Westdeutscher Fussballverband e.V.
Verbandsnews 27.02.2015

Egidius Braun – der Glücksfall für den Fußball

DFB-Ehrenpräsident hat auch ein
gutes Stück WFLV-Geschichte gestaltet

Geboren wurde Egidius Braun am 27. Februar 1925 in Stolberg-Breinig.

Eine der treffendsten Überschriften, die das bisherige Lebenswerk von Egidius Braun würdigen soll, wurde von höchster Stelle formuliert. Als er 2001 beim DFB-Bundestag in Magdeburg offiziell verabschiedet und zum DFB-Ehrenpräsidenten gewählt wurde, nannte ihn der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder einen „Glücksfall für den deutschen Fußball“. Viel besser hätten es auch Philosophen nicht sagen können. „Das war keine leere Worthülse, sondern ist auch heute noch eine schöne Zusammenfassung des Lebenswerkes von Egidius Braun“, urteilte die „Aachener Zeitung“, gewissermaßen das Hausblatt des Ehrenpräsidenten, auch 14 Jahre nach Schröders Laudatio. Am 27. Februar begeht Egidius Braun seinen 90. Geburtstag.

Alle, die Egidius Braun kennen und sein Schaffen verfolgt haben, können dem nur zustimmen – und gratulieren dem Jubilar von Herzen. „Egidius Braun hat sich in großartiger Manier um den Sport in unserem Land verdient gemacht. Insbesondere hat er das soziale Engagement des Fußballs und seiner Verbände geprägt und prägt es bis heute“, sagte Hermann Korfmacher, Präsident des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes (WFLV). Übermittelt wurden die Glückwünsche in einem gemeinsam verfassten Schreiben des WFLV und seiner Landesverbände FLVW, FVN, FVM und LVN.

1993 wurde Egidius Braun zum Ehrenmitglied des WFV ernannt.

Egidius Braun und der WFV: "Besondere Verbundenheit"

Aus seiner Heimatverbundenheit hat der Weltmann Egidius Braun, der es Amtszeit maßgeblich forciert hat, die WM 2006 nach Deutschland zu holen, nie einen Hehl gemacht. Als der WFLV-Vorgängerverband WFV 1998 sein 100-jähriges Jubiläum beging, ließ es sich Egidius Braun in seiner Funktion als DFB-Präsident nicht nehmen, seine persönlichen Glückwünsche auszusprechen. „Ich fühle mich ´meinem´ Regionalverband, für den ich von 1973 bis 1992 als stellvertretender Vorsitzender tätig war, doch besonders verbunden“, schreib er dem WFV ins Stammbuch. 1993 wurde Egidius Braun zum Ehrenmitglied des WFV ernannt, 1995 erhielt er den Verdienstorden des Landes NRW. Viele weitere Auszeichnungen bis zum Bundesverdienstkreuz sollten folgen.

Geboren wurde Egidius Braun am 27. Februar 1925 in Stolberg-Breinig. Die Fußballbegeisterung hat er von seinem Vater, der fast 40 Jahre lang Vorsitzender des SV Breinig war. Der SV Breinig 1910 ist einer von vielen Sportvereinen im Dreiländereck bei Aachen. Dank seinem prominenten Mitglied Egidius Braun ist der SV Breinig 1910 allerdings die bundesweit bekannteste Adresse im Fußball-Amateurlager. Denn immer wenn es sich ergibt, und dafür sorgt er schon, streut der jetzige DFB-Ehrenpräsident einen Hinweis auf die Idylle seines Heimatklubs ein, wo er als Teenager den geraden Schuss und den klassischen Kopfball erlernte. Für den Erhalt dieser und möglichst vieler ähnlich heiler Breinig-Biotope in deutschen Landen, die Kinder noch in ihrem Sozialverhalten fürs Leben schulen, lohne es sich zu kämpfen, fügt er gerne an.

Egidius Braun (der seltene Vorname stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet soviel wie "Schildhalter") spielte oft als bekennender Katholik häufig sonntags im Kloster der Augustinerinnen in Aachen-Walheim bei der heiligen Messe die Orgel; er macht aus seiner Vorliebe für den so genannten "kleinen Fußball" keinen Hehl und spricht auch sonst darüber, dass er viel Gutes tut. Wer ihn deshalb einen Populisten nennt, tut dem Mann unrecht. Den Fußball, referierte er zu seiner Zeit als DFB-Präsident gerne, vor allem die Nationalspieler, "kann ich eben nur in dieser Position für Sozialarbeiten missbrauchen".

Ein glückliches Paar: Egidius Braun mit seiner Frau Marianne.

Kein Zweifel, mit dem studierten Kaufmann (Ex- und Importbetrieb für Agrarprodukte) und Unternehmensberater Braun als Präsident an der Spitze hatte der DFB sein nationales und internationales Engagement im Sozialbereich ausgeweitet. Der Aachener fühlte sich zwar in vielerlei Hinsicht den Vorgaben seines Wegbegleiters und Freundes Neuberger verpflichtet, trat auch durchaus wie sein Vorgänger als charismatischer Kosmopolit auf, doch verlor er nie seine Chancen aus den Augen, den Schwachen zu helfen, die sich hinter den Schlagzeilen des großen Geschäfts mit dem Ball ducken. Über spöttische Mutmaßungen, mit dieser Fürsorge sei er nicht mehr von dieser Welt und in der Ellenbogen-Gesellschaft eine Fehlbesetzung, ging er mit mildem Lächeln hinweg.

