Westdeutscher Fussballverband e.V.
Leichtathletik 01.03.2013

Großes Interesse beim Marathon-Forum in Gelsenkirchen

Dr. Maurice Keller, Michael Kürten, Christiane Dominick und Dr. Mirko Kuhn waren Referenten beim 1. Marathon-Forum im Vorfeld des VIVAWEST-Marathons. (Foto: Peter Middel)

„Tempotabelle statt Besenwagen! Tipps und Hinweise zum erfolgreichen Laufen.“ Unter diesem Motto stand das
1. Marathon-Forum, das im Augustinus-Haus in Gelsenkirchen im Vorfeld des 1. VIWAWEST- Marathon
(12. Mai) durchgeführt wurde.

Zurzeit befinden sich die Vorbereitungen für die Erstauflage dieses  Marathon-Events, das die Städte Gelsenkirchen, Essen, Bottrop und Gladbeck verbindet, in der Endphase. Auch für die 4000 Läuferinnen und Läufer, die sich bereits angemeldet haben, wird es langsam ernst.

Laufen ist eine relativ einfache Angelegenheit, könnte man meinen. Doch wer Gast beim Marathon-Forum im Augustinushaus war, wurde eines Besseren belehrt. Daher mussten die Experten um den Orthopäden und Sportmediziner Dr. Mirko Kuhn zahlreiche Fragen beantworten. Themen waren  u.a. das richtige Equipment, Trainingspläne und die Vorbeugung von Verletzungen. Darüber hinaus berichteten Christiane Dominick und Michael Kürten in einem interessanten und anschaulichen Vortrag über ihre Marathon-Erfahrungen in Berlin und New York.

Dr. Maurice Keller klärte u.a. die Frage auf, ob die Kompressionsbekleidung im Sport lediglich ein Modetrend oder ein  (legales) textiles Doping ist. Dr. Keller, der selbst aktiver Langstreckler und Triathlet ist, betonte, dass die Kompressionsbekleidung bei einem gesunden Menschen zu keiner messbaren Verbesserung der Leistungsfähigkeit führt. Auch stellt man keine signifikante Veränderungen des Energiestoffwechsels fest.

Kompressionsbekleidung hat, so  Dr. Maurice Keller, lediglich einen positiven Einfluss bei Muskelschmerzen in  der Regenerationsphase. Zudem kann  der psychologische Effekt- ähnlich wie beim Nasenpflaster- bei einigen Läuferinnen und Läufern eine wichtige Rolle spielen.   

Sinn hat das Tragen von Kompressionsstrümpfen  auf jeden Fall bei längeren Flügen, denn  zehn Prozent aller Todesfälle, die sich auf Flugreisen ereignen, haben als Ursache eine Lungenembolie.   

Dr. Mirko Kuhn berichtete, dass im vergangenen Jahr 115335 Läuferinnen und Läufer einen Marathonlauf absolviert haben.  In Deutschland gibt es fünf Millionen regelmäßige Läufer und ca. eine Millionen Gelegenheitsläufer. Daher lässt sich die Zahl der „Marathonis“ sicherlich noch steigern.  Auffallend ist bei der Statistik, dass die Zahl der nicht organisierten Läufer (ca. 70 %) weiter zunimmt. Größer wird auch die Schar der Frauen und der Marathon-Starter  über „50“.  

Wer an einem Marathonlauf teilnehmen möchte, muss sich entsprechend auf die Ausdauerprüfung vorbereiten, denn sonst ist der Laufspaß schnell zu Ende. Ein signifikant erhöhtes Verletzungsrisiko ergibt bei einem Trainingsumfang von mehr als 80km pro Woche, einer zu schnellen Steigerung der Trainingsintensität, einer bereits vorhandenen Verletzung, bei verschlissenen Laufschuhen und übertriebenen Dehnübungen. Zur Verbeugung von Verletzungen und Überlastungen empfiehlt  Dr. Mirko Kuhn, u.a. das Laufen auf Asphalt.

Verletzungsgefährdet sind bei Läuferinnen und Läufer vor allem die Knie, die Achillessehnen, die Fersen und  die Schienbeine. In zunehmendem Maß wird in Läuferkreisen auch über Rückenschmerzen geklagt.

Beim „Runners Knee“ hat man auch Beschwerden beim Bergabwandern, im Kino oder im Auto. Bei Problemen dieser Art listete Dr. Kuhn eine Reihe von Therapiemaßnahmen auf, Dazu zählen u.a. verschreibungspflichtige Medikamente, Phythopharmaka , Einreibungen (Salben, Gele, Lösungen), Vitamine (Vitamin E), Nahrungsergänzungsmittel wie Chondroitin und Glucosamin).und ein gezielter Muskelaufbau. Als Alternative zur Spritze ins Knie schlug Dr. Kuhn physikalische Therapiemaßnahmen (u.a. Ultraschall, Stoßwellentherapie) vor. Auch sind schon einige gute Erfolge mit Akupunktur erzielt worden.

Wichtig, dass jede Läuferin und jeder Läufer in sich selbst hineinhorcht und, falls erforderlich, rechtzeitig eine Pause einlegt. „Es gibt viele gute Gründe  zu laufen, und diese Vorteile sind größer als  die Risiken und Gefahren, die das Laufen auch mit sich  bringt,“ bilanzierte Dr. Kuhn, denn was genutzt wird, entwickelt sich, und  was nicht genutzt wird, verkümmert.

 

Quelle: FLVW/Peter Middel

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