Westdeutscher Fussballverband e.V.
Allgemein 07.09.2015

Sport und Flüchtlinge:
Hoffnung durch Vereinsprojekte in NRW

Selten ist die gesellschaftliche Bedeutung des Sports so ins Rampenlicht gerückt wie beim Thema Flüchtlinge. Der Beitrag des Sports zur Förderung einer nachhaltigen Willkommenskultur und Integration einerseits, die Nutzung von Sporthallen als Notunterkünfte andererseits sind im medialen Fokus. Die Landessportbund NRW beschreibt die Situation und auch Aktionen, die Hoffnung machen, in dem folgenden Text, den wir gerne übernehmen. Mehr zum Thema lesen Sie direkt hier beim LSB.

Das Projekt des BV Westfalia Wickede macht Hoffnung (Foto: LSB-NRW / Andrea Bowinkelmann).

Sharam ist 17. Über zwei Jahren ist er mit seinen Eltern und Geschwistern aus Afghanistan über Iran, Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland geflohen. Eine Odyssee – im Schlauchboot, im Zug, auf dem Schiff, im Bus und zu Fuß. Der Junge ist schüchtern und verstört. Jetzt kickt er beim BV Westfalia Wickede. Und lernt dort Deutsch im Rahmen des Vereinsprojekts „Anpfiff zur Integration“. Ein erster Hoffnungsschimmer nach dem – ja: Horror. 

Deutsch als 1. Hilfe im Vereinsprojekt

Hans Walter von Oppenkowski, Ehrenpräsident des Vereins, hatte das Projekt erst vor wenigen Monaten ins Leben gerufen. Die Menschen aus dem nahe gelegenen Flüchtlingsdorf „Morgenstraße“ werden mit einem Bus zum Fußballplatz des Vereins gefahren. Dort lernen sie Deutsch, erst im Frontalunterricht, dann mit Trainer Peter Swenczycki spielerisch in Bewegungssequenzen integriert, dann ist freies Kicken angesagt.

Von Oppenkowski und Swenczycki sind sich einig: „Der Sport profitiert sehr von der Gesellschaft, bei uns zum Beispiel durch den Bau eines Kunstrasenplatzes – jetzt geben wir der Gesellschaft etwas zurück und helfen, wo wir können. Aber
vor allem helfen wir den oft verzweifelten Menschen.“ 

Ein Sportmärchen

Unter den Flüchtlingen sind immer wieder große Sporttalente, die davon träumen, über den Sport ein besseres Leben führen zu können und ihre Familie im Heimatland unterstützen zu können.

Auch Cellou Diallo gehört dazu. Der 19-Jährige verließ sein Heimatland Guinea mit dem Ziel Europa. 2014 landete er nach einer lebensgefährlichen „Reise“ in einem Flüchtlingsheim im westfälischen Steinheim. Cellou lernte in einem Café beim Fußballschauen Haydar Özdemir kennen, der den örtlichen Kreisligisten TSC Steinheim trainiert. Özdemir lud den Afrikaner zum Training ein, wo sein Talent sofort herausstach. Und er begann, eifrig Deutsch zu büffeln.

Der Rest klingt wie ein modernes Märchen. Cellou Diallo schoss Tor um Tor und den TSC zum Aufstieg. Dank seiner Leistung durfte er beim Regionalligisten SV Rödinghausen (SVR) nahe Bielefeld vorspielen – und er erhielt einen Vertrag. Nun wohnt er bei einer älteren Dame, die dem Verein nahe steht. Der Klub zahlt ihm ein Taschengeld.

Sporthallen als Notunterkünfte

Themenwechsel „Nutzung von Sporthallen“ als Notunterkünfte. Nach einer Abfrage des Landessportbundes NRW sind derzeit über 60 Hallen landauf landab betroffen.

Die Wellen schlagen hoch. Sehr deutlich bezieht der Stadtsportbund Dortmund dazu Position. In einer Pressemitteilung heißt es: „Sporthallen für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen kann und darf nur die letzte aller Optionen sein … Die Verantwortlichen gefährden mit dieser Entscheidung die Existenz von Sportvereinen.“

Keine Dauerlösung

Der SSB Köln spricht sogar von einer „Beschlagnahmung“ von Hallen. Größere Kommunen können die Hallensituation sicherlich kompensieren. Bei kleineren wird es eng. Der Hauptgeschäftsführer des nordrhein-westfälischen Gemeindebunds, Bernd Schneider, sagt in der FAZ: „Wir agieren auf Treibsand.“

In Anbetracht der steigenden Flüchtlingszahlen sei klar, dass immer mehr Notunterkünfte gebraucht würden. Sie ließen sich am schnellsten in Turn- oder Vereinshallen einrichten.

„Mancherorts steht das Vereinsleben schon still, dabei sind es gerade die Mitglieder dieser Vereine, die sich vorbildlich im Ehrenamt um Flüchtlinge kümmern und eine vorbildliche Integrationsarbeit leisten.“ Wenn der Bund nicht zügig mit Material des Katastrophenschutzes und der Bundeswehr eingreife, werde es noch Monate dauern, bis die Kommunen und Vereine ihre Turnhallen wieder freibekämen. 

Den vollständigen Text lesen Sie in der September-Ausgabe der "Wir im Sport".

Text: LSB/NRW / Theo Düttmann, Axel vom Schemm

Bilder: Andrea Bowinkelmann

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