Westdeutscher Fussballverband e.V.
Leichtathletik 28.09.2012

Olympia- und Paralympics-Teilnehmer
aus NRW geehrt

Das Düsseldorfer Ständehaus bot einen würdevollen Rahmen für die Championsgala. (Foto: Bowinkelmann)

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Sportministerin Ute Schäfer, LSB-Präsident Walter Schneeloch und die Vorstandsvorsitzende der Sportstiftung NRW, Anke Feller, haben in einem feierlichen Rahmen die Ehrungen der Sportlerinnen und Sportler vorgenommen, die aus NRW an den Olympischen Sommerspielen und den Paralympics in London 2012 teilgenommen hatten.

NRW erfolgreichstes Bundesland

Mit 112 Athletinnen und Athleten hatte Nordrhein-Westfalen rund 30 Prozent des deutschen Olympiateams zu den Sommerspielen in der britischen Hauptstadt gestellt. 38 der 94 deutschen Medaillengewinnerinnen und -gewinner waren Mitglieder von NRW-Vereinen oder sie trainieren und leben in Nordrhein-Westfalen. Sie hatten über 30 Prozent der deutschen Medaillen errungen.

Auch bei den Paralympics waren NRW-Athletinnen und -Athleten sehr erfolgreich. Die 42 Athletinnen und Athleten aus Nordrhein-Westfalen (von 150 deutschen Athleten) holten insgesamt 25 Medaillen. Das waren 38 Prozent aller deutschen Medaillen. Damit war NRW auch bei den Paralympics das erfolgreichste Bundesland und hat das Ergebnis von Peking 2008 (14 Medaillen) deutlich übertroffen.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft fand entsprechend anerkennende Worte: "In Olympia- oder Paralympic-Zeiten macht Sport aus der Welt ein olympisches Dorf, er verbindet Völker und Menschen unterschiedlicher Kulturen. Sport überwindet dann Grenzen, er bringt Menschen zueinander - manchmal sogar Menschen, deren Staaten miteinander im Unfrieden leben. Das ist großartig! NRW ist stolz auf seine Sportlerinnen und Sportler!“

Olympische Sommerspiele und Paralympics 2012 waren unvergessliche Sportevents

Walter Schneeloch, Präsident des Landessportbundes NRW, betonte: "Egal, ob Olympia oder Paralympics. Die Athletinnen und Athleten haben ein beeindruckendes Sportevent mit gestaltet und tolle sportliche Erfolge erzielt. Sie sind bis an Ihre Grenzen gegangen, haben Ihr Bestes gegeben und im Sinne des Fairplays sauber und ohne Doping gekämpft! Auch die Sportlerinnen und Sportler, die ohne Medaille nach Hause gekommen sind, können stolz sein, denn – was nicht ist, kann ja noch werden“, so Schneeloch mit Ausblick auf die Spiele in vier Jahren in Rio de Janeiro.

Die Vorstandsvorsitzende der Sportstiftung NRW, Anke Feller, überreichte während der Champions-Gala die von der Sportstiftung NRW ausgelobten Teilnahme- bzw. Medaillenprämien. "Ich freue mich, dass in London so viele Athletinnen und Athleten aus NRW am Start waren. Und so viele waren erfolgreich, so dass wir sie auszeichnen können. Die Sportstiftung wird auch weiterhin Talente und Spitzensport in Nordrhein-Westfalen fördern", sagte Feller.

Mit der Sport-Ehrenmedaille für herausragende sportliche Leistungen wurde die deutsche Sitzvolleyball-Mannschaft ausgezeichnet. Steffi Nerius, die ehemals erfolgreiche Speerwerferin, wurde mit dem Sonderpreis für Trainerinnen geehrt. Sie hatte die Paralympics-Teilnehmer Marcus Rehm (Weitspringer), Sebastian Dietz (Diskuswerfer) und Matthias Mester (Speerwerfer) betreut.

Text: Julia Banning (LSB-NRW)

Starke Show: Björn Otto holt Olympia-Silber

Stabhochspringer aus Dormagen

Silber:Björn Otto.
Silber:Björn Otto.

Björn Otto (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen) und Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken, beide 5,91) haben den französischen Überflieger Renaud Lavillenie in London (Großbritannien) an den Rande einer Niederlage gebracht. Der Franzose konterte sich mit einem Sprung über 5,97 Meter aber doch noch zu Olympia-Gold. Für die beiden Deutschen blieben Silber und Bronze. Malte Mohr (TV Wattenscheid 01; 5,50 m) wurde Neunter.

