Westdeutscher Fussballverband e.V.
Fußball-Allgemein 02.08.2013

Niederrheinpokalsieger Baumberg
im DFB-Pokal-Portrait

DFB.de stellt die Sportfreunde Baumberg als Teilnehmer am DFB-Pokal vor

Übergabe des Niederrheinpokals 2012/2013 an die SF Baumberg (Foto: Herbert Bahn )

Es gibt die Sportfreunde Stiller. Das sind die Jungs, die mit "54, 74, 90 …" die letzten beiden Weltmeisterschaften zwar inhaltlich leider nicht ganz richtig, aber musikalisch stimmungsvoll geprägt haben.

Es gibt die Sportfreunde Lotte. Das ist der Verein, der in der vergangenen Saison als Meister der Regionalliga West in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga knapp an RB Leipzig scheiterte und anschließend ein bisschen Theater mit dem VfL Osnabrück um den Wechsel von Trainer Maik Walpurgis hatte.

Und es gibt die Sportfreunde Baumberg. Das ist der Oberligist, der überraschend den Niederrhein-Pokal gewonnen hat, zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals steht und dort am Samstag (ab 15.30 Uhr, live bei Sky) auf Zweitligist FC Ingolstadt trifft. Schon bei der Auslosung ist Baumberg bundesweit in den Mittelpunkt gerückt.

 

Shuttlebusse und ein Samba-Zug für die Fans

Baumberg, Stadtteil von Monheim mit rund 14.000 Einwohnern, hat emotional abwechslungsreiche Wochen hinter sich. Erst die Euphorie über den Einzug in den DFB-Pokal. Dann Vorfreude auf die Auslosung, gefolgt von Unmut über die Lospanne, als erst im zweiten Anlauf Zweitligist FC Ingolstadt als Gegner ermittelt wurde - schnell wieder abgelöst von Vorfreude.

Die Sportfreunde fiebern ihrer Premiere auf großer Pokalbühne entgegen. Auch wenn sie ins Ulrich-Haberland-Stadion nach Leverkusen ausweichen müssen. Shuttlebusse aus Baumberg sind in Zusammenarbeit mit der Stadt für den Transport der Fans eingerichtet, ebenso ein Samba-Zug mit drei Waggons.

 

Schwerstarbeit fürs Zehn-Mann-Organisationsteam

Jürgen Schick gehört zu denen, die sich besonders darauf freuen, wenn am Samstag endlich der Ball rollt. "Ich hoffe, dass ich einfach mal wieder in Ruhe Fußball schauen kann", sagt der Vorsitzende des Oberligisten. Angespannt ist er. Und ein bisschen müde. Sein Zehn-Mann-Organisationsteam leistet Schwerstarbeit in diesem Sommer. Termine, Telefonate, Abstimmungen. Die Werbetrommel rühren, Details beachten, neue Bestimmungen kennenlernen. Alles ehrenamtlich. "Im Moment", erzählt Schick, "ist mein Handy-Akku zweimal am Tag leer." Auch das ist ein Hauch des großen Fußballs, der in diesen Tagen durch Baumberg weht.

Die Sportfreunde sind der erste Amateurverein der Region seit 23 Jahren, der sich für den DFB-Pokal qualifiziert hat. Der letzte war der SV Hilden-Nord und erreichte in der Saison 1990/1991 durch ein 2:1 nach Verlängerung über den SC Freiburg die zweite Runde. Die Freiburger waren damals Zweitligist - wie der FC Ingolstadt heute. Die Verantwortlichen in Baumberg mögen von einer ähnlichen Überraschung nicht reden, zumindest nicht öffentlich. "Die Mannschaft soll das Spiel einfach genießen", sagt Trainer Markus Kurth.

 

Markus Kurth: Ex-Profi auf der Trainerbank

Kurth ist seit Dienstag 40 Jahre alt. Seit 1. Juli ist er bei den Sportfreunden im Amt. Ein großer Name für das kleine Baumberg. Kurth stand als Profi bei Bayer 04 Leverkusen, dem 1. FC Köln, 1. FC Nürnberg und MSV Duisburg unter Vertrag, bestritt 110 Spiele in der Bundesliga (17 Tore) und 220 Partien in der 2. Bundesliga (54 Treffer). Mit Nürnberg gelang ihm der Durchmarsch von der Regionalliga bis in die Bundesliga, auch mit Köln und Duisburg feierte der Stürmer Aufstiege in die Eliteliga. Baumberg ist seine erste Station als Cheftrainer. Bis Mai war er Co-Trainer beim Regionalligisten Viktoria Köln.

Im DFB-Pokal stand Kurth 1996 im Viertelfinale, wo seine Nürnberger mit 0:1 bei Fortuna Düsseldorf ausschieden. In der Saison 2001/2002 ging es mit dem 1. FC Köln bis ins Halbfinale, dort war beim späteren Champions-League-Finalisten Leverkusen, prominent besetzt mit Stars wie Michael Ballack, Lucio, Ze Roberto und Bernd Schneider, Endstation. 1:3 hieß es nach Verlängerung.

 

"Keine Zeit zum Ärgern" nach verpatztem Saisonauftakt

So weit dürften es die Sportfreunde Baumberg kaum schaffen. "Wir wollen uns gegen Ingolstadt so teuer wie möglich verkaufen", sagt Kurth. In Topform ist sein Team noch nicht. Zum Saisonstart der Oberliga kassierten die Sportfreunde am vergangenen Wochenende zu Hause ein 0:3 gegen den SC 1911 Kapellen-Erft. Die Partie war nicht einmal eine Minute alt, da lagen die Gastgeber bereits in Rückstand. In der Schlussphase fing sich Baumberg noch zwei Konter. Ein Auftakt zum Vergessen.

Jürgen Schick blieb nach dem Spiel überraschend ruhig. Kein Wutausbruch, keine Standpauke. "Ich hatte keine Zeit zum Ärgern", erklärt der Vorsitzende. Die Konzentration galt längst wieder dem DFB-Pokal. 2000 Zuschauer sollen es am Samstag schon werden im Ulrich-Haberland-Stadion neben der Bay-Arena. Nicht der große Andrang wie bei einem Spiel gegen den FC Bayern, Borussia Dortmund oder Schalke 04, trotzdem ein besonderer Tag für den Fünftligisten aus Nordrhein-Westfalen.

Sieben Jahre ist es her, seit Schick, zunächst als Sportlicher Leiter, in den Vorstand ging. Die Sportfreunde Baumberg hatten damals eine harte Zeit. Der Klub steckte in finanziellen Turbulenzen, das Finanzamt klopfte an, vieles stand in Frage. Heute stehen die Baumberger so gut da wie noch nie. 2012 die Qualifikation für die Oberliga, 2013 der Sieg im Landespokal durch das 1:0 im Finale gegen Rot-Weiß Oberhausen. "Der DFB-Pokal tut uns richtig gut", sagt Jürgen Schick, "und ist die Belohnung für alle, die hier jahrelang hart gearbeitet haben."

 

Quelle: JB/DFB.de

 

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