Westdeutscher Fussballverband e.V.
Jugend-Fußball 07.04.2016
Gemeinsam für den Erfolg im Mädchenfußball.

Förderung für 54 NRW-Elitespielerinnen

Bei den professionell angelegten WFLV-Sichtungsmaßnahmen wird der Mädchenfußball gezielt unterstützt.

Gemeinsame Förderung: Bei der WFLV-Sichtungs-Maßnahme, hier mit Verbandstrainerin Kathrin Peter (mitte), wird akribisch gearbeitet (Foto: WFLV).

Vier Tage, 54 Fußballerinnen und jede Menge Qualität. „Es macht einfach Spaß, so viele gute Spielerinnen beisammen zu haben“, sagt Kathrin Peter. Der Fußballlehrerin, die beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hauptverantwortlich für die Ausbildung der Mädchenfußballerinnen ist, ist die Freude am Projekt deutlich anzumerken.

Gemeinsam mit ihren Fußballlehrer-Kolleginnen Wiltrud Melbaum-Stähler vom Fußballverband Niederrhein (FVN) und Verena Hagedorn vom Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) leitet Peter die WFLV-Sichtungsmaßnahme für U16-Juniorinnen. Im SportCentrum Kamen-Kaiserau wurde der Lehrgang Anfang März unter professionellen Bedingungen durchgeführt.

„Die Maßnahme ist intensiv und kompakt. Wichtig ist, dass wir gute Fußballerinnen auf einem Top-Niveau ausbilden und individuell fördern können“, erzählt Peter.

Sie muss es wissen. Für ihr fachkundiges Engagement um die Förderung und Entwicklung des Mädchen- und Frauenfußballs, hatte die Verbandstrainerin bereits 2010 den Förderpreis der Sportstiftung NRW erhalten. Die heutigen, etablierten Nationalspielerinnen Alexandra Popp oder Annike Krahn wurden einst im Nachwuchs durch Peter gefördert. Ihr Fachwissen bringt sie nun bei den Sichtungsmaßnahmen gezielt ein.

Der viertägige Lehrgang, der die U16-Mädchen auf den anstehenden DFB-Länderpokal in ihrer Altersklasse einstimmte, ist schließlich nur die erste Maßnahme im Kalenderjahr 2016. Der WFLV und die Sportstiftung NRW fördern zudem im erheblichen Umfang die Sichtungsmaßnahmen für U14-Fußballerinnen im April in Kaiserau. Außerdem gibt es einen Lehrgang für U18-Spielerinnen im September in Duisburg-Wedau. An einem Wochenende im Juni finden in Hennef Sichtungsspiele für den U12-Nachwuchs statt.

Gemeinsame Sichtung für NRW: Die Verbandstrainerinnen Kathrin Peter (li.), Wiltrud Melbaum-Stähler (mi.) und Verena Hagedorn (re.) leiten die Maßnahmen.
Gemeinsame Sichtung für NRW: Die Verbandstrainerinnen Kathrin Peter (li.), Wiltrud Melbaum-Stähler (mi.) und Verena Hagedorn (re.) leiten die Maßnahmen. - Klicken Sie auf das Bild für eine Slideshow

„Wir beginnen schon sehr früh mit der Sichtung“, erklärt Peter, die aus ihrer langjährigen Erfahrung weiß, dass sich diese Maßnahmen lohnen. Über 50 Prozent der Spielerinnen, die für die U12 gesichtet wurden, sind in der U18 noch dabei. Das ist eine ordentliche Quote, die zeigt, dass bei der Sichtung schon frühzeitig genau hingeschaut wird.

Dementsprechend sind den meisten der U16-Fußballerinnen, die bei eisigem Wind und frostigen Temperaturen in Kaiserau am Lehrgang teilnehmen, die Abläufe bekannt. „Viele haben bereits die U12 und U14 durchlaufen und entwickeln sich gut weiter“, sagt Peter. FLVW, FVM und FVN haben jeweils 18 Spielerinnen dabei. Somit stehen gewissermaßen die besten 54 Mädchenfußballerinnen ihrer Altersklasse aus NRW auf dem Rasen und werden durch die WFLV-Maßnahme gemeinsam gefordert und gefördert.

