Westdeutscher Fussballverband e.V.
Regionalliga West 13.01.2014

Siegens Hagner: "DFB-Pokal
wäre eine Riesengeschichte"

"Wollen die Großen solange wie möglich ärgern": Hagner (r.) mit Spieler Mark Zeh

Zu seinen "Lehrmeistern" gehörten der heutige Bundestrainer Joachim Löw (beim VfB Stuttgart), Jupp Heynckes und Klaus Toppmöller (bei Eintracht Frankfurt) sowie Hans Meyer (bei Borussia Mönchengladbach). Jetzt stellt sich der langjährige Bundesligaprofi Matthias Hagner, der 1997 mit dem VfB unter Löws Regie den DFB-Pokal gewann und insgesamt fast 200 Erst- und Zweitligaspiele bestritt, der bisher größten Herausforderung seiner noch jungen Trainerlaufbahn.

Nach Stationen beim FSV Frankfurt II, beim VfB Gießen und beim FSV Braunfels wurde der 39-Jährige in dieser Woche beim West-Regionalligisten Sportfreunde Siegen vom U 23- zum Cheftrainer befördert und damit Nachfolger von Michael Boris, der jetzt den Tabellenzweiten Sportfreunde Lotte trainiert.

Mit den Siegenern, die auf Platz vier überwintern, will Familienvater (verheiratet, vier Kinder) und Hotelbesitzer Hagner auch nach der Winterpause für die eine oder andere Überraschung sorgen. Im DFB.de-Interview mit dem Journalisten Ralf Debat spricht Matthias Hagner über seine Großfamilie mit vier Schwestern, seine nur knapp verpasste Nationalmannschaftskarriere, die Ausbildung zum Fußball-Lehrer und den Traum vom Einzug in die DFB-Pokalhauptrunde.

DFB.de: Erst wenige Stunden vor dem Trainingsstart wurden Sie zum neuen Cheftrainer bei den Sportfreunden Siegen befördert. Wie überrascht waren Sie selbst, Herr Hagner?

Matthias Hagner: Überraschend war für mich nur der Zeitpunkt, denn ich hatte mit dem Verein in den vergangenen Wochen schon einige Male über die Möglichkeit gesprochen, das Traineramt eventuell ab dem 1. Juli zu übernehmen. Michael Boris hatte schließlich schon frühzeitig seinen Abschied zum Saisonende bekanntgegeben. Dass es jetzt so schnell gehen würde, hatte ich nicht erwartet. Aber ich freue mich sehr auf die Aufgabe.

DFB.de: Nach dem angekündigten Rückzug des langjährigen Präsidenten und Hauptsponsors Manfred Utsch ist noch ungewiss, wie es in Siegen nach dem Saisonende weiter gehen wird. Können Sie sich trotzdem ein längerfristiges Engagement vorstellen?

Hagner: Selbstverständlich, dafür bin ich schließlich in Siegen angetreten. Zunächst einmal wollen wir bis zum Sommer das Maximale herausholen. Alles Weitere wird sich dann ergeben.

DFB.de: Was macht für Sie den Reiz der Aufgabe aus?

Hagner: Ich übernehme eine intakte und erfolgreiche Mannschaft, die ich auch schon bestens kenne. Wenn Michael Boris wegen seiner Ausbildung zum Fußball-Lehrer in Hennef war, habe ich seinen Assistenten Frank Döpper bereits regelmäßig bei der Trainingsarbeit unterstützt. In einer starken Spielklasse wie der Regionalliga West Platz vier zu belegen, kann sich schon sehen lassen. Daran wollen wir anknüpfen.

DFB.de: Welche Ziele haben Sie sich für den weiteren Saisonverlauf gesteckt?

Hagner: Ich bin mit Sicherheit nicht weniger ehrgeizig als mein erfolgreicher Vorgänger. Wir werden in der Meisterschaft alles daran setzen, um die Großen, die in der Tabelle vor uns stehen, so lange wie möglich zu ärgern. Außerdem ist es für uns ein ganz wichtiges Ziel, die Qualifikation für den DFB-Pokal zu schaffen. Dafür müssen wir im Westfalenpokal noch zwei Runden überstehen und dabei zunächst den Verbandsligisten DJK TuS Hordel aus dem Weg räumen.

DFB.de: Sie selbst waren 1997 mit dem VfB Stuttgart DFB-Pokalsieger...

Hagner: Umso größer ist die Motivation, mit den Sportfreunden Siegen erstmals seit langer Zeit wieder in diesem Wettbewerb mitmischen zu dürfen. Jeder weiß, was im DFB-Pokal bei ein wenig Losglück möglich ist. Das wäre eine Riesengeschichte und würde dem Verein in seiner aktuell nicht gerade einfachen Situation mit Sicherheit einen wichtigen Schub geben.

