Westdeutscher Fussballverband e.V.
Regionalliga West 13.01.2015

Hochspannung beschert Zuschauerboom:
Regionalliga West elektrisiert die Fans

Zwischenbilanz

Benjamin Baier (RWE/links) und Aimen Demai (Alemannia) liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen (Foto: mspw).

Kaum hat die Winterpause in der Regionalliga West begonnen, fiebern viele Fans schon dem Restrundenstart im neuen Jahr entgegen. Grund: Das Auftaktduell am Samstag, 7. Februar, (ab 14 Uhr) zwischen dem aktuellen Tabellenzweiten Alemannia Aachen und dem punktgleichen Spitzenreiter Rot-Weiss Essen (jeweils 38 Zähler) elektrisiert die Anhänger beider Traditionsvereine, die sich 1953 sogar die DFB-Pokalfinale (2:1 für RWE in Düsseldorf) gegenüber standen. Beim erneuten Aufeinandertreffen zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Weiss wird am Tivoli mit einem Rekordbesuch gerechnet.

Kurios: Die beiden ehemaligen Bundesligisten verabschiedeten sich mit exakt der gleichen Bilanz (zehn Siege, acht Remis, nur eine Niederlage) in die Winterpause, nur die um vier Treffer bessere Tordifferenz spricht für die Essener. Auf Platz drei lauert mit der U 23 von Borussia Mönchengladbach (36 Punkte, aber ein Spiel weniger) eine Mannschaft, die wegen der Absage ihres letzten Spiels beim SV Rödinghausen die mögliche „Wintermeisterschaft“ verpasste. Auch Viktoria Köln (32) und Rot-Weiß Oberhausen (31) machen sich noch Hoffnungen auf den Titel, selbst die ostwestfälischen Überraschungsmannschaften SC Verl und SC Wiedenbrück 2000 (je 30) sind keineswegs abgeschlagen.

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Mit dem Spiel RW Essen - SF Lotte hatte WFLV-Präsident Hermann Korfmacher (mitte) die Saison mit den Präsidenten Rolf Horstmann (Lotte/links) und Dr. Michael Welling (RWE/rechts) eröffnet. (Foto: WFLV)

Auch im Kampf um den Klassenverbleib dürfte im neuen Jahr Hochspannung garantiert sein. die U 23 des FC Schalke 04 und die SG Wattenscheid 09 (je 16 Zähler) belegen zwar Abstiegsplätze, sind aber punktgleich mit dem „rettenden Ufer“ (VfL Bochums U 23 auf Rang 14). Auch die Sportfreunde Siegen (zwölf Punkte) und Schlusslicht FC Hennef 05 (neun) sind keineswegs hoffnungslos abgeschlagen. DFB.de präsentiert die Zahlen und Fakten zur Winterpause in der Regionalliga West.

Die Statistik zu allen Spieltagen lesen sie hier!

Auch RWE-Fans sind die Nummer eins: Seit inzwischen fast acht Jahren spielt Rot-Weiss Essen nicht mehr im Profifußball. Die Fans halten ihrem Klub aber mehr denn je die Treue. Im Schnitt strömten in dieser Saison 9619 Fans pro Heimspiel an die Hafenstraße (fast 2.000 mehr als in der Vorsaison), ein in allen fünf Regionalliga-Staffeln unerreichter Wert. In der 3. Liga würde diese Marke immerhin Platz fünf bedeuten, selbst einige Zweitligisten schauen neidvoll nach Essen. Beim Derby gegen die SG Wattenscheid 09 (6:0) stellten die Rot-Weissen mit 14.415 Besuchern eine neue Bestmarke für die Regionalliga West in ihrer jetzigen Form auf, auch gegen die Sportfreunde Lotte (1:1/10.260 Zuschauer), Alemannia Aachen (1:1/12.097) und Rot-Weiß Oberhausen (4:4/11.077) gab es fünfstellige Kulissen.

