Westdeutscher Fussballverband e.V.
Regionalliga West 07.11.2013

Derby-Story Fortuna gegen Viktoria Köln

Für den guten Zweck: Trainer Koschinat bald mit Bart.

Glücksgöttin trifft Siegesgöttin: Fortuna gegen Viktoria

Es geht nicht nur um drei ungemein wichtige Punkte, sondern vor allem um jede Menge Prestige. Das Derby zwischen den beiden punktgleichen Meisterschaftsanwärtern SC Fortuna und FC Viktoria Köln steht am Wochenende im Fokus des Interesses. Wer ist in der 4. Liga die Nummer eins in der heimlichen „Hauptstadt“ der Regionalliga West, in der neben der Fortuna und der Viktoria auch noch die zweite Mannschaft des 1. FC Köln mitmischt? „Wir sind alle heiß und werden alles in die Waagschale werfen“, sagt Fortuna-Stürmer Ercan Aydogmus, der selbst in der abgelaufenen Saison noch für die Viktoria am Ball war. 5000 bis 7000 Zuschauer werden am Samstag (ab 14 Uhr) erwartet.

Beide Mannschaften gehen zwei Tage vor dem „Elften im Elften“, dem Start der Kölner Karnevals-Session am 11. November, mit viel Selbstvertrauen in die Begegnung im Südstadion, das gerade einmal neun Kilometer vom Sportpark Höhenberg, der sportlichen Heimat der Viktoria auf der rechtsrheinischen Seite, entfernt ist. Die zweitplatzierten Gastgeber gewannen am vergangenen Wochenende 1:0 bei den Sportfreunden Siegen. Die drittplatzierte Viktoria holte zeitgleich beim 2:1 gegen den FC Schalke 04 II einen weiteren Dreier und ist in dieser Saison neben dem Spitzenreiter Sportfreunde Lotte die einzige Mannschaft, die noch nicht verloren hat.

 

Verlierer der Partie rutscht auf Rang drei ab

Der Tabellenführer vom Lotter Kreuz rangiert mit 35 Zählern vor den Verfolgern aus der Rhein-Metropole (beide 32), die allerdings jeweils eine Partie weniger ausgetragen als der Ligaprimus. Die Sportfreunde treten bereits am Freitag (ab 19.30 Uhr) bei Rot-Weiss Essen an und können den Druck auf die beiden Derby-Teilnehmer mit Drittliga-Ambitionen mit einem Sieg deutlich erhöhen. „Das Duell ist für beide Vereine sehr wichtig“, sagt Franz Wunderlich, Sportlicher Leiter bei der Viktoria. „Doch egal wie es ausgeht: Selbstverständlich fällt zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison noch längst keine Entscheidung.“

Verlieren und auf Rang drei abrutschen, das möchte am Samstag jedoch weder die „Glücksgöttin“ Fortuna noch die „Siegesgöttin“ Viktoria. Die jüngste Bilanz spricht für die Gastgeber, die beide Regionalliga West-Derbys in der abgelaufenen Saison jeweils 3:1 für sich entscheiden konnten. Für den Fortuna-Trainer Uwe Koschinat spielt außerdem der Heimvorteil eine Rolle. „Wir sind gerade zu Hause zu außergewöhnlichen Leistungen fähig“, betont der 42-Jährige. „Wichtig ist, dass wir eine gute Mischung aus Anspannung und Fokussierung finden. Die Mannschaft, die zuerst ihre Nervosität ablegt, hat einen Vorteil. Deshalb wird gleich den ersten Aktionen des Spiels eine entscheidende Bedeutung zukommen. Ich denke, dass unter dem Strich Kleinigkeiten entscheiden werden.“

 

Aydogmus der erfolgreichste Fortuna-Torjäger

Verlassen kann sich Koschinat vor allem auf seine Offensive. Keine Mannschaft traf häufiger als die Fortuna (34). Aber auch die Defensivleistung (13 Gegentreffer in 14 Partien) kann sich sehen lassen. „Die hohe Anzahl an Toren überrascht selbst mich ein wenig“, gibt Koschinat zu. „In der Defensive müssen wir uns dagegen noch steigern.“

