Westdeutscher Fussballverband e.V.
Fußball-Allgemein 07.01.2013

Flankengott mit Spaten

Bundesliga-Legende Lothar Huber

Bei der Arbeit: Lothar Huber (Foto: WFLV/Leroi)

Früher hat sich Lothar Huber als Dortmunder Flankengott einen Namen gemacht und präzise Bälle auf Manni Burgmüller oder Erwin Kostedde geschlagen. Heute beackert er immer noch den Platz. Allerdings nicht mehr als Spieler, sondern als Platzwart. BVB-Legende Lothar Huber hält das Trainingsgelände von Borussia Dortmunds Fußballschule in Schuss. Woche für Woche, acht Stunden pro Tag. Am Abend tritt er dann seinen Zweitjob an, seine wahre Berufung. Huber coacht den Oberligisten TSG Sprockhövel. Viermal wird trainiert, dazu das Spiel am Wochenende. Er lebt Fußball und ist noch immer voller Ehrgeiz: "Ich freue mich, mit den jungen Leuten zu arbeiten. Das macht einen Riesenspaß."

Huber ist extrem erfolgreich, hat eine beeindruckende Bilanz vorzuweisen: Im Schnitt steigt der Trainer alle drei Jahre mit seinen Mannschaften auf. Mittlerweile befindet sich Huber in seiner fünften Saison bei der TSG Sprockhövel. Ambitionen, einen Profiklub zu trainieren, hat er nicht mehr. "Aus dem Alter bin ich raus", sagt er. "Mit 60 sollte man wissen, dass es nicht mehr nach ganz oben geht."

 

Co-Trainer von Littbarski in Japan

 

Die große Fußballwelt hat Huber schon gesehen. Von 1986 bis 1992 war er Co-Trainer beim BVB. Vier Jahre später betreute er gemeinsam mit Pierre Littbarski für eine Saison den japanischen Erstligisten Brummell Sendai. "Es war ein überragendes Jahr", schwärmt Huber. "Japan kannte ich zuvor nur vom Fernsehen. Plötzlich hatte ich die Chance, als Co-Trainer mit 'Litti' im fernen Osten zusammenzuarbeiten. Ein Riesenerlebnis."

Auch als Spieler blickt Huber, der bis 1974 beim 1. FC Kaiserslautern spielte (63 Bundesliga-Einsätze) und dann als rechter Außenläufer 254 Mal für Borussia Dortmund auflief, auf eindrucksvolle Erlebnisse zurück. Über 300 Bundesligapartien bestritt der gebürtige Pfälzer für den 1. FC. Vor allem mit den Schwarz-Gelben erlebte er kuriose Partien. "Es gibt viele Spiele, die in Erinnerung bleiben, der Bundesliga-Aufstieg mit Dortmund in der Saison 1975/1976 beispielsweise", erinnert er sich. Er erzielte damals im Relegationsrückspiel gegen den 1. FC Nürnberg das entscheidende 3:2. Seither spielt der BVB in der Bundesliga.

 7:4 und 0:12 - legendäre Bundesligaspiele mit Huber

Mit Kaiserslautern setzte sich Huber einmal 7:4 gegen den FC Bayern München durch - nach einem 1:4-Rückstand. "Dabei hatten die Münchner mit Beckenbauer, Maier und 'Bulle' Roth eine Topmannschaft", so Huber. "Der Sieg wurde anschließend gefeiert wie die Deutsche Meisterschaft." Am letzten Spieltag der Saison 1977/1978 hatte das BVB-Urgestein weniger Grund zum Feiern: Die 0:12-Pleite mit dem BVB gegen Borussia Mönchengladbach ist bis heute Bundesligarekord.

50 Jahre Bundesliga: Das Interview mit MSV-Legende Bernard Dietz lesen Sie hier

Den Kontakt zum BVB ließ er nach seiner aktiven Zeit nie abreißen. „Ich war fast täglich beim Training der Profis. Teils aus Hobby, außerdem konnte ich mir Dinge für die eigene Mannschaft herausfiltern“, erzählt er. Jetzt habe er endlich so was wie einen Traumjob. „Ich bin täglich an der frischen Luft und hautnah in das Geschehen meines Lieblingsvereins involviert“, freut sich Huber. Außerdem könne er den Beruf des Greenkeepers, so die offizielle Stellenbezeichnung, bis zur Rente ausüben. „Als Trainer könnte ich das bestimmt nicht schaffen“, glaubt er. Seit über zehn Jahren bringt der ehemalige Flankengott den Rasen in Schuss. Von Routinier Willi Droste hatte er sich schnell die wichtigsten Kniffe im Umgang mit Spaten, Gabel und Walze abgeschaut.

Seine Erfahrung als Fußballer gibt er mittlerweile im Amateurbereich weiter. Und die Arbeit trägt Früchte. Sprockhövel ist - auch dank Lothar Huber - eine echte Talentschmiede. Ob Gaetano Manno (VfL Osnabrück), Lukas Schmitz (Werder Bremen) oder Adrian Wasilewski (VfL Bochum II): Einige Spieler, die oben angekommen sind, stoppten ihre ersten Bälle bei der TSG. "Es hat in Sprockhövel Tradition, Spieler für höhere Aufgaben auszubilden", sagt Huber. "Ich freue mich über jeden, der den Sprung schafft."

 "Wer die Härte nicht hat, wird es nicht schaffen"

Von seinen Schützlingen fordert Huber vor allem eines: Disziplin. Nur mit höchstem Einsatzwillen sei der Weg nach oben zu bewältigen: "Man kann nicht nur mit Zuckerbrot arbeiten. Die Jungs müssen wissen: Wenn man nach oben will, ist es ein harter, brutaler Weg. Wer die Härte nicht hat, wird es nicht schaffen."

In seiner Funktion als Platzwart holt sich Huber auch den einen oder anderen Tipp von den BVB-Profis. "Roman Weidenfeller, Sebastian Kehl - gerade mit den älteren Spielern unterhält man sich", erzählt die BVB-Legende. Und auch Ratschläge vom Meistertrainer können nicht schaden: "Auch mit Jürgen Klopp tausche ich mich manchmal aus."

Spielberechtigungen Regionalliga West