Westdeutscher Fussballverband e.V.
Freizeit- und Breitensport 23.12.2015

G-Team Uedem: Akzeptanz und
Toleranz standen immer im Mittelpunkt

Zum letzten Male trat das G-Team Uedem an. (Foto: privat/Weidemann)

Wer Lizenzen für den Sport erwerben möchte oder auch verlängern lassen muss, ist in der Sportschule Wedau immer am richtigen Ort. So auch im Frühsommer des Jahres 2005. Hier verlängerte Werner Weidemann seine Vereinsmanagerlizenz des DFB und wurde auf die „respect“-Kampagne des WFLV angesprochen. Werner Weidemann war seinerzeit als Trainer und Betreuer einer Fußballmannschaft für Menschen mit Behinderungen beim örtlichen Fußballverein in Uedem involviert.

Die Idee von „respect“ kam Werner Weidemann gerade recht. Gewalt und Rassismus haben im Sport nichts verloren. Könnte man die Kampagne nicht auch auf Belange der geistig behinderten Sportler ausweiten und den Zusatz „Akzeptanz und Toleranz gegenüber behinderten Menschen“ hinzufügen? Der Vereinsmanager fragte beim WFLV nach, ob er nicht im Rahmen von „respect“ ein Fußballturnier für Werkstattmannschaften organisieren könne. Gefragt, genehmigt, getan und mit Andreas Wessels, einem gebürtigen Uedemer und seiner SOCCERWorld in Köln fand man auch einen geeigneten Austragungsort.

Innerhalb von 6 Wochen hatte man ein Turnierfeld mit 32 Mannschaften beisammen, die dann am 25. August das 1. „respect“-Turnier um persönliche Medaillen und einem Wanderpokal bestritten. Das Besondere kam dann noch, denn der 1. FC Köln, gerade wieder in die Fußballbundesliga aufgestiegen, war bereit, den fast 400 geistig behinderten Sportlern und ihren Betreuern Eintrittskarten zur Verfügung zu stellen und die Siegerehrung für dieses Event vor dem Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern im Stadioninnenraum durch zu führen. Gleichzeitig konnte die „respect“-Kampagne den fast 55000 Zuschauern vorgestellt werden. Viele Bundesligavereine wie der Hamburger SV, Mainz 05, der 1. FC Kaiserslautern, Bayer Leverkusen, der MSV Duisburg, Bayern München, die Deutsche Nationalmannschaft, der KV Mechelen in Belgien und NEC Nijmegen in Holland sollten noch folgen.

Die Nachfragen zu dieser Turnierform stieg in der Folgezeit und in NRW war „respect“ mit geistig behinderten Fußballern „in“. Es folgten Turniere in Gevelsberg, Wuppertal und natürlich Uedem mit „respect“, bevor man für 2007 die Genehmigung bekam, das erste Mal „respect“ außerhalb von NRW vorzustellen.

24 Mannschaften aus NRW, Sachsen, Brandenburg, Berlin und ein Team aus Polen waren am Müggelsee untergebracht und spielten wieder um Medaillen und Pokale. Großes Zuschauerinteresse war hier vorhanden und zum 2. Male erfuhr man eine große Nachhaltigkeit, denn die VSG Rahnsdorf ging mit den Stephanus-Werkstätten eine Kooperation ein und wurde Pate über die dortige Fußballmannschaft. Bis heute können auf insgesamt 21 Patenverträge mit Fußballvereinen und Werkstätten für Behinderte hingewiesen werden.

Sogar von ehemaligen Bundesliga- und Fußballnationalspielern wurde bei den Turnieren die Atmosphäre und Spielfreude der geistig behinderten Sportler gelobt. Denn fast überall konnten ehemalige Profis als „respect“-Ehrengäste gewonnen und die Siegerehrungen mit ihnen abgehalten werden. Namhafte Fußballer wie Uwe Seeler, Oliver Bierhoff, Wolfgang Weber, Bernard Dietz, Florian Heller, Bernd Cullmann, Arne Friedrich oder die Basketballerin Diana Pop, Ulli Stein, Ingo Anderbrügge, Jupp Tenhagen, Jean-Marie Pfaff in Mechelen oder in Polen Jan Tomaczewski, Jan Domarski und Gregorz Lato treten seitdem für die „respect“-Kampagne ein.

Am letzten Novemberwochenende fand nun das 13. „respect“-Hallenturnier um den vom verstorbenen Ehrenvorsitzenden Hans Diedrich gestifteten Wanderpokal statt. 10 Mannschaften spielten wieder wie in den vorausgegangenen 51 Turnieren um Pokale, Ehrenpreise und persönliche Medaillen. Dass es das letzte Turnier in Uedem war, erklärte der 1. Vorsitzende vor der Siegerehrung so: aus gesundheitlichen Gründen zweier Vorstandsmitglieder hatte man seit dem Frühjahr versucht Nachfolger als Kassenwart und 1. Vorsitzenden zu gewinnen. Aber aus verschiedenen Gründen hatte sich bis zur außerordentlichen Mitgliederversammlung niemand bereit erklärt, die Führung des gut aufgestellten Vereines zu übernehmen. Zu viel Arbeit als Ehrenamtler wurden in den Vordergrund gestellt, aber auch, dass man die „Arbeit mit Behinderten“ scheue. Dieses führte letztendlich dazu, dass zum Jahresende 2015 die Löschung aus dem Vereinsregister beantragt wurde.

Die beiden aus Gesundheitsgründen zurückgetretenen Vorstandskollegen Ulli Quirrenbach und Werner Weidemann und dieser ganz besonders, blicken auf mehr als 10 tolle Jahre und Erlebnissen mit geistig behinderten Fußballern und „respect“ zurück. Nicht nur in NRW, Berlin, Hamburg, Bayern und Rheinland-Pfalz, sondern auch in 4 Ländern Europas (Niederlande, Belgien, Polen und Österreich) konnte man „respect“ würdig vertreten und geistig behinderte Sportler für einen Tag in den Focus der Öffentlichkeit rücken.

Für Werner Weidemann, der nach mehr als 35 Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit nun komplett aus dem reich erfüllten Sportlerleben zurücktritt, geht auch ein Stück Lebensweisheit mit. Nach seiner aktiven Laufbahn als Fußballer, erwarb er sich sportliche Meriten mit der Übungsleiterlizenz des DOSB als Trainer und Betreuer im Jugendbereich. In mehreren Funktionen bei Sportvereinen, als aktiver Schiedsrichter im Fußballkreis 8 des FVN und als Vereinsmanager des DFB kann er auf eine lange Erfahrung zurückblicken.

 

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