Liga erlebt Zuschauerboom: Die vierthöchste deutsche Spielklasse erlebt aber nicht nur dank RWE einen Zuschauerboom. Alemannia Aachen (7400) konnte seinen Zuschauerschnitt ebenfalls deutlich steigern, gut besucht sind auch die Heimspiele des KFC Uerdingen 05 (2417), Rot-Weiß Oberhausen (2290), Sportfreunde Siegen (1499), SV Rödinghausen (1361), Viktoria Köln (1295) und FC Kray (1087). Die Folge: Mit aktuell 1883 Besuchern pro Spiel steigerte die Regionalliga West erneut ihren Zuschauerschnitt (Vorsaison 1637) und festigte den ersten Platz im Regionalliga-Vergleich. Der Südwesten (1639) belegt den zweiten Platz vor Nordost (1522), Bayern (920) und Nord (758).

Erst ein Dreier für Neuling FC Hennef 05

Gladbach gewinnt gerne: Keine Überraschung: Die meisten Niederlagen (jeweils zwölf) mussten die beiden Tabellenletzten FC Hennef 05 und Sportfreunde Siegen hinnehmen, die Spitzenreiter aus Essen und Aachen gingen dagegen nur einmal leer aus. Am häufigsten als Sieger verließ jedoch der Tabellendritte Borussia Mönchengladbach U 23 den Platz. Die Mannschaft von Trainer Sven Demandt entschied elf ihrer 18 Saisonspiele für sich, nur einmal durfte der Neuling aus Hennef einen Dreier bejubeln (1:0 gegen den 1. FC Köln II).

Drei „Remis-Könige“: Dass zahlreiche Unentschieden nicht unbedingt eine Spitzenplatzierung verhindern, beweisen die beiden Titelaspiranten aus Essen und Aachen. Mit jeweils bereits acht Punkteteilungen stellen sie gemeinsam mit den Sportfreunden Lotte die „Remis-Könige“ der Liga. Auf jeweils sieben Unentschieden kommen Rot-Weiß Oberhausen, der FC Kray und die U 23 des FC Schalke 04. Auf den niedrigsten Wert (jeweils drei) kommen nach 19 Spieltagen die U 23 von Borussia Mönchengladbach sowie der SC Wiedenbrück 2000 und die abstiegsbedrohten Sportfreunde Siegen.

SC Verl schon zehnmal zu Null

Abwehrstarke Ostwestfalen: Kaum zu bezwingen ist Sebastian Lange, Stammtorhüter des SC Verl. Lediglich zwölfmal ließen die Ostwestfalen einen Gegentreffer zu, zehnmal spielte die Mannschaft von Trainer Andreas Golombek „zu Null“. Beides sind Bestwerte in dieser Saison. Am ehesten kann dabei noch Alemannia Aachen mit 13 Gegentreffern und acht Zu-Null-Spielen mithalten. Rot-Weiss Essen (21) hatte vor allem in den ersten Spielen Probleme in der Defensive, stabilisierte sich jedoch nach und nach. Immerhin siebenmal hielt RWE-Torhüter Niclas Heimann inzwischen seinen Kasten sauber. Mit 42 Treffern stellen die Essener vor Mönchengladbach (37) und Viktoria Köln (36) den torgefährlichsten Angriff, die Anhänger des FC Hennef 05 (13), der Sportfreunde Siegen (14), der SG Wattenscheid 09 (18) und der U 23 von Schalke 04 (18) hatten nur selten Grund zum Jubeln. Die meisten Gegentreffer mussten Hennef (39) und der FC Kray (36) einstecken.