"Pater Braun"

"Pater Braun", wie er in Anlehnung an die berühmte Romanfigur genannt wurde und wird ("Wenn damit beschrieben werden soll, dass mir menschliches Miteinander von großer Bedeutung ist, bin ich damit sehr einverstanden. Wenn damit gemeint ist, dass ich zu allem ja und amen sage, ist das völlig falsch."), wusste und weiß sich durchzusetzen. Wer je mit ihm am Verhandlungstisch saß, hat’s erfahren. Sein Spesensatz - eine altmodische Zahl, mit der er gern kokettiert - belief sich auf 20 Mark am Tag und stand in umgekehrtem Verhältnis zu seinem zeitweiligen Drang, sich als Workaholic zu betätigen. Braun fühlte sich als Anwalt von fast sechseinhalb Millionen Mitgliedern, die im DFB den größten Einzelsportverband der Welt darstellen, "die bedeutendste Gesellschaftsbewegung überhaupt", und ihr Mandat verlieh ihm Durchschlagskraft und seinen Argumenten zusätzliche Stärke.

 "Weichensteller bin ich geworden"

"Als Kind wollte ich Lokomotivführer werden, Weichensteller bin ich geworden", sagte er gerne über sich. Braun gelang es dabei immer, mit der ihm eigenen Beharrlichkeit, die Großen aus Politik, Wirtschaft und Sport für die sozialen Zwecke einzuspannen. Völler, Toni Schumacher, Hans-Peter Briegel oder Oliver Bierhoff, um nur einige zu nennen, stehen bis zum heutigen Tag zur Verfügung. Sie kommen, wenn sie von Egidius Braun gerufen werden. Sein Vorname, aus dem Griechischen übersetzt, bedeutet "Schildträger" - einen treffenderen Namen hätten ihm seine Eltern kaum schenken können.

In seiner Zeit als DFB-Präsident (1992 bis 2001) traf er wegweisende sportpolitische Entscheidungen. "Ich wollte eigentlich nie DFB-Präsident werden, aber sie haben mich alle nach dem Tod von Hermann Neuberger, der ein großer Präsident war, bekniet, die Nachfolge anzutreten", berichtet Braun.

Finanziell unabhängig machte sich Braun mit großem Engagement ans Werk, stets von seiner Ehefrau Marianne unterstützt. Vor unpopulären Entscheidungen drückte sich der Mann nie, der so gerne Augustinus zitiert und einst sogar Philosophie studierte. In der Öffentlichkeit wurde immer gerne das Bild des jovialen "Pater Braun" gezeichnet.

Ebenso kraftvoll setzte sich Egidius Braun für die deutsche WM-Bewerbung ein. Dies, so Braun mit Inbrunst, sei eine optimale Chance, sich als "neues Deutschland im Herzen Europas" darzustellen. Aber nicht ohne zwei Stadien in den neuen Bundesländern. Die Vergabe der Ausrichtung der WM 2006 an Deutschland im Sommer 2000 bleibt also maßgeblich mit der Arbeit von Egidius Braun verbunden. Braun, ein Freund der schönen Künste, der als Delegationsleiter des deutschen Teams in Mexiko (WM 1986) am Flügel für Stimmung sorgte und als Sportdiplomat in der Bonner guten Stube des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aufspielte, wirkte in der Öffentlichkeit außerordentlich liebenswürdig und zugänglich. Zweifellos verstand er es in seiner verbindlichen Art, Menschen zu sich ins Boot zu ziehen. Er zeigte Gefühl, auch wenn ihn Kameras beobachten. Die Tränen, die Braun nach der schrecklichen Handlung deutscher Krimineller am französischen Polizisten David Nivel im WM-Spielort Lens vergossen hat, rührten Zuschauer in aller Welt an, weil sie ehrlicher Ausdruck seiner Erschütterung waren. "Das war die schwärzeste Stunde meines Lebens", gestand er und verwarf trotzdem den vorübergehenden Gedanken, als Ausdruck der Trauer die Nationalmannschaft aus dem laufenden Turnier zurückzuziehen: "Wir hätten vor dem Ungeist und dem Verbrechen kapituliert."

Zum ersten Ehrenpräsidenten des DFB gewählt

Sein Kampf gegen Drogenmissbrauch, Arbeitslosigkeit, Armut in Dritte-Welt-Ländern und osteuropäischen Staaten, für die Integration von Ausländern und die Aufwertung des Ehrenamtes geht dank dem Volkssport Fußball weiter. Braun, der bereits rechtzeitig signalisiert hatte, dass die Amtsperiode bis 2001 seine letzte sei, wurde beim Bundestag im April 2001 in Magdeburg zum ersten Ehrenpräsidenten des DFB gewählt. Zudem wurde eine Stiftung ins Leben gerufen, die seinen Namen trägt und sein soziales Engagement weiterführen soll. Braun war Vizepräsident und Schatzmeister der UEFA, Vorsitzender der Organisationskommission für das vom deutschen Team gewonnene Europameisterschaftsturnier 1996 in England, Mitglied der Organisations-Kommission für den FIFA-Weltpokal France 1998 und ist Träger zahlreicher Auszeichnungen großer in- und ausländischer Institutionen sowie kleinerer Vereine. Ein Mensch, der den Bezug zum Ball und zur Basis nie verloren hat.

Der Jubilar hat zu seinem Ehrentag am 27. Februar auf jegliche Geschenke verzichtet und bittet stattdessen um Spenden für die Mexico-Hilfe:

DFB-Stiftung Egidius Braun

Mexico-Hilfe

Sparkasse Aachen

BLZ 390 500 00

Konto 48 035 570

Fotos: DFB-Stiftung Egidius Braun

Quellen: WFLV/DFB/DFB-Stiftung Egidius Braun

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