Westdeutscher Fussballverband e.V.
Verbandsnews 14.11.2016

FM = 0,5*ρ*A* c *v* M ( ω × v ) - Warum der Ball um die Ecke fliegt

WDFV stellt Magnus-Effekt bei der Bildungskampagne "Das habe ich beim Sport gelernt" in den Mittelpunkt

Das WDFV-Motiv ist Teil der Bildungskampagne "Das habe ich beim Sport gelernt."
Das WDFV-Motiv ist Teil der Bildungskampagne "Das habe ich beim Sport gelernt."

Im Rahmen der großen Bildungskampagne des Landes Sportbundes NRW „Das habe ich beim Sport gelernt“ stellt der WDFV für den Fußball den „Magnus-Effekt“ als Bildungsinhalt in den Mittelpunkt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Engagiert: Die Juniorenfußballer des MSV Duisburg leisteten bereitwillig den Anweisungen des Fotografenteams Folge.
Engagiert: Die Juniorenfußballer des MSV Duisburg leisteten bereitwillig den Anweisungen des Fotografenteams Folge.

Fußball ist eine Wissenschaft für sich und kann viele Fragen aufwerfen. 1997 etwa, als der Brasilianer Roberto Carlos im Länderspiel gegen Frankreich aus 35 Metern ein wahres Wundertor erzielte, wunderten sich die Zuschauer weltweit, mit welchem Zaubertrick der Südamerikaner den Ball um die Ecke fliegen lassen konnte. Denn eigentlich war der von Carlos geschossene Freistoß derart kräftig Richtung Eckfahne unterwegs, dass sich ein Balljunge neben dem Tor spontan wegduckte. Doch der Junge war nicht in Gefahr. Der Ball drehte sich im letzten Moment scharf nach links und flog vorbei am französischen Torwart Fabien Barthez ins Netz. Barthez blickte dem Ball nur noch erstarrt hinterher.

Warum ist die Bananenflanke krumm?

Viele Jahre fragten sich selbst Fußball-Experten, wie Carlos dieser Schuss gelingen konnte. Mittlerweile ist das Rätsel gelöst. Denn Carlos bediente sich – ebenso wie nach ihm viele Freistoßschützen auch in deutschen Ligen – des Magnus-Effekts. Demnach wird ein Ball, der sich beim Flug durch die Luft um die eigene Achse dreht, zu der Seite hin abgelenkt, auf der sich die Luftströmung bewegt. Dort wird in der Nähe des Balls Luft mitgerissen, so dass sie sich schneller bewegt und im Vergleich zur gegenüberliegenden Seite ein Unterdruck entsteht.

"Das habe ich beim Sport gelernt": Hier geht es direkt zur Kampagnen-Homepage des Landessportbundes NRW!

Für Physiker ist der Magnus-Effekt in der Formel FM = 0,5*ρ*A* c *v* M ( ω × v ) zusammengefasst. Aber was bedeutet das eigentlich? Oder vereinfacht gefragt: Warum ist die Bananenflanke krumm? „Dieses Phänomen der Strömungsmechanik, das einst vom Physiker Heinrich Gustav Magnus beschrieben wurde, macht bezüglich rotierender Bälle eine Menge möglich. Fußballer nutzen den Magnus-Effekt zum Beispiel für Bananenflanken oder kunstvoll getretene Freistöße, die um die Mauer fliegen“, erklärt Hermann Korfmacher, Präsident des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV).

Hermann Korfmacher: „Hier zeigt sich das hohe Bildungspotenzial des Fußballs“

Sehr gerne hat sich Hermann Korfmacher mit diesen physikalischen Gesetzen befasst. Fußball bildet eben – und deshalb war es für den Präsidenten keine Frage, dass für den Beitrag des WFLV (als Vorgängerverband des WDFV) an der Kampagne des Landessportbundes NRW „Das habe ich im Sport gelernt“, der Magnus-Effekt eine große Rolle spielt. Hier wird deutlich unter Beweis gestellt, wie eng Sport und Bildung miteinander verknüpft sein können. „Hier zeigt sich das hohe Bildungspotenzial des Fußballs“, sagt Korfmacher.

