Westdeutscher Fussballverband e.V.
Frauen-Fußball 22.08.2013

Leverkusener Fußballfrauen
wollen weiter nach oben

Frauenfußball-Bundesliga

Ist "rundum zufrieden": Thomas Obliers.

Im ersten Jahr Platz acht. Und in der zweiten Saison unter seiner Verantwortung? Thomas Obliers macht erst gar kein Geheimnis daraus, dass er mit den Bundesliga-Fußballerinnen von Bayer 04 Leverkusen ambitionierte Ziele verfolgt. "Wir wollen Rang sechs erreichen, mindestens", sagt der 45-Jährige im DFB.de-Interview mit Mitarbeiter Sven Winterschladen.

Seit über zehn Jahren ist Obliers inzwischen als Trainer in der Bundesliga tätig. In dieser Zeit hat der Fußball-Lehrer eine enorme Entwicklung festgestellt: "Es ist viel athletischer geworden. Außerdem sind die Mannschaften taktisch und technisch besser aufgestellt." Auch in Leverkusen haben sie den nächsten Schritt gemacht. Bei Bayer 04 ist man stolz darauf, dass man mit Isabelle Linden eine aktuelle Europameisterin stellt. Zudem steht Isabel Kerschowski vor dem Sprung in die A-Nationalmannschaft. Bei den beiden soll es jedoch nicht bleiben.

DFB.de: Herr Obliers, ein Jahr sind Sie jetzt Trainer von Bayer 04 Leverkusen. Wie haben Sie die vergangenen zwölf Monate erlebt?

Thomas Obliers: Ich fühle mich total wohl hier. Deshalb habe ich ja auch ziemlich frühzeitig im Januar bereits um zwei weitere Spielzeiten verlängert. Die Bedingungen sind super, die Unterstützung vom Verein ist herausragend. Ich bin rundum zufrieden, es war ein tolles Jahr - auch sportlich. Wir haben eine junge Mannschaft entwickelt und hatten schnell nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun. Platz acht ist in Ordnung. Aber wir hätten sicher auch einige Plätze weiter oben in der Tabelle landen können.

DFB.de: Warum haben Sie eine noch bessere Platzierung verfehlt?

Obliers: Wir waren vorne nicht effektiv genug. In zu vielen Begegnungen haben wir deshalb Punkte liegen gelassen, besonders bei den zahlreichen Unentschieden. Oft waren wir in diesen Begegnungen besser und hatten die klareren Möglichkeiten. Wir hätten noch häufiger gewinnen müssen. Denn wir haben fünf Elfmeter verschossen, und das gerade in den engen Partien. Das war ärgerlich. Mit acht Punkten mehr wären wir Sechster geworden.

DFB.de: Neue Saison, neue Ziele also?

Obliers: Ja, ganz klar. Wir wollen weiter nach oben. Wir wollen mindestens Sechster werden. Dafür haben wir das Potenzial, denn wir haben uns besonders in der Breite gut verstärkt mit einigen sehr, sehr talentierten Spielerinnen. Da muss es einfach das Ziel sein, den nächsten Schritt zu machen.

DFB.de: Was zeichnet Ihre Mannschaft aus?

Obliers: Wir treten immer als Team auf. Der Kader ist von den Typen her sehr homogen. Wir haben keine Stars. Das kann auch ein Vorteil sein. Dafür haben wir große Talente. Im Sommer haben wir wieder fünf Jugend-Nationalspielerinnen dazu geholt. Die Mädels haben ein Ziel. Dafür arbeiten sie akribisch an ihren Mängeln.

DFB.de: Außerdem haben Sie zwei A-Nationalspielerinnen. Welchen Stellenwert haben diese in Ihrem Kader?

Obliers: Isabel Kerschowski ist Kapitänin und absolute Führungsspielerin - das war sie auch vorher bereits. Und daran wird sich nichts ändern. Bei Isabelle Linden hoffe ich, dass sie sich mit den positiven Erlebnissen bei der Europameisterschaft persönlich weiterentwickelt. Dann wird sie möglicherweise das eine oder andere Duell mehr entscheiden für uns.

DFB.de: Sind die beiden Nationalspielerinnen aus Leverkusen auch für Sie persönlich eine Auszeichnung?

Obliers: In erster Linie ist das eine Auszeichnung für den Verein. Die Unterstützung ist wirklich toll. Wir können nur deshalb erfolgreich sein, weil wir diese Möglichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen. Wir haben alle zusammen unseren Teil an dieser Entwicklung.

DFB.de: Was ist mittelfristig möglich?

Obliers: Ganz nach oben zu kommen, wird sicher schwierig. Aber wir haben eine Menge Potenzial im Kader. Wenn wir keine großen Abgänge verkraften müssen und unseren Weg weitergehen, können wir bestimmt auch mal Platz vier ins Visier nehmen. Das wäre eine tolle Sache. Alles Weitere ist im Moment nicht realistisch. Man muss sich nur mal anschauen, wie Wolfsburg, Potsdam und Frankfurt besetzt sind. Auch Bayern München noch. Die haben alle zahlreiche A-Nationalspielerinnen aus vielen verschiedenen Ländern. Da sind wir anders aufgestellt. Das ist auch nicht unsere Philosophie. Wir setzen vorwiegend auf den deutschen Nachwuchs. Diese Spielerinnen wollen wir ausbilden. Ich sehe es als Erfolg an, wenn die eine oder andere den Wechsel zu einem absoluten Topverein schafft.

DFB.de: Seit ungefähr zehn Jahren sind Sie im Frauenfußball tätig. Welche Veränderungen haben Sie festgestellt?

Obliers: Es hat sich eine unglaubliche Entwicklung eingestellt, besonders im athletischen Bereich. Wenn man da nicht auf Topniveau ist, hat man praktisch keine Chance mehr. Aber auch taktisch und technisch hat sich einiges getan. Fußballerisch ist die Bundesliga in der Breite stärker geworden - bedingt durch hoffnungsvolle Talente wie Melanie Leupolz, Isabelle Linden oder Lena Lotzen, um nur einige zu nennen. Die sind alle sehr gut ausgebildet. Die vergangene Saison hat gezeigt, dass auch die Großen über die vermeintlich Kleinen mal stolpern können.

DFB.de: Ist die Qualität in der Bundesliga also insgesamt ausgeglichener?

Obliers: Ich denke schon. Es ist alles viel enger zusammengerückt. Das ist toll, weil es noch spannender wird. Gleichzeitig wird der Klassenerhalt für die Aufsteiger immer komplizierter. Es gibt ein breites Mittelfeld, und der Abstand zur Spitze ist nicht mehr so groß. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da hatte der Vierte auf den Dritten einen Rückstand von 20 Punkten. Das gibt es heutzutage zum Glück nicht mehr.

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