Westdeutscher Fussballverband e.V.
Verbandsnews 12.12.2016

Angepasste Mitgliedsbeiträge verbessern qualifizierte Nachwuchsarbeit in Fußballvereinen

WDFV rät Fußballvereinen in Nordrhein-Westfalen zur Überprüfung der Beitragsstruktur

Fußball im Verein ist eine wichtige Sache. Die Mitgliedschaft im Verein geht zudem weit über die Förderung der einzelnen Fußballtalente hinaus. (Platzhalter-Foto: Archiv/LSB-NRW/Bowinkelmann)
Fußball im Verein ist eine wichtige Sache. Die Mitgliedschaft im Verein geht zudem weit über die Förderung der einzelnen Fußballtalente hinaus. (Platzhalter-Foto: Archiv/LSB-NRW/Bowinkelmann)

Der Beitrag der Fußballvereine für die Kinder-und Jugendförderung in Nordrhein-Westfalen ist immens. Das gilt nicht nur im großen Rahmen – deutschlandweit interessieren sich laut Umfragen über 50 Millionen Menschen für den Fußball und rund 18 Millionen bringen sich im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Platz selbst „ins Spiel“ – sondern insbesondere für den Klub aus der Nachbarschaft, von „nebenan“. Hier erhalten Kinder und jugendliche Vereinsmitglieder im Rahmen ihrer Vereinsmitgliedschaft eine langfristige und kontinuierliche sportliche Ausbildung. Die Mitgliedschaft im Verein geht zudem weit über die Förderung der einzelnen Fußballtalente hinaus.

Das Vereinswesen bietet – so gefestigt, wie es kaum ein anderer Bereich in den Gemeinden zusagen kann - Möglichkeiten, Formen und Chancen des sozialen Miteinanders, der sozialen Integration und beim demografischen Wandel. Davon profitieren natürlich nicht nur Kinder und Jugendliche: Gerade Bewegung, Sport und körperliche Aktivität erhalten die Gesundheit bis ins hohe Alter, und Sport im Verein bedeutet soziales Miteinander, Kommunikation und Geselligkeit.

Fußballvereine verkaufen sich unter Wert

Gemessen an diesen Fakten verkaufen sich viele Fußballvereine in Nordrhein-Westfalen geradezu unter Wert. Das sind die Ergebnisse einer Studie, die der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) beim Institut für Sportökonomie und Sportmanagement an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) in Auftrag gegeben hat. In dem Gutachten wurde klar ermittelt, dass die Fußballvereine in NRW sich zwar scheuen, ihre Mitgliedsbeiträge zu erhöhen, dieser Schritt aber durchaus eine Akzeptanz finden würde, wenn die daraus resultierenden Mehreinahmen die Verbesserung der Jugendarbeit investiert würde.

 Rund zwei Drittel der Trainer (64,2 Prozent) besitzen eine Qualifikation, meist die C-Lizenz. (Grafik: DSHS Köln) - Zum Vergrößern bitte in die Grafik klicken.
Rund zwei Drittel der Trainer (64,2 Prozent) besitzen eine Qualifikation, meist die C-Lizenz. (Grafik: DSHS Köln) - Zum Vergrößern bitte in die Grafik klicken.

Beitragserhöhungen um bis zu 40 Prozent ökonomisch lohnenswert

Schließlich stellt sich die Frage einer angemessenen Wertschätzung. Die im Rahmen dieser Studie durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass Beitragserhöhungen um bis zu 40 Prozent ökonomisch lohnenswert wären. Um die Akzeptanz von Beitragsanhebungen unter den Mitgliedern zu gewährleisten, sollten die Mehreinnahmen zweckgebunden eingesetzt und die Beweggründe für die Maßnahmen klar kommuniziert werden. Die Professionalisierung des Kinder- und Jugendfußballs, beispielsweise im Rahmen einer Qualifizierungsoffensive für (ehrenamtliche) Mitarbeiter im Verein, stellt eine mögliche Verwendung potenzieller Mehreinnahmen dar.

Im Rahmen der Studie wurde eine repräsentative Onlinebefragung durchgeführt, an der sich über 17 Prozent der Fußballvereine in NRW beteiligt haben. Hierbei wurde ersichtlich, dass die Vereine im Durchschnitt mehr als 250 Kinder und Jugendliche betreuen. Eine Fußballmannschaft, die aus rund 18 Kindern/Jugendlichen besteht, wird in der Regel von drei Trainern betreut. Rund zwei Drittel der Trainer (64,2 Prozent) besitzen eine Qualifikation, meist die C-Lizenz.