Entscheidende Bedeutung im Angriffsspiel hat bei der Fortuna ein Spieler, der den Gegner vom kommenden Samstag bestens kennt: Ercan Aydogmus führt die Torschützenliste der Regionalliga West mit neun Treffern (gemeinsam mit Robert Leipertz von der U 23 des FC Schalke) an. Bemerkenswert: Sechs Tore erzielte der 34-jährige Routinier, der im Sommer die Rhein-Seiten gewechselt hatte, nach einer Einwechslung. In den vergangenen beiden Begegnungen stand er jeweils in der Startelf und erzielte seine Saisontore sieben bis neun. „Ich genieße jede Minute, in der ich auf dem Platz stehe“, sagt Aydogmus. „Egal, ob ich in der Anfangsformation stehe oder von der Bank komme: Ich spüre das Vertrauen des Trainers und hoffe, dass ich meinen Teil zum Derbysieg beitragen kann.“

 

Yilmaz-Unfall ein Schock für die Fortuna

Nicht dabei sein kann mit Ozan Yilmaz einer der Schlüsselspieler im Fortuna-Mittelfeld. Der 25-Jährige, der bisher an zehn Treffern direkt beteiligt war (fünf Tore, fünf Vorlagen), war vor dem Siegen-Spiel in einen Autounfall verwickelt und hatte sich schwer verletzt. Zwischenzeitlich war der Zustand des Deutsch-Türken sogar kritisch. Aktuell erholt er sich auf der Intensivstation von einem Beckenbruch und einem Riss des Zwerchfells. „Die Mannschaft war im ersten Moment geschockt. Umso erleichterter waren wir alle, als ich jetzt mit Ozan telefonieren konnte. Das wird der gesamten Gruppe Kraft geben. Sportlich wiegt sein Verlust schwer. Am wichtigsten ist aber erst einmal, dass er wieder gesund wird.“

Yilmaz’ Mitspieler hatten ihren verletzten Mannschaftskollegen beim Siegen-Spiel immer dabei. Aydogmus und Co. brachten Yilmaz-Trikots mit ins Leimbachstadion und reckten sie nach Spielschluss in die Höhe.

 

Projekt „Movember“: Einsatz für den guten Zweck

Die meisten Fortuna-Spieler lassen sich derzeit leicht erkennen. Nahezu die komplette Mannschaft und das Trainer-Team lassen sich einen Oberlippenbart stehen, um im zweiten Jahr in Folge das Projekt „Movember“ zu unterstützen, das sich der Förderung von Männergesundheit verschrieben hat. Über Spenden soll die innovative Forschung zur Behandlung von Prostata- und Hodenkrebs finanziert werden.

„Wir finden, das ist eine sehr gute Sache“, so Trainer Koschinat. „Es ist auch eine lustige Aktion und schweißt uns nicht nur optisch weiter zusammen.“ Ärger mit seiner Frau hat Koschinat nicht zu befürchten. „Ich bin schließlich schon seit Jahren verheiratet“, meint der Fußball-Lehrer lachend.

 

Viktoria-Trainer Wollitz ohne Wunderlich und Staffeldt

Im Lager der Viktoria erwartet Sportchef Franz Wunderlich ein „50:50-Spiel. Viel wird auf die Tagesform ankommen und wie wir in die Zweikämpfe kommen. Mit der Fortuna empfängt uns eine physisch starke Mannschaft, die aggressiv zu Werke gehen wird. Darauf müssen wir uns einstellen“, so der Funktionär vor dem Duell im Südstadion, in dem die Haupttribüne bereits zu Wochenbeginn ausverkauft war.

Auch die Viktoria, die mit nur neun Gegentreffern nach Lotte (sieben) die zweitbeste Defensive aufweist, kann nicht in Bestbesetzung antreten. Trainer und Ex-Profi Claus-Dieter „Pele“ Wollitz, seit Saisonbeginn im Amt, muss mit Kapitän Mike Wunderlich, dem Sohn von Franz Wunderlich, und Timo Staffeldt ausgerechnet zwei erfahrene Mittelfeldsäulen ersetzen. Der zweitliga-erfahrene Wunderlich ist noch rotgesperrt, der erstliga-erfahrene Staffeldt fällt mit einem Syndesmosebandriss vier Monate aus. „Wir werden die Ausfälle als Mannschaft auffangen“, so Wollitz vor seinem ersten Derby mit der Viktoria bei der Fortuna.

 

Nottbeck und Pagano gegen Ex-Klub Fortuna

Besonders motiviert dürften bei der Viktoria Mittelfeldmotor Lukas Nottbeck und Angreifer Silvio Pagano sein, die erst im Sommer nach der Vizemeisterschaft mit der Fortuna den Weg vom Südstadion in den Sportpark Höhenberg gefunden hatten.

„In den vergangenen Jahren sind Freundschaften entstanden, die am Samstag lediglich für 90 Minuten ruhen müssen“, sagt ihr Ex-Trainer Koschinat.

 

Quelle: DFB/mspw

 

 

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