Es war wieder eine Show auf höchstem Niveau - wie bei den Europameisterschaften in Helsinki (Finnland), mit dem gleichen Ausgang. Gold ging an Renaud Lavillenie vor Björn Otto und Raphael Holzdeppe.

Bei 5,91 Metern hatten die beiden Deutschen den Franzosen noch mächtig unter Druck gesetzt. Beide flogen im ersten Versuch über diese Höhe - Raphael Holzdeppe steigerte seine Freiluftbestleistung damit um zehn Zentimeter. Renaud Lavillenie scheiterte und ließ dann 5,97 Meter auflegen, hier nutzte er seine letzte Chance und flog damit zu Gold.

Björn Otto sicherte sich Silber - weil er sich im Vergleich zu Raphael Holzdeppe bei 5,85 Metern einen Fehlversuch weniger leistete. Das ist der größte Erfolg für den 34-Jährigen, der zum ersten Mal bei Olympia dabei war. Raphael Holzdeppe war schon als Achter in Peking (China) dabei, bei seinen zweiten Spielen holte er mit Bronze eine Medaille - der 22-Jährige war auf den Punkt fit.

Für Malte Mohr lief es nicht wie gewünscht. Der Deutsche Meister schwang sich über seine Anfangshöhe von 5,50 Metern, 5,75 Meter waren dann zu hoch. Der Wattenscheider landete auf Rang neun.

STIMMEN ZUM WETTKAMPF:

Björn Otto (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen):
Es war schon ein beeindruckender Wettkampf heute. Ich bin gut reingekommen. Die 5,50 Meter im Ersten, die 5,65 im Ersten. Bei 5,75 war der Stab leider ein bisschen weich. Den habe ich gewechselt und war dann auch da drüber. Es war ein Wettkampf mit Höhen und Tiefen. Es war alles dabei. Ich wusste von vornherein, dass es wahrscheinlich die Fehlversuche entscheiden. So war es im Endeffekt dann auch.

Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken):
Im Moment bin ich noch im Zwiespalt. Einerseits freue ich mich über die Bronzemedaille. Andererseits kann ich noch nicht glauben, dass ich wirklich Bronze gewonnen habe. Das muss alles noch ein bisschen sacken. Ich war schon sehr froh, als ich 5,85 Meter im dritten Versuch übersprungen habe. Da war ich schon sehr nervös, aber ich wusste, ich kann 5,85 Meter springen. Ich wollte bloß nicht übermotiviert sein. Dann ist einfach der Knoten geplatzt. Bei 5,91 habe ich an rein gar nichts gedacht.

Malte Mohr (TV Wattenscheid 01):
Ich bin natürlich mit mir selbst nicht unbedingt so zufrieden. Vierzig Zentimeter unter Bestleistung zu bleiben ist nicht das, was ich mir vorgenommen habe. Auf der anderen Seite muss ich sagen, um eine Medaille zu holen, hätte ich hier heute Bestleistung springen müssen. In der Verfassung bin ich momentan nicht. Ich habe dieses Jahr einfach zuviele Rückschläge gehabt und bin von Verletzung zu Verletzung gerannt. Ich habe es nicht geschafft, mich so auf den Punkt hier vorzubereiten, so wie es die anderen hatten. Ob man mit 5,50 Neunter oder mit 5,75 Metern Sechster wird, ist mir am Ende auch egal.

Leverkusenerin Linda Stahl holt Olympia-Bronze

Speerwerfen in London

Linda Stahl

Die Leichtathleten des Sportlands NRW können sich über eine hart erkämpfe Medaille bei den Olympischen Spielen freuen. Die Leverkusener Speerwerferin Linda Stahl holte Bronze. Silber ging an Christina Obergföll. Wie schon vor vier Jahren in Peking wurde die Tschechin Barbora Spotakova Olympiasiegerin. Sie war in London mit 69,55 Metern klar die Beste.

„Bronze ist ein tolles Ergebnis. Mich hatten nicht viele auf der Rechnung“, freute sich Stahl über die Medaille.

Die Offenburgerin Obergföll, die bei WM und EM schon zweimal Silber gewonnen hatte, warf 65,16 Meter und holte ihre zweite Olympia-Medaille nach Bronze 2008. Ex-Europameisterin Stahl kam auf 64,91 Meter. Ihre Leverkusener Clubkollegin Katharina Molitor wurde Sechste mit 62,89 Metern. Weltmeisterin Maria Abakumowa aus Russland enttäuschte als Zehnte.

