trainerin Brigitte Kurschilgen fügte hinzu: „Nach seinem vielen Pech in den letzten beiden Jahr liegt eine tolle Saison hinter Falk. So liegt seine Durchschnittsleistung über 2,20m. Darauf lässt sich gut aufbauen.“

Falk Wendrich gab in Lage zudem sein Debüt über die 110m-Hürden. Dabei erzielte der Hochsprung-Spezialist respektable 15,89 Sekunden. „Der Hürdenlauf ist für mich kein Neuland, denn im Rahmen meines Hochsprung-Trainings absolviere ich regelmäßig  Hürdenläufe. Allerdings führe ich diese unter Hochsprung- Aspekten durch,“ erläuterte der 19-jährige Wattenscheider, der in Lage die Hürden viel zu hoch anging und damit wertvolle Hundertstelsekunden  „verschenkte.“. Weitere Versuche in dieser Disziplin will er in Zukunft nicht ausschließen, allerdings während einer laufenden Saison.

Laura Jokeit viermal im Einsatz

Seine Teamkollegin Laura Jokeit war einschließlich der 4x100 m-Staffel in Lage gleich viermal im Einsatz.

Dabei erreichte die deutsche Jugendmeisterin  im Kugelstoßen aus dem „normalen“ Training heraus in ihrer Spezialdisziplin 15,20 m, kam im Diskuswerfen ohne Drehung auf respektable 42,86 m und  beförderte im Hammerwerfen, das sie im Training vorher viermal geübt, das 4kg-schwere Wurfgerät auf 31,29 m. „Das war nach einer anstrengenden Saison noch einmal toller Saisonabschluss  für mich. Zudem habe ich einige neue Bewegungserfahrungen gesammelt,“ freute sich die Athletin von Simone Lüth.

Neue Form der Team-DM wurde unterschiedlich bewertet

Am Rande der Team-DM gab es viele Diskussionen über die neue Form dieser Titelkämpfe. „Ich habe an den beiden Tagen  sehr viele starke Teamerlebnisse beobachtet, denn bei dieser neuen Form konzentriert sich sehr viel auf die Mannschaft. Natürlich gab es auch einige kritische Rückmeldungen, die wir nun auswerten müssen,“ erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Bundesausschusses Jugend, Dominic Ullrich.

Ex-Siebenkampf-Weltmeisterin Sabine Braun fand vor allem die neue Wertung nach Plätzen recht gut. „Dadurch kommt ein besseres Teamgefühl auf. Streichen sollte man  dagegen bei der U20 den 400m-Hürdenlauf, das Hammerwerfen und den Dreisprung, weil man in diesen Disziplinen viele schlecht vorbereitete Athletinnen und Athleten gesehen hat,“ so die Trainerin des TV Wattenscheid.

Für eine Wertung nach dem alten Punktesystem plädierte dagegen die Mannschaftsbetreuerin der erfolgreichen Bayer-Mannschaft, Ingrid Thyssen. „Dann würde der Wettbewerb  auch wieder mehr leistungsbezogen sein. Gute Athletinnen und Athleten können nach dem neuen Modus die Maximalpunktzahl einfahren, oder dabei ihre Maximalleistung abzuliefern. Das ist nicht richtig.“ Ähnlich äußerste sich von den Aktiven auch Hochspringer Falk Wendrich: „Nach meiner Krankheit habe ich unter den gegebenen Umständen heute meine beste Leistung erzielt, aber ich hätte es mir auch einfacher machen können. Das alte Punktesystem ist auf jeden Fall gerechter. Ansonsten finde ich die neue Regelung mit dem Joker hochintertessant.“

Ex-Langstreckler Willi Jungbluth, der die Mannschaft der LAV Bayer Uerdingen/Dormagen coachte: brachte einen anderen Aspekt zur Spreche: „Es sollte in Zukunft auf jeden wieder mehr als ein Teilnehmer pro Disziplin in die Wertung kommen, weil viele Vereine haben in ihren Reihen noch einige andere gute Athletinnen und Athleten. Die können uns auf Dauer verloren gehen, wenn sie an solchen Mannschaftswettkämpfen nicht teilnehmen dürfen.“

Quelle: FLVW/Peter Middel

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