Westdeutscher Fussballverband e.V.
Fußball-Allgemein 19.03.2013

„Den Gewalttätern in allen
Ligen die Rote Karte zeigen“

WFLV-Präsident Hermann Korfmacher (Foto: Andrea Bowinkelmann).

Nicht immer rollt der Ball bis zur 90. Minute. Stattdessen sorgen bisweilen Meldungen über Spielabbrüche im Amateurfußball für Schlagzeilen. Gewalttätigkeiten in Form von Schlägen und Tritten auf dem Spielfeld oder auch in Verbindung mit dem Zuschauerbereich werden dann zumeist von den Schiedsrichtern als Grund für den Abbruch in den Spielbericht eingetragen. Aus aktuellem Anlass äußert sich WFLV-Präsident Hermann Korfmacher in den an die Sportkameradinnen und Sportkameraden in NRW gerichteten folgenden Zeilen zu dieser Thematik.

Die Aufzeichnung eines Studiobesuchs von Hermann Korfmacher in der WDR-Lokalzeit am 18. März 2013 mit Interview zum Thema Rassismus im Fußball finden Sie hier in der WDR-Mediathek. Bitte im Menü die Sendung vom 18. März 2013 auswählen und dann die Direktlinks zu den Beiträgen „Rassismus im Fußball“ und „Studiogespräch mit Hermann Korfmacher“ klicken.

 

Liebe Sportfreundinnen und liebe Sportfreunde,

jeder Fall von Gewalt ist einer zu viel. Darüber gibt es keine zwei Meinungen, weder im Fußball, noch in anderen Lebensbereichen. Mit Sorge lese ich natürlich in den Zeitungen und Online-Berichten, wenn es in den unteren Amateurfußball-Klassen nach körperlichen Attacken gegen Spieler oder Schiedsrichter mal wieder zu einem Spielabbruch gekommen ist. Ein deutliches Unbehagen befällt mich, wenn im Fernsehen wieder Bilder von Ausschreitungen in den Bundesliga-Stadien gezeigt.

Stimmungsvolle Choreographien, die mit viel Herzblut erarbeitet und umgesetzt werden, sind die eine Sache, an der wir uns gerne erfreuen. Hier leben die Fans ihre Tradition und die Zugehörigkeit zum Verein. Verbotene Pyrotechnik oder Gewalttätigkeiten, die auch Gesundheit und gar das Leben von „Unbeteiligten“ gefährden, sind hingegeben einfach nicht zu dulden. Der Besuch eines Fußballspiels, egal in welcher Spielklasse, soll ein Familienerlebnis sein. Deshalb muss sich die ganze Familie vom fußballbegeisterten Enkel bis zum Oma sicher fühlen können.

Vielfach wurde diese Gewaltproblematik in den vergangenen Wochen sowohl intern in diversen Gremien als auch öffentlich diskutiert. Fernsehsender widmen sich in ganzen Talkrunden diesen Vorfällen, auch im NRW-Landtag stand die Thematik im März mehrfach im Fokus. Aufschlussreich war eine Expertendiskussion, in der ich die Sichtweise unseres Verbandes einbringen durfte. Eine ausführliche Berichterstattung lesen Sie hier!

Bei aller berechtigten Empörung über Gewaltexzesse sollte eine sachliche Analyse bevorzugt werden. In ständiger Zusammenarbeit mit den Polizeibehörden und den lokalen Ordnungsdiensten ist es beispielsweise in der durch den WFLV ausgerichteten Regionalliga West gelungen, die genannten Störfälle stark einzudämmen. In der Hinrunde wurden bei vier der 202 Regionalliga-Begegnungen der Gebrauch von Pyrotechnik festgestellt. Natürlich sind auch das immer noch vier Fälle zu viel. Aber die Befürchtung, dass gerade die Regionalliga West mit ihren vielen brisanten Derbys ein idealer Nährboden für Störfälle sein wird, konnte bislang entkräftet werden. Wir arbeiten daran, die Quote weiter Richtung Nullpunkt zu bringen und wissen uns beim Bestreben, für gewaltfreie Fußballspiele zu sorgen, nicht alleine.

Präventionsarbeit den aktuellen Geschehnissen anpassen 

Stetige Aufgabe der Verbände, Vereine aber auch der Politik ist es daher, die Präventionsarbeit den aktuellen Geschehnissen anzupassen. Gleichzeitig gilt es mit den staatlichen Organen und hier insbesondere mit der Bundes- und Landespolizei einen sinnvollen, gerechten, abgestuften und transparenten Repressionskatalog zu erstellen. Dies ist nur durch eine breitgefächerte Kommunikation auf allen Ebenen zwischen Verband, Vereinen und Fans möglich.

Spiegelbild unserer Gesellschaft

Als große Fußballfamilie müssen wir Gewalttätern in allen Bereichen und Ligen die Rote Karte zeigen. Es kann auch nicht sein, dass Spieler auf dem Platz derart ausrasten, dass sie Schiedsrichter körperlich attackieren. Die Spruchkammern der Kreise und Verbände müssen durch harte Bestrafungen Zeichen setzen. Ob diese Urteile auch Signalwirkungen haben und tatsächlich abschreckend wirken, wird die Zukunft zeigen. Der Amateurfußball ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, in der Normenverletzungen leider nicht gänzlich ausgeschlossen werden können. Wir können uns aber gegen diese Täter wehren und den Schiedsrichtern unseren Respekt zollen. Mein Dank gilt allen Unparteiischen, die ihre Freizeit zur Verfügung stellen, damit Fußballspiele überhaupt stattfinden können. Lassen Sie sich nicht entmutigen.

 Ihr

Hermann Korfmacher

- Präsident -

 

Spielberechtigungen Regionalliga West