Wichtig sind dabei vor allem der Austausch unter den Trainerinnen und die Erkenntnisse aus den angesetzten Sichtungsspielen. „Wir tauschen uns natürlich in der Analyse über Taktiken aus“, erklärt Melbaum-Stähler. Bei den Sichtungsspielen stehen die Ergebnisse nicht wirklich im Vordergrund. „Natürlich möchten alle gewinnen. Wichtiger als das 1:0 ist aber die individuelle Entwicklung der Spielerinnen. Dafür sind die gemeinsamen Sichtungsmaßnahmen sehr wichtig“, setzt Peter die Prioritäten. Es wird gemeinschaftlich trainiert und unter Wettkampfbedingungen gespielt. Damit jede Mannschaft einen Spielpartner hat, wird in der Regel noch ein vierter Verband zum Lehrgang eingeladen. In Kaiserau sind die Fußballerinnen des Landesverbandes Bremen zu Gast. Für die U18-Mädchen wird ein KNVB-Team aus den Niederlanden angefragt.

Die Sichtungsmaßnahmen sind ein wichtiger Teil der Eliteförderung des Mädchenfußballs, die der WFLV vor allem durch die finanzielle Unterstützung der Sportstiftung NRW langfristig vorantreiben kann. Die Lehrgänge für die U14 und U16-Juniorinnen werden hierbei gezielt gefördert, damit möglichst viele Spielerinnen den Sprung in den Bundeskader erreichen können.

Grundlage das beim WFLV entwickelte Mädchenförderkonzept

Bereits 2013 wurde diesbezüglich das DOSB-Regionalkonzept beim WFLV unterzeichnet. Grundlage für die Talentförderung ist hierbei das beim WFLV entwickelte Mädchenförderkonzept. Dieses Projekt liefert die Basis für die gesamte nachhaltige Förderung der Spitzentalente in NRW. Vorrangiges Ziel ist es, durch optimale Talentsichtung und –förderung die besten Spielerinnen als Elitespielerinnen zu identifizieren, um anschließend das Leistungsniveau der Spitzenathletinnen in NRW innerhalb ihrer drei Landesverbände so weit anzuheben, dass ihnen der Sprung in die Nationalkader zu einem möglichst frühen Zeitpunkt gelingt.

Die 54 eingeladenen Spielerinnen eines jeden Jahrgangs erfahren bei der Sichtung nicht nur das fachkundige Training auf den beiden Kunstrasenplätzen in Kaiserau. Die Verbandssportlehrerinnen können außerdem auf die Unterstützung von Physiotherapeuten, Torwarttrainern, Athletiktrainern und Mentaltrainern zurückgreifen. Insgesamt soll die ganzjährige Begleitung der Talente in den Bereichen Sportpraxis, Sportmedizin, Physiotherapie und duale Karriere gewährleistet sein.

Mentaler Berich ist sehr wichtig

„Gerade der mentale Bereich ist sehr wichtig“, meint Melbaum-Stähler. Schließlich müssen die jungen Spielerinnen, die sich zumeist in der Pubertät befinden, auch lernen, mit Druck umzugehen. Und Druck empfindet jeder Mensch anders. Schließlich kann es schon als eine Belastung gesehen werden, wenn die Talente beim DFB-Länderpokal unter Beobachtung des Nationaltrainer-Stabs und der Bundesliga-Klubs stehen. „Andere sind das erste Mal bei der Sichtung und benötigen Hilfe, um sich zurechtzufinden“, erklärt Melbaum-Stähler.

Zudem sind während der Sichtung tägliche Gespräche zur Karrierebegleitung angesetzt. „Hier wird den Spielerinnen vermittelt, auf was sie in der Zukunft achten müssen“, erläutert Peter. Die duale Ausbildung mit Schule und Sport kann bei diesen Terminen Thema sein. Eventuell kann auf dem Weg zum Nationalteam oder zu einem Bundesligisten auch eine Förderung über das Mädchenfußball-Internat in Kaiserau sinnvoll sein.

Begleitet werden die Lehrgänge von jeweils zwei Verbandsmitarbeitern, die eine Videoaufzeichnung für die Analyse der Spielinhalte erstellen. Luisa Genfeld, die beim WFLV gerade ihr Freiwilliges Soziales Jahr leistet, gilt hierbei als echte Expertin an der Videokamera. Die Trainerinnen teilen ihr vor den Sichtungsspielen exakt mit, ob etwa defensive oder offensive Inhalte bevorzugt für die Spielanalyse aufgezeichnet werden sollen. Als aktive Spielerin beim Zweitligisten Borussia Mönchengladbach hat Genfeld ein Auge für die Wünsche der Trainerinnen. „Wir haben bei der Auswahl der FSJlerin schon darauf geachtet, dass sie fußballaffin ist, damit wir sie in der Praxis einbinden können“, erklärt Frank Guina, zuständiger Sachgebietsleiter Fußballjugend beim WFLV.

Damit die besten Mädchenfußballerinen in NRW so optimal wie möglich auf eine erfolgreiche Karriere in der Nationalmannschaft vorbereitet werden können, wird eben auf jedes Detail geachtet.

Text: WFLV

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