Kuriose RWE-Auswärtsbilanz: Mit 21 Punkten aus zehn Partien ist Rot-Weiss Essen auch die erfolgreichste Auswärtsmannschaft der Liga. Die einzige Niederlage kassierte die Mannschaft von Trainer Marc Fascher dabei ausgerechnet im Derby beim Aufsteiger FC Kray (2:4), das freilich im Stadion Essen an der Hafenstraße ausgetragen wurde und damit in der eigentlichen RWE-Spielstätte. Offiziell wird es jedoch als Auswärtsspiel geführt. Ebenfalls sehr erfolgreich auf fremden Plätzen waren Borussia Mönchengladbach (19) und der SC Verl (16). Im eigenen Stadion war vor allem Alemannia Aachen mit 26 von 30 möglichen Punkten eine Macht. Die nächsten Plätze in der Heimtabelle belegen Viktoria Köln, die U 23 von Fortuna Düsseldorf (je 19) und Rot-Weiß Oberhausen (18).

Candan und Jansen als Top-Torjäger

Dicht gedrängte Spitzengruppe: Mit Fatih Candan (FC Viktoria Köln) und David Jansen (Rot-Weiß Oberhausen) führen zwei Stürmer von Spitzenmannschaften mit jeweils elf Treffern gemeinsam die Torschützenliste an. Dabei kam Candan verletzungsbedingt (Muskelbündelriss) nur auf 15 Einsätze, Jansen bestritt alle 18 RWO-Partien über 90 Minuten. Candans Kölner Teamkollege Mike Wunderlich (zehn Tore) und der Verler Simon Engelmann (neun) sitzen dem Duo dicht im Nacken. Je achtmal waren Aliosman Aydin (KFC Uerdingen 05), Kamil Bednarski (SC Wiedenbrück 2000), Marlon Ritter (Borussia Mönchengladbach U 23) und Stefan Studtrucker (Rot-Weiss Essen) erfolgreich.

Mäßige Torquote: In den insgesamt 167 bisher absolvierten Spielen fielen 448 Tore, was einem Schnitt von 2,68 pro Spiel entspricht. Zum Vergleich: In den anderen Regionalligen liegt der Norden mit einer Torquote von 3,16 deutlich an der Spitze, Bayern (2,82), Südwest (2,71) und Nordost (2,65) bewegen sich in einem ähnlichen Bereich. 242 Mal trafen die Heimmannschaften, 206 Tore gingen auf das Konto der Gäste. 67 Heimsiegen standen 51 Auswärtserfolge und 49 Unentschieden gegenüber. Das häufigste Ergebnis war ein 1:1 (31 Mal), dicht gefolgt vom 1:0 (30) und 2:1 (28). 266 der insgesamt 448 Treffer wurden erst in der zweiten Halbzeit, 110 davon sogar erst nach der 75. Minute.

Bochumer Rekordsieg schon am 3. Spieltag

Packende Zweikämpfe: Auch beim Spiel Aachen - Lotte ging es heiß her. (Foto: Mrugalla)

Dreimal acht Tore in einem Spiel: Schon am 3. Spieltag sorgte die U 23 des VfL Bochum für einen neuen Rekord. Mit dem 8:0 beim FC Hennef 05 fuhren die Blau-Weißen den bisher höchsten Auswärtssieg in der Regionalliga West ein und verfehlten das deutlichste Ergebnis überhaupt (9:0 für den 1. FC Köln II gegen die U 23 des MSV Duisburg in der Saison 2012/2013) nur knapp. Die Bochumer, die zur Winterpause trotzdem nur hauchdünn vor der Abstiegszone rangieren, waren damit auch an einem der torreichsten Spiele beteiligt. Sonst fielen nur noch beim 4:4 im Revierderby zwischen Rot-Weiss Essen und Rot-Weiß Oberhausen sowie beim 7:1 des SV Rödinghausen gegen den Nachbarn SC Wiedenbrück 2000 (gleichzeitig der höchste Heimsieg) ebenfalls acht Treffer.

