Westdeutscher Fussballverband e.V.
Fußball-Allgemein 02.12.2013

Burnout im Leistungssport: Druck
rausnehmen, frühzeitig Hilfe holen

Kaminabend in Gelsenkirchen

Von links: Mike Wunderlich und Franz-Josef Wernze (beide Viktoria Köln), WDR-Moderator Jörg Steinkamp, Professor Dr. Michael Kellmann (Sportpsychologe Ruhr Universität Bochum) und Dr. Christiane Ihlow (Möhneseeklinik – Chefärztin Psychosomatik). - (Foto: Eva Paechnatz)

Burnout galt vor einigen Jahren noch als „Managerkrankheit“. Stress und Leistungsdruck führen aber auch Sportler an ihre Grenzen. Sebastian Deisler, Ralf Rangnick, Robert Enke und zuletzt Markus Miller sowie Martin Amedick. Prominente Namen aus der Fußballszene, von denen bekannt wurde, dass sie unter einem Burnout litten. Betroffen davon war auch Mike Wunderlich vom Viertligisten Viktoria Köln, der beim 4. Kaminabend des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) zu diesem Thema Rede und Antwort stand. Die Veranstaltung fand in Gelsenkirchen statt.

Mike Wunderlich gab Jörg Steinkamp vom WDR, Moderator des Kaminabends, und den zahlreich geladenen Gästen Einblicke in seine Leidensgeschichte, die in der Saison 2010/2011 beim Zweit-Bundesligisten FSV Frankfurt begann. Er habe hohe Ansprüche gehabt, verriet er, habe sich selbst unter Druck gesetzt und sei mit sich selbst nicht zufrieden gewesen. „Ich hatte keine Lust mehr zum Training“, erzählte er weiter, „habe mich gequält und selbst bei meiner Frau und meinem Sohn keine Ruhe mehr gefunden.“ Das Problem habe er erkannt, aber lange mit sich gerungen, ob er sich offenbare, seine Schwäche zeigen solle. Schließlich habe er es getan, den offenen Weg gewählt. Anfänglich bei seinem Vater, Sportlicher Leiter bei Viktoria Köln, dem Verein, wo er groß geworden ist.

Genau der richtige Weg, das stellte Dr. Christiane Ihlow, Chefärztin für Psychosomatik an der Möhneeklinik, Möhnesee-Körbecke, klar. „Druck rausnehmen, frühzeitig Hilfe holen“, ihre Empfehlung dazu, „das kann in erster Linie im stabilen, familiären Umfeld geschehen. Dann muss man Lösungsansätze betrachten.“ Die fand Mike Wunderlich bei seiner Familie und sportlich bei seinem Stammverein Viktoria. Franz-Josef Wernze, erfolgreicher Steuerberater und Vorstandsmitglied, schilderte, wie der Kölner Klub dem Fußballer half. Wärme, Nestwärme, ein Zuhause, Sicherheit geben, das waren die ersten Hilfestellungen. Man holte ihn vom FSV Frankfurt zurück, baute in seinen Vertrag eine Klausel ein, wo er „jederzeit die Hand heben konnte, wenn es psychisch nicht mehr geht“, so jedenfalls formulierte es Franz-Josef Wernze. Wunderlich blühte wieder auf, wurde Torschützenkönig, was dem FSV Frankfurt auch nicht verborgen blieb. Die wollten ihn natürlich zurückhaben. Schließlich blieb er in Köln, denn der Verein löste ihn aus.

Professor Dr. Michael Kellmann, Sportpsychologe an der Ruhr Universität Bochum, machte an dem „Fall Wunderlich“ deutlich, wie wichtig es sei, Anerkennung zu geben. „Jeder braucht Anerkennung.“ Und man müsse sich beim Burnout Erholungsphasen gönnen, eine vernünftige und reale Zukunftsplanung sehen. Seiner Meinung komme dieser Aspekt oftmals bei den Fußballern zu kurz. Er kennt Zahlen vom VDV (Vereinigung der Vertragsfußballer), die belegen, wie viele Ex-Profis nach dem Karriereende auf der Straße stehen, ohne Beruf und ohne Geld. Von daher sei eine Ausbildung sehr, sehr wichtig. Die kann beispielsweise Mike Wunderlich vorweisen, der auch bekannte, dass er „zum Glück das Burnout überwunden hat“.

Dr. Kellmann sprach gerade beim Burnout, dem ihm verwandten anderen psychischen Störungen (Depressionen), noch von großen Wissensrückständen. „So eine Veranstaltung des FLVW beim Kaminabend kann dabei helfen aufzuklären. Es kann auf Trainertagungen zum Thema gemacht werden und muss bis zur Basis durchsickern. Der Sport kann dabei Vorreiter auch für die Wirtschaft sein.“ Diese Botschaften nahm FLVW-Präsident Hermann Korfmacher aufmerksam zur Kenntnis. Er hatte den 4. Kaminabend eröffnet und die Gäste begrüßt.

 

Quelle: FLVW/Eckhard Albrecht

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