Dass Sport bildet und Bildung Bewegung braucht, gehört zu den Hauptaspekten der Kampagne des LSB-NRW. Dass Menschen vom Sport profitieren, zum Beispiel in Gesundheit und der körperlichen und geistigen Fitness wird ebenfalls anerkannt. Aber dass im Sport gelernt wird, dass Sport bildet, fällt meistens erst auf Nachfrage auf.

Genau hier setzen der Landessportbund NRW und seine Partner mit der Kampagne „Das habe ich beim Sport gelernt“ an. Die Antworten der Befragten bestätigen: Sport leistet vielfache Beiträge zur Bildung. Er baut Eigenschaften wie Durchhaltevermögen, Verantwortlichkeit und Disziplin auf. Er entwickelt soziale Fähigkeiten. Ermöglicht, sich Kompetenzen über Führung oder Organisation anzueignen. Die Liste ist lang. Das Erlernte im Sport hilft darüber hinaus, Aufgaben im Leben und im Beruf besser zu bewältigen. Der Vorteil: Sport erreicht alle Altersgruppen und findet in jeder Altersstufe statt.

"Semiotik, Deutsch, Leistung, Schwerkraft beherrschen....: Hier sehen Sie weitere eindrucksvolle Motive der LSB-Kampagne!

Für eine große Aufmerksamkeit sorgte bereits die erste Plakatwelle, bei der einige Sportfachverbände mitwirkten. In diesem Aufschlag wurden in erster Linie „Werte vermittelt“, wie beispielsweise Respekt erweisen, Durchhalten, Entscheidungen treffen, Freude teilen, Zusammen wachsen oder Haltung zeigen. Die nunmehr gestartete zweite Motiv-Welle soll konkrete Bildungsinhalte aufzeigen, die dem Sport neben dem Lernort Schule nicht direkt zugeschrieben werden und zum Nachdenken anregen sollen. Inhalte wie Symbolik (Volleyball), Meteorologie (Segeln), Schwerkraft/Fliehkraft (Röhnrad), Reflektionsgesetz (Hockey) oder Rhythmik (Schwimmen) konnten perfekt den passenden Sportarten zugeordnet werden. Der WFLV beteiligt sich mit dem Begriff Magnus-Effekt für den Fußball an der Motiv-Welle.

Natürlich sollte das Thema mit Protagonisten aus der Praxis umgesetzt werden. Der WFLV freute sich, dass sich der Profiklub MSV Duisburg mit seinen U17-Fußballern sofort bereit erklärte, an der Kampagne mitzuwirken. Mehrere Stunden dauerte das Foto-Shooting auf dem Vereinsgelände in Meiderich, bei dem die verschiedenen Möglichkeiten und Effekte festgehalten. Die professionelle Einstellung der Meidericher Juniorenfußballer, die bereitwillig den Anweisungen des Fotografenteams Folge geleistet hatten, werten das Produkt massiv auf. Es entstand bestes Rohmaterial, das schließlich durch die Grafikagentur zum Plakatmotiv verarbeitet werden konnte.

Sportvereine erbringen erhebliche Bildungsleistungen

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und erfüllt die hohen Ansprüche der Kampagne. Denn die zunächst bis 2017 ausgerichtete Kampagne „Das habe ich beim Sport gelernt“ zielt auch darauf ab, die Bildungsverantwortlichen in Politik und Verwaltung auf den Bildungsauftrag der Sportorganisationen und insbesondere auf die Bildungsleistungen der Sportvereine für Kinder, Jugendliche und Erwachsene hinzuweisen. Sportvereine erbringen sowohl innerhalb ihrer eigenen Organisationen als auch in öffentlichen Bildungseinrichtungen (z.B. Kitas, Schulen) erhebliche Bildungsleistungen und sind somit wichtige Akteure in den jeweiligen kommunalen Bildungslandschaften.

NRW-Sportministerin Christina Kampmann ist von der Kampagne begeistert: „Ich steh‘ voll hinter der Kampagne des LSB.“ Der Beitrag des Sports für Bildung könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. „Mir gefällt an der Kampagne des Landessportbundes NRW, dass sie den Blick auf den Sport verändert. Sport ist eben nicht nur, wenn die Arminia gegen den VfL spielt.“ Auf der Vereinsebene werde eine Arbeit geleistet, die so vielfältig sei wie das Leben: von der Gesundheitsprävention über den Jugendsport bis hin zum Sport mit Älteren und zur aktuellen Aufgabe der Integration von Flüchtlingen. „Wer solche Aufgaben stemmt, schafft eine Fülle von Gelegenheiten, Bildung zu erwerben“, so die Ministerin.