Zahlreiche „Dauerbrenner“: Die maximale Einsatzzeit von 1710 Minuten an den ersten 19 Spieltagen erreichten neun „Dauerbrenner“. Darunter sind mit Benedikt Fernandez (Sportfreunde Lotte), Niclas Heimann (Rot-Weiss Essen), Marcel Hölscher (SC Wiedenbrück 2000) und René Monjeamb (FC Hennef 05) vier Torhüter. Von den Feldspielern verpassten Fabian Großeschallau (SC Verl), Marcus Hoffmann, Michael Lejan (beide Alemannia Aachen) sowie Muhammet Karpuz und Robin Urban (beide Fortuna Düsseldorf U 23) keine einzige Minute. Acht weitere Spieler kamen ebenfalls auf 100 Prozent Einsatzzeit, ihre Vereine haben bisher aber erst 18 Partien bestritten.

Viktoria Köln: Erst Siegesserie, dann Durststrecke

Achterbahnfahrt der Viktoria: Die längste Siegesserie legte der erklärte Titelfavorit FC Viktoria Köln gleich zu Saisonbeginn mit sechs Dreiern hintereinander hin, geriet nach dem sehr guten Start aber aus dem Tritt und blieb zwischen dem 4. Oktober und 5. Dezember in acht Partien in Serie sieglos. Sogar 15 Spieltage wartete der FC Hennef 05 auf seinen bislang einzigen Dreier, eine Durststrecke von immerhin zehn Partien mussten die Anhänger der Sportfreunde Siegen sowie der U 23-Mannschaften von Schalke und Bochum überstehen. Am längsten ohne Niederlage blieb Spitzenreiter Rot-Weiss Essen mit 13 erfolgreichen Spielen hintereinander vor Verfolger Alemannia Aachen (zwölf). Beide Serien könnten nach der Winterpause noch weiter ausgebaut werden.

Nervenstärke gefragt: Der sicherste Elfmeterschütze der Liga ist Mönchengladbachs Bilal Sezer, der vier Strafstöße für die „Fohlen“ verwandelte und sich keinen Fehlschuss leistete. Je dreimal waren Patrick Bauder (Rot-Weiß Oberhausen), Manuel Glowacz (Sportfreunde Siegen) und Tim Jerat (Alemannia Aachen) vom Punkt erfolgreich. Beide Elfmeter, die gegen den SC Verl verhängt wurden, wehrte Torhüter Sebastian Lange ab. Von insgesamt 35 Strafstößen wurden 29 verwandelt.

Von den Sportfreunden zu den Sportfreunden

Boris für zwei Klubs am Ball: Vier Vereine nahmen bis zur Winterpause einen Trainerwechsel vor. Die Sportfreunde Lotte trennten sich nach ihrem Fehlstart von Michael Boris, der direkt enschließend zu den Sportfreunden Siegen zurückkehrte und dort seinen eigenen Nachfolger Matthias Hagner ablöste. In Lotte sprang der verletzte Mittelfeldspieler Henning Grieneisen als Interimstrainer ein, ab Januar trägt Ismail Atalan (bisher beim Westfalen-Oberligisten SC Roland Beckum tätig) die Verantwortung. Auf das unbefriedigende Abschneiden reagierten kurz vor Weihnachten auch der FC Viktoria Köln, bei dem Claus-Dieter „Pele“ Wollitz beurlaubt wurde, und die abstiegsbedrohte SG Wattenscheid 09, die ihre Zusammenarbeit mit Christoph Klöpper beendete. Die Nachfolge ist bei beiden Klubs noch nicht geklärt.

Krayer „Kartenkönige“: Gleich vier Rote Karten und eine „Ampelkarte“ kassierten Spieler des FC Kray. Kein anderer Verein musste so viele Platzverweise hinnehmen. Hinzu kamen noch 46 Gelbe Karten, nur die Sportfreunde Lotte (51) sammelten noch mehr Verwarnungen. Der FC Viktoria Köln und die U 23 des FC Schalke 04 kamen dagegen komplett ohne Platzverweise über die Runden, jeweils eine Gelb-Karte Karte haben die Reserve des 1. FC Köln, der SC Wiedenbrück 2000 und Alemannia Aachen auf dem Konto. Quelle:DFB/mspw

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