Jeder ihrer vier gültigen Versuche hätte Barbora Spotakova die Goldmedaille beschert. Mit einem Wurf auf 66,90 Meter hatte sie die Konkurrenz eröffnet. Schon an dieser Weite bisschen sich die anderen Athletinnen die Zähne aus, bevor sie im vierten Durchgang mit Weltjahres-Bestleistung von 69,55 Metern den Sack endgültig zumachte.

Insgesamt sieben Athletinnen hatten in diesem Jahr schon die 66-Meter-Marke übertroffen, außer der Tschechin konnte dies in London keine Werferin wiederholen. So wurde es nicht unbedingt ein hochklassiger, dafür aber umso spannender Kampf um Silber und Bronze.

Linda Stahl nutzt Gunst der Stunde

Christina Obergföll gelang mit 65,16 Metern ein guter Auftakt, der sie gleich an Position zwei beförderte. Mit aller Macht bemühte sie sich anschließend um eine Steigerung – mit der Folge, dass die fünf weiteren Würfe ungültig wurden. Doch der eine gültige Wurf sollte ihr nach Olympia-Bronze 2008 die Silbermedaille bescheren.

Linda Stahl, Europameisterin von 2010, schob sich mit dem vierten Versuch an der bis dahin drittplatzierten Sunette Viljoen (Südafrika) vorbei und holte sich Bronze. Schon zum insgesamt sechsten Mal stehen somit bei der olympischen Siegerehrung zwei deutsche Speerwerferinnen auf dem Treppchen. Zuletzt hatten vor genau 20 Jahren in Barcelona (Spanien) hatten Silke Renk und Karen Forkel Gold und Bronze geholt.

Katharina Molitor Sechste

Die dritte im Bunde Katharina Molitor haderte mit dem schlechten Einwerfen, ließ ihren Speer dann im ersten Durchgang aber doch auf respektable 62,89 Meter segeln. Das bescherte ihr zunächst den Platz im Endkampf und später in der Endabrechnung Rang sechs - mehr war nicht drin, weiter wollte der Speer nicht fliegen.

Die DLV-Werferinnen waren zur Stelle, als die Favoritinnen schwächelten. Die Südafrikanerin Sunette Viljoen war als Jahresbeste nach London gereist und ging als Vierte (64,53 m) leer aus. Noch enttäuschender verlief der Wettbewerb für die Russin Mariya Abakumova, Weltmeisterin und Olympia-Zweite von 2008, die es mit 59,34 Metern als Zehnte nicht einmal in den Endkampf schaffte.

STIMMEN ZUM WETTBEWERB:

Christina Obergföll (LG Offenburg):

Ich bin auf jeden Fall zufrieden. Ich wollte ein bisschen weiter werfen, aber es ist olympisches Silber geworden, es geht hier nicht darum weit zu werfen, sondern darum, eine Medaille zu machen. Ich hätte das überhaupt nicht erwartet und bin deswegen einfach nur super happy. Ich hatte heute einfach das Quentchen Glück. Eigentlich wollte ich so anfangen wie in der Quali: Den ersten sauber werfen und dann Vollgas. Dann habe ich, glaube ich, ein bisschen überpaced und das dann hinten raus nicht mehr in den Griff bekommen. Aber das ist mir jetzt gerade scheißegal!

Linda Stahl (TSV Bayer 04 Leverkusen):
So richtig kann ich es noch gar nicht glauben. Mich hatte bestimmt keiner auf der Rechnung. Ich hätte auch gerne ein bisschen weiter geworfen, aber ich war schon im ersten Versuch ein bisschen fest. Ich hatte damit gerechnet, dass eine von den drei ersten Damen schon mal einen raushaut. Das ist dann nicht passiert und dann habe ich gedacht: Jetzt möchte ich das gerne machen! So habe ich dann auch geworfen. Ich bin froh, dass ich noch einen guten Wurf hinbekommen habe. Saison-Bestleistung zum Saison-Höhepunkt – alles wunderbar!

Katharina Molitor (TSV Bayer 04 Leverkusen):
Das Einwerfen lief nicht so gut, das hat mich auch ein bisschen deprimiert. Deswegen war ich mit dem ersten Wurf ganz zufrieden. Ich hätte gerne noch ein bisschen was draufgepackt. Ich weiß nicht, woran es lag, es lief nicht so ganz.

 

Quelle: WFLV/DLV

Spielberechtigungen Regionalliga West