Westdeutscher Fussballverband e.V.
Regionalliga West 17.07.2017

"Die Regionalliga West ist mit hohen sportlichen Ambitionen geprägt"

RWE-Vorsitzender Michael Welling und WDFV-Präsident Hermann Korfmacher im Gespräch

Gemeinsam im konstruktiven Austausch für die Gestaltung der Regionalliga West: Prof. Dr. Michael Welling (rechts), Vorsitzender des Traditionsvereins Rot-Weiss Essen, und WDFV-Präsident Hermann Korfmacher. (Foto: WDFV)
Gemeinsam im konstruktiven Austausch für die Gestaltung der Regionalliga West: Prof. Dr. Michael Welling (rechts), Vorsitzender des Traditionsvereins Rot-Weiss Essen, und WDFV-Präsident Hermann Korfmacher. (Foto: WDFV)

Die Regionalliga West startet unter der Trägerschaft des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV) am 28. Juli mit dem Spiel Alemannia Aachen – Borussia Mönchengladbach U23 ist ihre sechste Saison. Im Vorfeld traten sich Prof. Dr. Michael Welling, Vorsitzender des Traditionsvereins Rot-Weiss Essen, und WDFV-Präsident Hermann Korfmacher. Sie sprachen über den außergewöhnlichen Reiz der Regionalliga West und tauschten sich im Interview auch über die umstrittene Aufstiegsrelegation aus.

Frage: Die Regionalliga West, die diesen Sommer in ihre sechste Saison nach der Spielklassenstrukturreform geht, gilt als überaus attraktive Staffel. Was macht in Ihren Augen den besonderen Reiz der Regionalliga West aus?

Prof. Dr. Michael Welling: Die Liga besticht vor allem durch die hohe Anzahl attraktiver Derbys zwischen Traditionsvereinen mit hohem Fan-Zuspruch. Auch dadurch, sowie durch aufstrebende Vereine, ist die Liga mit hohen sportlichen Ambitionen geprägt.

Hermann Korfmacher: Mit der Regionalliga West ist eine Marke geschaffen worden, die durch einzigartige Aspekte überzeugt. Bei uns im Westen ist eine Fülle von Vereinen vertreten, die zu Recht den Anspruch haben, zu den Top 50 in Deutschland zu gehören. Mit ein bisschen Stolz kann der WDFV darauf verweisen, dass auf Initiative unseres Regionalverbandes 2012 die Live-Berichterstattung mit einem Spiel aus der Regionalliga West bei SPORT1 gestartet wurde. Auch diese Medienpräsenz steigert die Attraktivität der Regionalliga West. Umso bedauerlicher empfinde ich es, dass in diesem Jahr der West-Meister Viktoria Köln den Aufstieg in die 3. Liga verpasst hat. Der FC Viktoria bot eine überragende Saison, hatte aber in der Relegation großes Pech, unter anderem fielen viele Leistungsträger verletzt aus. Diese Umstände entschieden das Schicksal einer ganzen Spielzeit.

Frage: Die Tatsache, dass die Regionalliga-Meister nicht automatisch aufsteigen, wird seit Einführung der Regionalligen in der aktuellen Form kontrovers diskutiert. Wie kann oder muss ein alternatives Modell aussehen, mit dem sich die Mehrheit der betroffenen Vereine arrangieren kann?

Mit dem Spiel Alemannia Aachen - Borussia Mönchengladbach U23 startet die Regionalliga West am 28. Juli in die nächste Saison. (Foto: getty images)

