Westdeutscher Fussballverband e.V.
Allgemein 29.01.2018

DFB-Präsident Reinhard Grindel zum Holocaust-Gedenktag: "Müssen uns vor jeden stellen"

Bewegende Rede im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund

Veranstaltungsort war das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund (Foto: © Fußballmuseum)
Veranstaltungsort war das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund (Foto: © Fußballmuseum)

Reinhard Grindel hat anlässlich des Holocaust-Gedenktages bei einer bewegenden Rede in Dortmund die kompromisslose Haltung des Fußballs gegen Antisemitismus und Ausgrenzung eingefordert. Im Deutschen Fußballmuseum sagte der DFB-Präsident: "Wir müssen uns vor jeden stellen, der wegen seiner Religion, seiner Herkunft, seiner Ethnie oder sexuellen Orientierung angegriffen wird. Wer gegen die Werte des Fußballs verstößt, dem müssen wir die rote Karte zeigen."

Zur Matinee-Veranstaltung am Sonntag waren auf Einladung des Deutschen Fußball-Bundes und des Museums viele Parlamentarier gekommen. Aber auch Dortmunder Bürger konnten sich online anmelden und viele nutzten die Gelegenheit. 250 Gäste füllten die dichtbestuhlten Reihen. Seit 1996 ist der 27. Januar in Deutschland ein offizieller Gedenktag, seit dem Beschluss der Vereinten Nationen im Jahr 2005 auch international.

Die komplette Rede von Reinhard Grindel lesen Sie hier!

Am 27. Januar 1945 hatten sich für die Überlebenden die Tore des Konzentrationslagers Auschwitz geöffnet, die Rote Armee hatte das Lager befreit. Historiker beziffern die Zahl der ermordeten europäischen Juden zwischen 1941 und 1945 auf 5,6 bis 6,3 Millionen Menschen. Zu den Opfern des nationalsozialistischen Unrechtsregimes zählte auch Julius Hirsch, ein deutscher Nationalspieler jüdischen Glaubens, der 1943 nach Auschwitz deportiert worden war.

"Bin stolz, dass der DFB heute ein Verband ist, der für Vielfalt steht"

"Der Ausschluss aus den Fußballvereinen war der erste Schritt auf dem langen Weg der Ausgrenzung und Entrechtung der Juden in Deutschland. Der Fußball hatte sein moralisches Rüstzeug in vorauseilendem Gehorsam aufgegeben. Es ist eine traurige Wahrheit: Auch der Fußball hat 1933 versagt, die Vereine, der DFB, sie waren keine Widerstandskämpfer", sagte Grindel in Dortmund. Mit dem sogenannten "Stuttgarter Beschluss" hatten 14 Vereine des Süddeutschen Fußballverbandes, darunter auch Hirschs Heimatverein, der Karlsruher FV, schon im März `33 den Ausschluss jüdischer Menschen aus dem Fußball proklamiert.

"85 Jahre nach dem kollektiven Versagen einer ganzen Generation leben wir in einem anderen Land. Und wir stehen für einen anderen Fußball", sagte Reinhard Grindel in Dortmund. Mit dem jährlich verliehenen Julius Hirsch Preis habe der DFB zusammen mit der Familie Hirsch "einen nachhaltigen Moment der Erinnerung geschaffen". "Ich bin stolz, dass der DFB heute ein Verband ist, der für Vielfalt steht." Neben dem DFB-Präsidenten gehörten zu den Rednern auch Claudia Roth, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Dortmunds Oberbürgermeister Ulrich Sierau und Jeremy Issacharoff, der Botschafter des Staates Israel. Die Festansprache hielt der Historiker Prof. Moshe Zimmermann.

Mehr zur Veranstaltung in Dortmund lesen Sie hier auf der DFB-Homepage!

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