Westdeutscher Fussballverband e.V.
Regionalliga West 06.01.2014

"De Schängs" Erben greifen an:
Fortuna Köln will zurück ins Rampenlicht

Regionalliga-Story

26 Jahre war Fortuna Köln fester Bestandteil der 2. Fußball-Bundesliga, für eine Saison spielten die Südstädter sogar erstklassig. Nach einer rasanten Talfahrt peilt der Traditionsclub jetzt den Aufstieg in die 3. Liga an.

Klaus Ulonska gehört nicht zu den Menschen, die eine gute Tabellenposition überbewerten. «Es wäre wunderbar, wenn wir unseren Traum vom Aufstieg realisieren könnten. Unter Druck setzen wir uns aber nicht», sagt der Präsident des Fußball-Traditionsvereins Fortuna Köln. Die für Kölner Verhältnisse ungewöhnlich ausgeprägte Zurückhaltung ist nachvollziehbar. Der Club, der 26 Jahre fester Bestandteil der 2. Fußball-Bundesliga war und in der Saison 1973/74 sogar erstklassig spielte, musste in seiner Historie schon einige Rückschläge verkraften. Nach einer rasanten Talfahrt ist das Comeback im Rampenlicht aber greifbar.

   Zumindest kann die Fortuna den Aufstieg in die 3. Liga ins Visier nehmen. Nach dem ersten Saisonabschnitt in der Regionalliga West führen die Kölner die Tabelle an und können ihre Spitzenposition mit einem Sieg im Nachholspiel am 25. Januar gegen Alemannia Aachen auf sechs Punkte Vorsprung zum Verfolger Sportfreunde Lotte ausbauen. Zudem konnte die Fortuna (42 Punkte) die ursprünglichen Aufstiegsfavoriten Viktoria Köln (33) und RW Essen (27) bereits deutlich distanzieren.

   Über Fortuna Köln gibt es viele Geschichten zu erzählen. Die meisten beginnen mit dem früheren Präsidenten Jean Löring, der den Club aus der Kölner Südstadt mit viel Engagement, ungewöhnlichen Entscheidungen und mehreren Millionen Mark Investment über Jahrzehnte im Profifußball verankert hatte. 1983 führte der Mäzen, den alle «de Schäng» nannten, «seine» Fortuna ins DFB-Pokalfinale gegen den Stadtrivalen 1. FC Köln (0:1).

   Als legendär gilt Lörings Entscheidung, 1999 während der Halbzeitpause des Spiels gegen Waldhof Mannheim Trainer Toni Schumacher zu kündigen. Anschließend begründete der Boss: «Ich als Verein musste reagieren.» Nach einem verlorenen Match soll Löring voller Wut auf den Spielbericht gekritzelt haben: «Alles gelogen!» Die folgende Stadionsperre habe er dann im Weihnachtsmann-Kostüm umgangen. Der 2005 verstorbene Unternehmer konnte jedoch den Absturz der Fortuna nicht verhindern. 2000 aus der 2. Liga abgestiegen, entging der Verein fünf Jahre später nur knapp der Insolvenz und trat bis 2008 in der Mittelrheinliga an.

   Für die Geschichten ist seit 2006 Ulonska zuständig. Der volksnahe Präsident ist dafür bekannt, die Fans bei Heimspielen per Handschlag auf der Tribüne zu begrüßen. Allzu viel Stress bereitet das nicht. Nur 779 Fans kamen Ende November 2013 zum Spiel gegen die U 23 von Bayer Leverkusen, als Fortuna per 3:2-Erfolg die Spitzenposition manifestierte. Im Schnitt waren es 2158 Zuschauer, die sich diese Saison bei den neun Heimspielen im Südstadion verloren haben.

   «Wir haben im Kader eine gute Mischung, die sportlich und menschlich passt», sagt Trainer Uwe Koschinat, dessen Spieler kaum Profi-Erfahrungen aufweisen können. Erfolgreichster Spieler ist Ercan Aydogmus. Der 34-Jährige saß zu Saisonbeginn meist auf der Reservebank, führt in der Winterpause die Torschützenliste der Regionalliga West mit 14 Treffern an. «Aydogmus ist ein echtes Wunder», erzählte Ulonska. Die Geschichten gehen bei  Fortuna Köln nicht aus.

Quelle: WFLV/Roland Leroi

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