Im Hinblick auf „Sport in der Schule“ macht Christina Kampmann klar, dass es noch einiges zu tun gebe: „Wir sollten etwas dafür tun, die Bedeutung von Sport in der Schule zu verbessern. Da sind wir dabei. Am Ende muss eine Aufwertung des Sports stehen.“

Für LSB-Kampagnenbotschafter Ansgar Wessling steht das „Faktenwissen“ in der Schule viel zu sehr im Vordergrund. Dort lebe man eigentlich auf einer Insel mit wenig Kontakt zur gesellschaftlichen Realität. Da sei der Sport sehr viel näher dran und könne Zusätzliches bieten: „Beim Sport lernt man Kommunikation, Rücksicht auf den anderen, es geht um den Einsatz für ein großes Ziel. Das sind Werte, die im Sport sehr gelebt werden, vielleicht mehr als an der Schule.“ Der ehemalige Ruder-Olympiasieger habe durch Sport auch Struktur gelernt. „Das hat mir im Leben – insbesondere im Berufsleben – sehr geholfen.“

Mehrere Stunden dauerte das Foto-Shooting auf dem Vereinsgelände des MSV in Meiderich.
Mehrere Stunden dauerte das Foto-Shooting auf dem Vereinsgelände des MSV in Meiderich.

Fußballvereine beteiligen sich kreativ am Video-Wettbewerb

Parallel zu den Plakatmotiven läuft weiter der Video-Wettbewerb, bei dem die Protagonisten in ihren hochgeladenen Videos erzählen, was sie beim Sport gelernt haben. Der WDFV freut sich, dass die Fußballvereine des Westens hier weiter kreativ bei der Sache sind. Im Rahmen der ersten Stufe der Kampagne auf dem entsprechenden Portal des LSB-NRW wurden über 150 Videos in der Sportart Fußball hochgeladen. Vielfältig und ideenreich sind die Beiträge.

In einem sympathischen Kurzinterview erklärt beispielsweise die 28 Jahre alte Alina, Trainerin beim SSV Lützelkirchen, die Aspekte, die sie beim Fußball gelernt hat: „Ich habe beim Sport gelernt, respektvoll miteinander umgehen, nie aufgeben, auch wenn man glaubt, dass man nicht mehr kann. Als Trainerin habe ich gelernt, dass ich mich auf andere verlassen kann.“ Der Fußballer Thomas vom SV Spexard berichtet aus eigener Erfahrung: „Ich habe beim Sport gelernt, dass man nach einer starken Verletzung zurückkommen kann, egal was passiert ist.“

In der nunmehr gestarteten zweiten Kampagne-Stufe ist die Initiative der Vereinsmitarbeiter gefragt. In dieser Stufe werden Kameras an Übungsleiterinnen, Übungsleiter und Ehrenamtliche im Sport vergeben. Übungsleiterinnen und Übungsleiter sollen im Video die Frage beantworten, was sie unternehmen, damit ihre Teilnehmer etwas im Sport lernen. Ehrenamtliche äußern, was sie in ihrer Funktion anstreben oder auch schon umsetzen, damit „Lernen“ in Ihrem Verein möglich wird. Zudem erstellen die Übungsleiterinnen, Übungsleiter und Ehrenamtlichen Videos von ihren Mitgliedern. Vereinen, die mindestens 30 Videos auf der Kampagnenseite hochladen und darin bestimmte Fragen beantworten, sollen die Kameras anschließend überlassen werden.

Das lohnt sich. Der WDFV beteiligt sich gerne an dieser Kampagne und möchte alle Fußballvereine in NRW ermuntern, mitzumachen. Nähere Informationen gibt es im Internet direkt auf der Homepage www.beim-sport-gelernt.de. Fußball ist eben eine extrem spannende und aufschlussreiche Wissenschaft.

Text und Fotos: WDFV

Der Magnus-Effekt: Das haben Fußballer beim Sport gelernt.
Spielberechtigungen Regionalliga West