Westdeutscher Fussballverband e.V.
Regionalliga West 11.01.2013

Neu-Gladbacher Michel: "Vom Trabi zum Ferrari"

"Ziel ist es, oben mitzutrainieren und zu spielen": Sven Michel (l.)

Vor drei Jahren noch Landesliga, jetzt Bundesliga: Sven Michel hat eine rasante Entwicklung hinter sich. Der 22-jährige Offensivspieler erzielte bis zur Winterpause 14 Tore in der Regionalliga West für den Aufsteiger Sportfreunde Siegen. Kein Spieler war erfolgreicher. Jetzt hat sich Bundesligist Borussia Mönchengladbach mit sofortiger Wirkung die Dienste des gebürtigen Siegeners gesichert. Michel unterschrieb bei den "Fohlen" einen Lizenzspielervertrag bis 2015.

Weitere Tore von Michel in der Regionalliga West sind aber nicht ausgeschlossen. Schließlich gehört die Reserve von Borussia Mönchengladbach zu den Ligakonkurrenten der Sportfreunde. Sven Michel spricht über seine Zeit in Siegen, seine Entwicklung und die Zukunft bei der Borussia.

DFB.de: Ihre Zukunft hatte sich kurz vor Weihnachten mit dem Wechsel zu Borussia Mönchengladbach geklärt. Wie waren die Festtage?

Sven Michel: Es war gut, dass die Sache vor Weihnachten vom Tisch war. So konnte ich durchatmen und die Zeit mit Familie und Freunden genießen.

DFB.de: Welche Gründe haben den Ausschlag für Mönchengladbach gegeben?

Michel: Borussia-Trainer Lucien Favre ist bekannt dafür, dass er jungen Spielern Chancen gibt und sie in das kalte Wasser wirft. Ich hoffe, dass auch ich so eine Möglichkeit erhalte. Bei meinem Besuch in Mönchengladbach haben mich das Umfeld und das Stadion sehr beeindruckt.

DFB.de: Werden Sie zunächst bei der zweiten Mannschaft trainieren und spielen?

Michel: Das muss man sehen. Das Trainingslager der Profis in Dubai habe ich verpasst, weil kein Platz mehr für mich frei war. Nach der Rückkehr steige ich in das Training der Bundesligamannschaft ein. Mein Ziel ist es, oben zu trainieren und zu spielen. Daran werde ich alles setzen.

DFB.de: Wann ziehen Sie um?

Michel: In den kommenden Tagen wohne ich erst einmal in einem Hotel. So schnell wie möglich soll aber eine eigene Wohnung her.

DFB.de: Die Borussia-Reserve bekommt es in der Restrunde der Regionalliga West Ende März mit den Sportfreunden Siegen zu tun.

Michel: Wenn ich spielen sollte, freue ich mich darüber, meine ehemaligen Mitspieler und die Verantwortlichen wiederzusehen.

DFB.de: Und wenn Ihnen ein Tor gelingen sollte?

Michel: Ich habe den Sportfreunden sehr viel zu verdanken. Der Jubel würde deshalb dementsprechend verhalten ausfallen.

DFB.de: Bis zur Winterpause haben Sie 14 Tore erzielt. Hat Sie das selbst überrascht?

Michel: In den ersten beiden Partien lief es nicht so gut. Beim 0:0 zum Auftakt in Velbert stand ich nicht in der Startelf, beim 0:1 gegen den SC Verl wurde ich ausgewechselt. Im dritten Spiel platzte der Knoten. Beim 4:0 beim 1. FC Köln II habe ich einen Doppelpack erzielt. Insgesamt kam mir das flügellastige Spiel von Trainer Michael Boris sehr entgegen und hat sicher mit für meine gute Ausbeute gesorgt.

DFB.de: Wie haben Sie Ihre Treffer erzielt?

Michel: Es war fast alles dabei. Ich habe mit meinem schwachen rechten Fuß getroffen, auch per Kopf war ich schon erfolgreich. Die meisten Treffer habe ich aber mit dem linken Fuß erzielt, häufig ins lange Eck.

DFB.de: In welchen Bereichen müssen Sie sich steigern?

Michel: Mein rechter Fuß ist noch steigerungsfähig. Auch das Kopfballspiel muss ich noch verbessern. Das sind allerdings nur zwei Teilbereiche. Ich bin der Meinung, dass ein Fußballer jeden Tag noch etwas dazulernen kann - egal, wie gut er ist.

DFB.de: Welche Position mögen Sie am liebsten?

Michel: In der Jugend habe ich meistens im Angriffszentrum gespielt. Michael Boris hat mich dann auf Linksaußen gestellt, und diese Position liegt mir nun am meisten.

DFB.de: Vor drei Jahren haben Sie noch in der Landesliga für den Siegener Klub Niederschelden gespielt, dann ging es zu den Sportfreunden. Jetzt sind sogar Bundesligaeinsätze möglich. Ein eher ungewöhnlicher Werdegang, oder?

Torjäger Michel: "Wie in einem Märchen"

Michel: Ich werde auch noch einige Zeit benötigen, um das alles zu fassen. Manchmal komme ich mir vor wie in einem Märchen, in dem sich ein Trabi in einen Ferrari verwandelt.

DFB.de: Haben Sie Angst vor einer Durststrecke?

Michel: Angst nicht. Das hat jeder irgendwann einmal. Es geht in solchen Situationen darum, so schnell wie möglich aus dem Tief herauszukommen. Mitspieler und auch die Familie können dabei entscheidende Stützen sein.

DFB.de: Welche Vorsätze haben Sie für 2013 gefasst?

Michel: Ich werde mich in Mönchengladbach voll reinhängen und mit Leib und Seele dabei sein. Dann wird man sehen, was sich daraus ergibt.

 

Quelle: DFB

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