Westdeutscher Fussballverband e.V.
Regionalliga West 07.10.2013

Power in der Lohrheide: Wattenscheids Aufschwung nach dem freien Fall

Die Regionalliga-West-Story

Erfolgstrainer bei der SG: Andre Pawlak (Foto: Imago).

Als Christoph Jacob 2009 kam, war der Verein am Ende - sportlich wie finanziell. Die SG Wattenscheid 09 hatte einen fulminanten Absturz hinter sich. Aus der Bundesliga in die Sechstklassigkeit der Verbandsliga. Dann kam Jacob als neuer Präsident und hat den Verein seitdem auf ein wirtschaftliches Fundament gestellt. Gleichzeitig ist der sportliche Erfolg zurückgekehrt: Im Sommer haben die Wattenscheider mit dem zweiten Aufstieg in Folge den Sprung in die Regionalliga West geschafft. Der Klub ist zurück auf der Bildfläche des großen Fußballs.

"Es war ein harter Weg, und wir sind noch lange nicht am Ende", sagt Jacob. "Aber uns lag der Verein am Herzen. Wir wollten nicht, dass diese Tradition stirbt. Also haben wir alle gemeinsam die Verantwortung übernommen. Dank sehr engagierter ehrenamtlicher Helfer haben wir den Karren aus dem Dreck gezogen. Es war fast aussichtslos, aber wir haben es geschafft."

Sechs Spiele, sechs Unentschieden - und der erste Sieg im Stadtderby

In der Regionalliga hat die Mannschaft schon in den ersten Wochen positive Schlagzeilen geschrieben - obwohl Trainer Andre Pawlak und seine Spieler lange auf den ersten Sieg warten mussten. Sie hatten in den vergangenen Wochen eine erstaunliche Serie gestartet: Sechs Partien in Folge hatte Wattenscheid Unentschieden gespielt, viermal davon 2:2 - und dreimal dabei hat der Tabellen-17. sogar 2:0 geführt. Auch so kann man Schlagzeilen schreiben.

Im elften Spiel konnte der erste Saisonsieg schließlich perfekt gemacht werden. Der Aufsteiger bezwang im Stadtderby die U 23 des VfL Bochum mit 3:0 und konnte damit prompt die Abstiegsplätze verlassen.

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Trainer Andre Pawlak - "unser Königstransfer"

Entscheidenden Anteil am Aufschwung hat Trainer Andre Pawlak. Als der 42-Jährige im Sommer 2010 aus der Nachwuchsabteilung des FC Schalke 04 nach Wattenscheid kam, standen nur noch vier Spieler im Kader. Die Verpflichtung Pawlaks wurde zunächst belächelt, weil er keinen großen Namen hatte. Darauf hatte man lange Zeit gesetzt.

Zuvor saßen zum Beispiel Ex-Profis wie Stefan Blank oder Marek Lesniak auf der Bank. "Aber heute können wir sagen, dass das unser Königstransfer war", sagt Präsident Jacobs rückblickend zur Verpflichtung Pawlaks. "Er vertritt genau unsere fußballerische Philosophie. Er setzt auf junge Spieler. Er macht sie in jedem Training besser und bietet ihnen so eine Perspektive."

Dieses Konzept braucht Zeit. Deshalb sind sich die Verantwortlichen bewusst, dass es zumindest in dieser Saison ausschließlich um den Klassenerhalt gehen wird. Es geht zunächst darum, den Verein dauerhaft in der Regionalliga zu etablieren. Nur Unentschieden werden dafür jedoch nicht reichen. "Die Regionalliga ist mit den ganzen großen Traditionsvereinen eine unglaublich attraktive Spielklasse, das macht wahnsinnig viel Spaß", betont Jacob. "Aber das Niveau ist eben auch entsprechend. Da sind wir einer der großen Außenseiter."

Talent statt Geld

Es ist gar nicht so selbstverständlich, einen Verein mit einer solchen Vergangenheit in der Regionalliga nicht zu den Topteams zu zählen. Aber in Wattenscheid gibt es schon lange nicht mehr das Geld früherer Tage zu verdienen. Im Gegenteil: "Wir haben sicher einen der geringsten Etats aller Regionalligisten in den fünf Staffeln", sagt Jacob. "Aber wir haben talentierte Spieler, die mit Engagement und Leidenschaft dabei sind." Sie tragen das Wappen mit Stolz auf der Brust. Sie wissen um die Historie.

Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass der Verein aus dem Ruhrgebiet unter dem inzwischen verstorbenen Mäzen Klaus Steilmann ganz oben im deutschen Fußball angekommen war. Am 11. August 1990 bestritten die Wattenscheider ihre erste Begegnung in der Bundesliga. Es war eine grandiose Premiere: 2:0 gegen Werder Bremen dank der Tore von Thorsten Fink und Souleyman Sane. Nach vier Jahren in Deutschlands höchster Spielklasse unter anderem unter Trainerlegende Hannes Bongartz begann der Absturz - zunächst langsam, wellenförmig, auch mit positiven Ausschlägen. Aber dann folgte der Niedergang bis in die Sechstklassigkeit. Und nun soll es also wieder aufwärts gehen.

Der Anfang ist gemacht. Nach unten geht es meistens ganz schnell. Die andere Richtung ist mühsam. Man braucht Ausdauer, Geduld, Rückschläge gehören dazu. Das haben die Wattenscheider längst bemerkt. Aber sie lassen sich nicht von ihrer Idee abbringen. Sie wollten dem Klub wieder erstrahlen lassen. Allerdings mit einer Einschränkung, wie Präsident Jacob nachdrücklich betont: "Die alten Zeiten sind vorbei. Wir arbeiten an den neuen Zeiten." Quelle: DFB/sw

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