Die Mehrheit der Mannschaften nimmt am Ligabetrieb teil (89,4 Prozent) und trainiert rund zweimal pro Woche. Neben diesem umfangreichen sportlichen Angebot stellen die Fußballvereine ein wichtiges soziales Netzwerk für die Mitglieder dar. So richten Fußballvereine pro Jahr beispielsweise rund vier Veranstaltungen zu geselligen Zwecken aus.

Beitrag für Jugendliche durchschnittlich 7,30 Euro

Eine durchschnittliche Trainingseinheit im Fußballverein kostet die Kinder rund 0,85 Euro. (Grafik: DSHS Köln) - Zum Vergrößern bitte in die Grafik klicken.
Eine durchschnittliche Trainingseinheit im Fußballverein kostet die Kinder rund 0,85 Euro. (Grafik: DSHS Köln) - Zum Vergrößern bitte in die Grafik klicken.

Im Durchschnitt haben Erwachsene in den Fußballvereinen des WDFV im Jahr 2015 einen Mitgliedsbeitrag in Höhe von 7,98 Euro monatlich bezahlt. Kinder zahlten 7,38 Euro und Jugendliche 7,30 Euro. Eine durchschnittliche Trainingseinheit im Fußballverein kostet die Kinder rund 0,85 Euro, wohingegen die Gebühren anderer Akteure um ein Vielfaches höher sind. Insbesondere der Vergleich mit kommerziellen Fußballschulen auf dem Verbandsgebiet des WDFV, welche eine durchschnittliche Gebühr von rund 13 Euro pro Trainingseinheit veranschlagen, verdeutlicht diese Unterschiede. Auch weitere Anbieter wie Musik-, Mal- und Jugendkunstschulen erheben für eine Trainings- bzw. Unterrichtseinheit durchschnittlich das Sechs- bis Zehnfache. Das umfangreiche Leistungsspektrum der Fußballvereine spiegelt sich somit nur teilweise in den Gebühren wider.

Vereinsmitgliedschaft beinhaltet unverzichtbare Leistungen

Eine Empfehlung an die Fußballvereine, ungenutztes Entwicklungspotenzial effektiver zu verwerten, ist die Anhebung der Mitgliedsbeiträge. Der WDFV rät daher den Vereinen, mutiger auftreten und die Beitragsstruktur zu überprüfen. Die zu erwartenden Reaktionen der Mitglieder auf potenzielle Beitragsanpassung wurden im Rahmen der Onlinebefragung von Mitgliedern aus Fußballvereinen im Gebiet des WDFV erfasst. Dabei zeigt sich, dass die Mitglieder Beitragserhöhungen um bis zu 40 Prozent weitgehend akzeptieren würden. Eine Anhebung der Beiträge würde somit trotz zu erwartender Vereinsaustritte eine finanziell lohnenswerte Maßnahme für die Fußballvereine darstellen, da zu erwarten ist, dass die Mitglieder relativ preisunempfindlich reagieren würden.

Insgesamt wäre die Reaktion der Eltern, welche die Mitgliedsbeiträge für ihre im Verein angemeldeten Kinder zahlen, als noch weniger preisempfindlich als die der erwachsenen Vereinsmitglieder einzuschätzen. Die Vereinsmitgliedschaft bietet den Mitgliedern somit Leistungen, auf welche diese nur ungern verzichten. Daher scheinen diese bereit, Beitragssteigerungen unter bestimmten Voraussetzungen zu akzeptieren. Zu diesen Voraussetzungen zählt in erster Linie der zweckmäßige Einsatz der Mehreinnahmen durch die Vereine.

Angesichts der hohen Anzahl an Fußballmannschaften, die von Personen trainiert werden, welche keine formalen Qualifikationen besitzen (33,8 Prozent), könnten mithilfe der zusätzlichen Einnahmen Qualifizierungsmaßnahmen finanziert werden.

Investition in Qualifikation ist Rendite in puncto Mitglieder

Aus anderen Vereinsuntersuchungen ist zudem bekannt, dass sich durch eine systematische Aus-, Fort- und Weiterbildungskonzeption für die (ehrenamtlichen) Mitarbeiter im Verein und auch durch die Übernahme der Fort- und Weiterbildungskosten durch den Verein Mitglieder, aber auch Trainer und andere ehrenamtliche Funktionsträger, besser gewinnen und binden lassen. Überdies gehen mit einer Fokussierung der Aus-, Fort- und Weiterbildung geringere finanzielle Probleme des Vereins einher.

Eine Investition in Bildung würde somit eine Rendite in puncto Mitglieder, Mitarbeiter und Finanzen erzielen. Die Beweggründe für die Maßnahme sollten durch die Vereine deutlich kommuniziert werden, um das Verständnis unter den Mitgliedern zu gewährleisten.

Text: WDFV/DSHS Köln

 

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