Westdeutscher Fussballverband e.V.
Fußball-Allgemein 09.04.2014

Phantom aus Essen:
Mathias Lierhaus peilt 50-Tore-Marke an

Personifizierte Torgefahr: 44 Saisontore hat Mathias Lierhaus schon auf dem Konto

Der kleine Fußball ist in Deutschland riesengroß. In fast 26.000 Vereinen wird unter dem Dach des DFB Fußball gespielt. Die heimlichen Helden spielen und engagieren sich an der Basis. Ihnen widmet sich DFB.de. Heute: Mathias Lierhaus, der beim Essener A-Ligisten DJK Blau-Weiß Mintard der unersetzliche Torjäger ist und die Marke von 50 Saisontreffern anstrebt.

Bei Mathias Lierhaus funktionieren die Statistiken anders als bei normalen Stürmern. Bei ihm wird nicht der Zeitraum gemessen, in dem er das Tor nicht getroffen hat. Dann müsste man ja ständig von vorne beginnen. Bei Lierhaus geht es darum, wann er zuletzt in einem Spiel nicht erfolgreich war. "Das weiß ich gar nicht so genau", sagt der Angreifer vom Essener A-Ligisten DJK Blau-Weiß Mintard. "Es muss auf jeden Fall schon einige Zeit her sein."

Man muss sich tatsächlich etwas länger durch die Spielberichte der jüngeren Vergangenheit wühlen, um das Ergebnis zu finden. In 18 Begegnungen hintereinander hat er zuletzt immer getroffen. Zwischendurch war er in vier Partien verletzt. Der 24-Jährige ist damit das Torphantom der Kreisliga A in Essen. Für Blau-Weiß Mintard hat er in dieser Saison in 19 Begegnungen sagenhafte 44 Tore geschossen. Neulich beim 5:1 gegen SuS Niederbonsfeld war er viermal erfolgreich. "Das war aber bei weitem nicht mein bestes Spiel", sagt Lierhaus. "In einer Begegnung habe ich mal neun Treffer erzielt." Aber er weiß natürlich ganz genau, dass er nur dank seiner Mitspieler so stark sein kann.

Trainer Guglielmi muss Wettschulden noch begleichen

Mintard ist auch dank seines Topstürmers auf Bezirksliga-Kurs. Der Spitzenreiter hat 24 seiner 25 bisherigen Partien gewonnen. Für Lierhaus selbst kommt seine Serie nicht überraschend: "Das ist eben Kreisliga A. Da sind die Gegner meist nicht so gut." Und weil er das bereits wusste, hat er vor der Saison eine mutige Ankündigung gegenüber seinem Trainer Marco Guglielmi gewagt: "Mathias hat mir erzählt, dass er mindestens 40 Tore machen wird", erzählt der 38 Jahre alte Coach. "Ich habe gelacht und das für einen schlechten Scherz gehalten, aber er meinte es ernst."

Also hat Guglielmi ihm eine Wette angeboten: 40 Tore gegen ein paar neue Fußballschuhe. Die hat Lierhaus inzwischen sicher - oder doch nicht? Denn eigentlich möchte er gerne eines dieser schön bunten Modelle. Sein Trainer jedoch vertritt eher den konservativen Standpunkt: Fußballschuhe sollten schwarz sein. "Die gibt es heutzutage doch fast gar nicht mehr", hält ihm Lierhaus entgegen. Es wird also wahrscheinlich doch auf die farbenfrohe Variante hinauslaufen. Wettschulden sind Ehrenschulden, und Guglielmi wird seinem überragenden Stürmer kaum die Laune verderben wollen.

"Ich kann mir ein Leben ohne Fußball nicht vorstellen"

Lierhaus ist erst Anfang des vergangenen Jahres nach Mintard zurückgekehrt. Vorher hat er eineinhalb Jahre für den FSV Kettwig gespielt. Das war Kreisliga C, Kreisliga B - aber auch dort hat er seine Qualitäten mit insgesamt 160 Treffern unter Beweis gestellt. In 18 Monaten.

Aber was macht diesen Jungen so stark? Was hebt ihn so deutlich über das Niveau der gegnerischen Abwehrspieler? "Mathias ist sehr schnell, das ist in dieser Klasse schon ein entscheidender Vorteil", sagt Trainer Guglielmi. "Außerdem hat er ein gutes Timing, besonders beim Kopfballspiel. Er ist immer dort, wo er stehen muss. Und er ist sehr, sehr ehrgeizig."

Lierhaus fehlt bei nahezu keiner Trainingseinheit. Nachher tauscht er sich oft noch mit den Kollegen über seinen geliebten Sport aus. "Fußball ist ganz, ganz wichtig für mich", sagt der Auszubildende in einer Anwaltskanzlei. "Seit 22 Jahren bin ich mittlerweile im Verein aktiv. Ich kann mir ein Leben ohne Fußball eigentlich nicht vorstellen." Und zwar passiv wie aktiv. Er muss auf den Platz, er muss Tore schießen. Aber er muss auch vor den Fernseher, er muss mitfiebern. Besonders wenn sein Herzensklub spielt, der VfB Stuttgart. Besonders wenn sein Vorbild beim AC Florenz im Einsatz, Nationalspieler Mario Gomez.

Torjäger Lierhaus bei anderen Vereinen sehr begehrt

Lierhaus ist ein ähnlicher Typ wie der frühere Stuttgarter. Groß, kantig, kopfballstark, effektiv. Bei diesen Qualitäten stellt sich automatisch die Frage nach einem Vereinswechsel. "Es gibt Anfragen, bis in die Oberliga", sagt Lierhaus. "Es ist eine komplizierte Situation. Einerseits fühle ich mich in Mintard total wohl. Aber andererseits will ich mir nachher nicht selbst vorwerfen, es nicht bis möglichst weit nach oben versucht zu haben. Der Reiz ist auf jeden Fall da." Vor allem auch aus finanzieller Sicht. Bei anderen Klubs könnte er sich einen ordentlichen Nebenverdienst schaffen. In Mintard gibt es nur ein Taschengeld - dazu im optimalen Fall ein neues Paar bunte Fußballschuhe.

Aber noch hat er in Mintard seine Ziele nicht erreicht. 44 Tore in 19 Begegnungen sind ein schönes Zwischenzeugnis. Aber auf dem Abschlussbericht sollen dann doch noch ein paar andere Zahlen stehen, dafür ist er viel zu ehrgeizig, viel zu gut. Zehn Begegnungen stehen nämlich noch auf dem Programm. "Das wichtigste ist der Aufstieg", sagt Lierhaus. "Außerdem möchte ich am Saisonende 50 Tore auf dem Konto haben." Mindestens. Dagegen wetten wird niemand mehr.

Quelle: DFB

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