Westdeutscher Fussballverband e.V.
Fußball-Allgemein 12.04.2013

Mit Fußball zurück in die Gesellschaft

Gefängnismauern statt Zuschauerrängen - das Spiel vor etwas anderer Kulisse ©CarstenKobow/DFB

Es gibt Fußballspiele, da stehen die Gewinner schon vor dem Anstoß fest, ganz unabhängig vom Ergebnis. Gestern war so ein Spiel. Die Betriebsmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes trat in Wuppertal gegen die sogenannte „Anstoßmannschaft“ der JVA Wuppertal an. „Das war für unsere Jungs eines der größten Erlebnisse in ihrer sportlichen Geschichte“, freute sich Uwe Stärk, Sportkoordinator der JVA Wuppertal und Trainer der 15 Strafgefangenen zwischen 18 und 22 Jahren.

Insgesamt sitzen 470 Straftäter zwischen 14 und 24 Jahren in der JVA Wuppertal ihre Haftstrafen ab. Den Spielern der Anstoßmannschaft werden besonders gute Resozialisierungsprognosen gestellt. Deshalb konnten sie sich für das Förderprogramm der Sepp-Herberger-Stiftung empfehlen. „Bei den Anstoßmannschaften handelt es sich um circa 15 junge Frauen oder Männer im Alter zwischen 16 und 24 Jahren. Die Teilnehmer werden nach einheitlichen Kriterien, wie zum Beispiel gute Haftführung oder Bildungsbereitschaft, ausgesucht und bereiten sich gemeinsam auf die Zeit nach ihrer Inhaftierung vor“, erklärt Tobias Wrzesinski, stellvertretender Geschäftsführer der Sepp-Herberger-Stiftung.

„Anstoß für ein neues Leben“ heißt das Projekt der Stiftung, an dem deutschlandweit 14 Vollzugseinrichtungen teilnehmen. Und der Fußball kann hier gleich doppelt helfen. Einerseits werden die Strafgefangenen schon während ihres Gefängnisaufenthaltes gefördert, können neben dem Fußballspielen an Trainer- und Schiedsrichterschulungen der Landesverbände teilnehmen. Andererseits helfen Vereinskooperationen, den Jugendlichen nach ihrer Haft einen Weg zurück in die Gesellschaft und in ein stabiles Umfeld zu finden.

 

Sepp Herberger als Vorreiter

Das Engagement des DFB im Strafvollzug hat eine lange Historie. Vorreiter war Weltmeistertrainer Sepp Herberger, der 1970 privat damit anfing, Haftanstalten zu besuchen. Begleitet wurde er dabei oft von seinem Nationalmannschaftskapitän Fritz Walter, der nach dem Tod von Herberger sein Erbe antrat und bundesweit über 200 Justizvollzugsanstalten besuchte, ab 1977 im Namen der Sepp-Herberger-Stiftung.

Auch heutzutage sind prominente Botschafter für die Stiftung unterwegs, allen voran Horst Eckel, Uwe Seeler, Wolfgang Dremmler, Tina Theune, Oliver Kahn und Steffi Jones. In persönlichen Gesprächen informieren sie sich über die Schicksale der Straftäter und berichten über ihren eigenen Lebensweg. Der Fußball darf nicht zu kurz kommen: Sportlicher Höhepunkt ist meistens ein gemeinsames Fußballtraining mit den Ex-Nationalspielern. „Das macht den Jungs natürlich viel Spaß, aber ein richtiges Spiel wie heute ist auch etwas ganz Besonderes“, so Wrzesinksi.

 

Vom Vatikan ins Gefängnis

Für die DFB-Betriebsmannschaft hätten die Gegensätze kaum größer sein können. Ihr letztes Spiel trugen sie noch vor wenigen Monaten in Rom gegen eine Auswahl des Vatikanstaates aus. Nun führte sie der Weg in die JVA Wuppertal. Kein Problem für die DFB-Kicker: „Auch dieses Spiel hatte seinen Reiz für uns, und wir sind dankbar für diese Erfahrung“, so Markus Stenger, einer der Organisatoren der Betriebsmannschaft.

Obwohl das Ergebnis an diesem Abend nur Nebensache war, bleibt natürlich noch zu erwähnen, dass die DFB-Mitarbeitermannschaft das Spiel mit 7:2 gewonnen hat. „Der Sieg stand natürlich heute nicht im Vordergrund. Wir sind vor allem froh, auch unter diesen besonderen Umständen ein faires und engagiertes Spiel absolviert zu haben und hoffen, die Jungs für einen Abend ein bisschen abgelenkt zu haben. Aus unserer Sicht steht einem Rückspiel nichts im Wege“, resümiert Stenger. Viel Zeit zum Feiern bleibt eh nicht. Bereits am Freitag steht das nächste Spiel der Betriebsmannschaft an. Gegner ist dann die Nationalmannschaft der Bürgermeister.

 

Text: Peter Scheffler/DFB, Fotos: Carsten Kobow/DFB

>> Mehr zur Sepp-Herberger-Stiftung auf http://www.sepp-herberger.de/

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