Westdeutscher Fussballverband e.V.
Allgemein 05.10.2012

Sport braucht Räume

LSB-NRW: Lösungen sehen sehr unterschiedlich aus

Die Sportraumproblematik in NRW ist entscheidend für die Sportentwicklung im Land.

Veränderte Sportbedürfnisse, demografischer Wandel und hoher Modernisierungsbedarf stellen Sportvereine und Kommunen vor große Herausforderungen beim Management ihrer Sportstätten. Doch Sport braucht Raum. Lösungen sehen sehr unterschiedlich aus, wie unsere Beispiele zeigen. 

Industrieruine wird zum Sportraum

Wer heute den schmucken Raum betritt, kann nicht ahnen, wie es hier einst ausgesehen hat. Wo Dachbalken zu verrotten drohten und Wände vor Schmutz starrten, tragen jetzt elegante Stahlträger die Decke eines hellen, mit Spiegeln ausgestatteten Sportraumes. Dieser ist Teil des „Sport- und Gesundheitszentrums“ der Lenneper Turngemeinde 1860 e.V. in der „Moll'schen Fabrik“.  

Die Stadt Remscheid wollte die unter Denkmalschutz stehende Industrieruine einer öffentlichen Nutzung zuführen, der Verein brauchte neue Sporträume. „Eine Sporthalle, so war unsere Überlegung damals, war nicht mehr up to date. Kleine Räume waren gefordert für Eltern-Kind-Gruppen, Yoga etc.“, erinnert sich Vorstandsmitglied Ben Vieler an die Anfänge Mitte der 1990er Jahre.  

1,3 Millionen Euro hat die Sanierung gekostet, davon hat der Verein 127.000 Euro beigesteuert, der Rest stammte aus Zuschüssen. Seit 2003 verfügt der Verein nun über diese Lösung und ist zufrieden. Kein Einzelfall. Auch die Turbo-Schnecken Lüdenscheid e. V. sind dabei, mit Unterstützung aus Mitteln der Denkmalpflege eine ehemalige Maschinenfabrik zum Sport- und Gesundheitszentrum „umzunutzen“.

Multifunktionale Sportstätten sind gefragt

„Wir müssen intensiv darüber nachdenken, wohin die Entwicklung der Sporträume gehen soll“, unterstreicht Dr. Christoph Niessen, Vorstandsvorsitzender des Landessportbundes NRW, „die klassischen Sportstätten alleine reichen nicht mehr aus. Wir brauchen vermehrt multifunktional nutzbare, kleinere Anlagen, Hallen und Räume, zum Beispiel für den gesundheits- und fitnessorientierten Sport und den Sport der Älteren.“

Die Anforderungen haben sich geändert. Orientierten sich noch vor einigen Jahrzehnten die Sporthallen und -plätze am Turnen, Schwimmen, Ballspielen etc., so haben insbesondere neue Trend-Sportarten zu einer Diversifizierung geführt. Skaterparks, Kletterhallen, Spielfelder für Beach-Sportarten und Ähnliches sind entstanden. Informelle Bewegungsgelegenheiten wie Grünflächen, Wohnumfeld und freie Natur zählen ebenfalls zu solchen „Sporträumen“.

Bedürfnisse haben sich verändert

Auch die Ansprüche an die Räumlichkeiten selber sind gestiegen. Der „Mief“ der 60er Jahre ist nicht mehr gefragt. Umfragen des LSB NRW in SPORT PRO GESUNDHEITS-Kursen zum Beispiel haben klar das Bedürfnis nach angemessenem Raumambiente zu Tage gefördert. Vielfältige Kursangebote vom Eltern-Kind-Turnen bis zum Sport für Ältere steigern die Nachfrage nach kleineren Räumen. All diesen veränderten Bedarfen gilt es Rechnung zu tragen.

Wie informelle Flächen mit Blick auf den demografischen Wandel genutzt werden können, zeigt die Stadt Gladbeck mit ihrem Projekt „Bewegungsräume für Generationen“. Es wurde in Zusammenarbeit mit dem Stadtsportverband (SSV) umgesetzt. Der SSV -Vorsitzende Hartmut Knappmann: „Ziel ist es, die zukünftige Stadtentwicklung an die demografische Entwicklung anzupassen.“

Ein Mosaik von multifunktionalen Flächen, die sich über das Stadtgebiet verteilt, soll dabei die Interaktion zwischen den Generationen fördern. Mit dem „Quälingspark“ und dem „Kotten Nie“ sind inzwischen erfolgreich zwei Bewegungsräume eingerichtet.

Kooperation von Sport und Kommune

Ebenfalls in Gladbeck hat sich ein anderes Modell bewährt: Die Übernahme der Betriebsführung des Freibades durch den Schwimmverein Gladbeck 13 e.V. . Die Stadt musste sparen und konnte 2003 ein neues Gebläse für die Traglufthalle nicht finanzieren. Der Verein beschaffte das Aggregat und sicherte damit unter anderem den Fortbestand des Leistungssportbetriebs/Landesleistungsstützpunkt Schwimmen. Bis heute wurden zahlreiche weitere Investitionen getätigt.

Der guten Kooperation von gemeinwohlorientiertem Sport und Kommune kommt eine hohe Bedeutung zu. So belegt zum Beispiel der offene Ganztag heute viele Sporträume. Schulschließungen aufgrund sinkender Schülerzahlen werden jedoch die Frage nach der Nutzung dieser Gebäude aufwerfen. Eine bedarfsorientierte vorausschauende Planung ist mehr denn je notwendig.

Aber auch Sportvereine müssen selber vorausschauend denken. Die Orientierung an künftigen Bedarfen ist bei der Planung, Umnutzung und Sanierung von Sporträumen zu berücksichtigen. Der TV Jahn Rheine 1885 e.V. zeigt exemplarisch, wie eine Sportanlage trendgerecht Stück für Stück wachsen kann und doch wandelbar bleibt.

Sportvereine und Fitness-Studios

Ebenfalls kann die Einrichtung eines Fitness-Studios oder Fitnessbereichs die Vereinsentwicklung beflügeln. Eine Studie im Auftrag des LSB ergab, dass Vereine, die Fitnesssport in ihr Angebot integriert haben, überdurchschnittlich gewachsen sind.

Vereine ohne eigene Einrichtungen nutzen die Chance und kooperieren mit kommerziellen Anbietern. Die Studie verwies aber auch darauf, dass eine verstärkte Unterstützung durch den LSB NRW gewünscht ist. Ein Studioleitertreffen in nächster Zukunft mit dem LSB NRW wird hier weitere Impulse geben.

Positiv vermerkt wurde wiederum die Vergabe von Gütesiegeln. Rechnet man alle vereinseigenen Fitness-Studios/-Bereiche zusammen (mehr als 70), so verfügt der organisierte Sport in NRW über die größte „Fitnesskette“ im Land. Ein Ansporn für mehr!

Die Sportraumproblematik in NRW ist entscheidend für die Sportentwicklung im Land. Vieles ist bereits auf den Weg gebracht, Weiteres muss folgen.

Sportstättenfinanzierung

Öko-Check für Vereine hilft Kosten sparen

Weitere Informationen: Landessportbund NRW, Achim.Haase(at)lsb-nrw.de, Telefon: 0203 7381 -835

Text: Michael Stephan/LSB
Fotos: Andrea Bowinkelmann

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