DFB.de: Sie sind in Gießen geboren und nach ihrer Profikarriere im hessischen Herborn, nur rund 35 Kilometer von Siegen entfernt, heimisch geworden. Gab es schon vor ihrem Wechsel zu den Sportfreunden Berührungspunkte mit dem Verein?

Hagner: Schon als Spieler stand ich zweimal mit Siegen in Kontakt, es hat aber jeweils nicht geklappt. Noch zu Zweitligazeiten habe ich außerdem mit dem 1. FC Saarbrücken im Leimbachstadion gegen die Sportfreunde gespielt, kann mich also auch an diese große Zeit des Vereins noch gut erinnern und weiß, welches Potenzial im Klub steckt.

DFB.de: Von ähnlichen Erfolgen wagen die treuen Fans der Sportfreunde - nicht zuletzt wegen des Rückzuges von Manfred Utsch zum Saisonende - aktuell aber kaum zu träumen.

Hagner: "Wollen keine Luftschlösser bauen"

Hagner: Wir wollen hier keine Luftschlösser bauen. Ein Traditionsverein wie die Sportfreunde Siegen sollte meiner Meinung nach aber trotz aller Probleme immer auch an den Profibereich denken und sich nicht auf Dauer mit der vierten oder fünften Liga zufriedengeben. Das Stadion, die Fans und das Umfeld geben zweifellos mehr her. Dass dafür aber auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen müssen, versteht sich von selbst.

DFB.de: Wo würden Sie den Hebel ansetzen?

Hagner: Für den Verein wäre es aus meiner Sicht überaus wichtig, ein durchgängiges Konzept von den Senioren- bis hin zu den Nachwuchsmannschaften zu entwickeln. Es dürfte nicht alles nur von einzelnen Personen abhängig sein.

DFB.de: Sie selbst sind Vater von vier Kindern und führen mit Ihrer Frau Dorothee in einem 500 Jahre alten Fachwerkhaus in Herborn ein Hotel mit zwölf Zimmern. Wie bekommen Sie Fußball, Privat- und Berufsleben unter einen Hut?

Hagner: Meine Frau stammt ebenso wie ich aus einer Großfamilie. Ich selbst habe vier Schwestern und weiß daher schon von Hause aus ganz genau, wie wichtig Teamgeist und Kommunikation sind. Das versuche ich auch auf unsere Familie, die Arbeit im Hotel und nicht zuletzt auf den Fußball zu übertragen. Zusammenhalt ist überall eine gute Basis.

DFB.de: Sie hatten während Ihrer Profikarriere viele bekannte Trainer. Von wem haben Sie am meisten gelernt und mitgenommen?

Hagner: Von jedem konnte ich etwas mitnehmen, kopieren will ich aber keinen. Im Trainer Hagner steckt sicher von jedem meiner ehemaligen Trainer etwas, aber auch ganz viel Hagner.

DFB.de: Welche persönlichen Ziele verfolgen Sie als Trainer?

Hagner: Ich habe mir vorgenommen, 2015 oder 2016 die Ausbildung zum Fußball-Lehrer zu absolvieren. Sicherlich gibt es auch bei mir Ambitionen, eines Tages als Erstligatrainer arbeiten zu können. Ich halte aber nichts davon, mir dafür einen bestimmten Plan zurechtzulegen. Ich konzentriere mich jetzt darauf, in Siegen gute Arbeit abzuliefern.

DFB.de: Während Ihrer Bundesligakarriere waren Sie U 21-Nationalspieler und schafften es auch mehrfach ins Blickfeld der A-Nationalmannschaft. Warum hat es nie zu einem Länderspiel gereicht?

Hagner: Im Juni 1997 stand ich im Rahmen der WM-Qualifikation für Frankreich im Aufgebot für die Partie in der Ukraine (0:0; Anm. der Red.), war auch als Ersatzspieler in Kiew dabei. Dafür bin ich dankbar. Trotzdem müsste ich lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte nicht gerne ein Länderspiel bestritten. Aber zu meiner besten Zeit war die Konkurrenz im offensiven Mittelfeld mit Spielern wie Matthias Sammer, Thomas Häßler, Andreas Möller oder Mario Basler einfach zu groß. Unglücklich bin ich deshalb aber nicht. Schließlich kann ich mich auch noch gut daran erinnern, dass ich schon nach meiner zweiten Profisaison ein Studium aufnehmen wollte, weil es bis dahin für mich nicht so gut gelaufen war. Zum Glück ist es anders gekommen, denn sonst hätte ich einiges verpasst.

 

Quelle: DFB/mspw

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