Prof. Dr. Michael Welling: Die aktuelle Ligastruktur ist tatsächlich die schlechteste aller denkbaren Alternativen. Das Prinzip „Meister müssen aufsteigen“ ist zwingend umzusetzen, eine Lösung muss gefunden werden. Egal bei welcher Lösung ist auch der Spannungsgrad in der Liga wichtig und dass sie sportlich und für die Fans attraktiv ist. Möglich wäre, zwischen der eingleisigen 3. Liga und den bestehenden Regionalligen eine zweigleisige 4. Liga einzuführen. Das ist für die Klubs der 3. Liga vertretbar, weil der Abstieg weniger dramatisch ist, das ist für die ambitionierten Klubs der Regionalligen, also die Klubs, die auch aufsteigen wollen, eine sinnvolle Lösung, und das ist auch im Sinne der Talentausbildung für die Klubs der DFL-Bundesligen ein zweckmäßiges Modell. Und schließlich können auch weiterhin ambitionierte „reine“ Amateurklubs den Aufstieg in diese Liga schaffen. Ich wundere mich, dass dieses Modell nicht stärker in der öffentlichen Diskussion ist.

Hermann Korfmacher: Grundsätzlich ist am Ausspruch „Meister müssen aufsteigen“ nichts auszusetzen. Die Frage bleibt aber, wie dieses Unterfangen auch umgesetzt werden kann. Der deutsche Fußball funktioniert wie eine große Familie und muss dementsprechend darauf fixiert sein, allen Familienmitgliedern gute Chancen zu geben und niemanden auszugrenzen. Die Haltung der 21 Landes- und fünf Regionalverbände ist, dass auch kleinere Vereine die Chance haben müssen, mit einem vergleichsweise geringen Etat in dieser viertklassigen Regionalliga zu spielen. Daher die Aufteilung in fünf Staffeln. Ich glaube, dass es für eine vierte Profiliga in der breiten Masse der Vereinslandschaft keine Mehrheit gibt. Aber natürlich sind konstruktive Lösungsvorschläge wichtig und werden gehört. DFB-Präsident Reinhard Grindel regte etwa die Diskussion an, ob wir nicht eine Aufstiegsrunde spielen, mit allen sechs Vereinen: zwei Heimspiele, zwei Auswärtsspiele, ein Spiel auf neutralem Platz. Das würde bedeuten, dass sich nicht in zwei, sondern in fünf Spielen das Schicksal einer ganzen Saison entscheidet. Ferner wäre auch die Teilnahme an der Aufstiegsrunde wirtschaftlich deutlich attraktiver. Solche Ideen sollten auf den Prüfstand gestellt werden.

Frage: Unabhängig von der umstrittenen Aufstiegsrelegation konnten auch einige frühere Bundesligisten ihre nachvollziehbaren Ziele, die vierthöchste Liga nach oben zu verlassen, noch nicht realisieren. Warum haben selbst Traditionsklubs trotz eines stellenweise gehobenen Zuschauerpotenzials Schwierigkeiten, an der Regionalliga-Spitze mitzuhalten?

Hermann Korfmacher: In der Regionalliga West wird eine ungeheure Tradition geboten, viele Klubs garantieren schon beim Blick in die Vereinshistorie Gänsehautstimmung. Doch wir wissen ja, dass Tradition keine Tore schießt. 2015/2016 etwa begeisterten die Sportfreunde Lotte, die zuvor noch nie im höherklassigen Fußball vertreten waren, die Regionalliga West und überzeugten anschließend mit attraktivem Fußball auch in der 3. Liga. Eine solide Haushaltsführung ist zudem bei allen Klubs notwendig. Zum Erfolg braucht es mehr als Tradition.

Prof. Dr. Michael Welling: Weder der Status als „Traditionsklub“ noch das Zuschauerpotential sind ausschlaggebend für sportlichen Erfolg. Neben guter sportlicher Arbeit sind v.a. die wirtschaftlichen Möglichkeiten durch Mäzene, Sponsoren oder TV-Gelder für die U-Mannschaften entscheidend. Aber selbst bei gleichen wirtschaftlichen Möglichkeiten haben Traditionsklubs auch immer mit den Erwartungen zu kämpfen, die natürlich an Standorten wie Oberhausen oder Aachen größer sind als an anderen Standorten. Gerade dies darf aber keine Ausrede sein.

WDFV

 

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