Westdeutscher Fussballverband e.V.
Allgemein 18.08.2014

Mindestlohn auch im Sportverein?

Was das neue Gesetz für den Sport bedeutet

Der Mindestlohn gilt nicht für die zahlreichen ehrenamtlichen Übungsleiter/innen und die anderen ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter/innen im Sportverein. (Foto: LSB/Bowinkelmann)

Es ist vom Bundestag beschlossen: Mit Beginn des nächsten Jahres gilt auch in Deutschland flächendeckend ein gesetzlicher Mindeststundenlohn von 8,50 € brutto. Doch was heißt das für den Sport und seine Vereine? Müssen sie ebenfalls den Mindestlohn zahlen, wenn sie Übungsleiter/innen oder Platzwarte/innen beschäftigen oder im Rahmen der Freiwilligendienste auf FSJler oder BFDler zurückgreifen? Und was ist mit den zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ohne die die Vereine ihre gemeinnützige Tätigkeit gar nicht ausüben könnten? Wir haben die wichtigsten Informationen zusammengestellt. 

Mit der Einführung des Mindestlohngesetzes sollen ab dem 01.01.2015 alle Arbeitnehmer, die in Deutschland beschäftigt sind, einen Mindestlohn von 8,50 EUR pro Stunde erhalten – soweit so gut. Was für Arbeitnehmer positiv ist, wirft bei den Sportvereinen aber zunächst einmal Fragen auf.

Kein Mindestlohn fürs Ehrenamt

Festzustellen ist zuallerst: Der Mindestlohn gilt nicht für die zahlreichen ehrenamtlichen Übungsleiter/innen und die anderen ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter/innen im Sportverein. Vielmehr erlaubt das Mindestlohngesetz auch weiterhin, eine finanzielle Aufwandsentschädigung an die Freiwilligen zu zahlen, zu Zahlungen eines Arbeitsentgelts in Höhe des Mindestlohns sind die Vereine jedoch nicht verpflichtet.

Für die ehrenamtlich Tätigen in den Vereinen ist dies in der Regel auch kein Problem. Denn sie erwarten meist ohnehin keine finanzielle Gegenleistung, sondern setzen sich aus Überzeugung und aufgrund von sozialen Motiven für ihren Verein ein. Somit gelten auch Amateur- und Vertragssportler nicht als reguläre Arbeitnehmer, wenn für sie die ehrenamtliche sportliche Betätigung im Vordergrund steht, nicht aber der finanzielle Mehrwert.

Personen, die ausschließlich im Rahmen des sog. Übungsleiterfreibetrages von 2.400 €/Jahr und/oder ausschließlich im Rahmen des sog. Ehrenamtsfreibetrages von 720 €/Jahr tätig sind, fallen also nicht unter das Mindestlohngesetz, weil sie eine ehrenamtliche Tätigkeit mit einer pauschalierten Aufwandsentschädigung ausüben,  nicht aber in einem steuer- und sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis zum Verein stehen.

Wer im Sportverein hat jedoch künftig einen gesetzlichen Anspruch auf den Mindestlohn?

Anders stellt es sich bei der Frage dar, ob das Mindestlohngesetz auf Teilzeit- und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse (Minijobs) angewendet wird. Dies ist ganz klar mit "Ja" zu beantworten. Ausnahmen für diese Beschäftigungsverhältnisse wären diskriminierend und gleichheitsrechtlich unzulässig.

Das bedeutet praktisch: Im Rahmen eines 450-€-Arbeitsvertrages können mit dem Mindestlohn rund 53 Arbeitsstunden realisiert werden. Dabei müssen Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszeit von Minijobbern durch den Arbeitgeber aufgezeichnet werden.

Und was ist, wenn jemand z. B. für die Mitarbeit in der Geschäftsstelle im Rahmen eines Minijobs 450 € und zusätzlich für eine Übungsleitertätigkeit 200 € pro Monat erhält? In diesem Fallfindet das Mindestlohngesetz nur auf die im Rahmen des Minijobs geleistete Arbeit Anwendung, nicht auf die ehrenamtliche Tätigkeit.

Mindestlohngesetz gilt auch nicht für FSJ und BFD

Als Fazit bleibt festzuhalten: Für ehrenamtlich Tätige und für Selbstständige findet das Mindestlohngesetz keine Anwednung – und damit auch nicht für Mitarbeiter/innen im Freiwilligen Sozialen Jahr oder im Bundesfreiwilligendienst, sehr wohl jedoch für Teilzeit- und geringfügig Beschäftigte in Sportvereinen.

Text: Sabrina Hemmersbach/LSB-NRW

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