Westdeutscher Fussballverband e.V.
Leichtathletik 12.08.2013

Duisburger Zehnkämpfer Schrader holt WM-Silber

Triumph nach Leidenszeit

Feiert WM-Silber: Michael Schrader (Foto: Getty).

Er hat nie aufgegeben und immer an sich geglaubt. Jetzt hat sich das Durchhalten für Michael Schrader ausgezahlt: Mit 8.670 Punkten holte der immer wieder von Verletzungen zurückgeworfene Duisburger in Moskau (Russland) WM-Silber im Zehnkampf. Gold ging an einen überragenden Ashton Eaton (USA; 8.809), Bronze an Damian Warner (Kanada; 8.512).

Schon nach der zweiten Disziplin, dem Weitsprung (7,85 m), hatte sich Michael Schrader auf einen Medaillenrang geschoben. Den gab er bis zum Ende des WM-Zehnkampfs nicht mehr ab.

Mit neuer Bestleistung im Diskuswurf (46,44 m) kletterte er an Tag zwei erstmals auf den Silberrang – der gefiel ihm. 5,00 Meter im Stabhochsprung, eine Speerwurf-Bestleistung von 65,67 Metern und 4:25,38 Minuten über 1.500 Meter bedeuteten in der Endabrechnung 8.670 Punkte – und Rang sechs der ewigen deutschen Bestenliste.

In den Fußstapfen des Ex-Trainers

Michael Schrader ist seit 1997 der erste deutsche Zehnkämpfer auf dem WM-Podest. Vor 16 Jahren hatte Frank Busemann Bronze geholt, vier Jahre zuvor ging ebenfalls Bronze an Paul Meier.

Besser als der 26-Jährige war in der Geschichte des WM-Zehnkampfs nur ein Deutscher: Torsten Voss holte 1987, im Geburtsjahr Michael Schraders, mit 8.680 Punkten WM-Gold. Und hier schließt sich der Kreis. Denn bei Torsten Voss trainierte Schrader, bis er Ende letzten Jahres aufgrund der besseren Bedingungen in die Trainingsgruppe von Wolfgang Kühne nach Halle wechselte.

Platz sieben und elf für Freimuth und Behrenbruch

In Halle trainiert Michael Schrader seitdem mit Rico Freimuth (Hallesche Leichtathletik-Freunde). Und auch der machte einen starken Wettkampf: Mit vier Ergebnissen dicht an seiner Einzel-Bestleistung legte er einen starken zweiten Tag hin und schnupperte nach acht Disziplinen als Dritter der Zwischenwertung sogar an einer Medaille, die er sich im Speerwurf (56,21 m) allerdings wieder verspielte. Am Ende sprang mit neuer Zehnkampf-Bestleistung von 8.382 Punkten Rang sieben heraus.

Für Europameister Pascal Behrenbruch, der am Abend zuvor noch auf die große Aufholjagd gehofft hatte, verlief der zweite Tag dagegen nicht nach Wunsch. Der Frankfurter ließ vor allem im Diskuswurf (45,66 m) und Stabhochsprung (4,70 m) wertvolle Punkte liegen. So gingen für ihn schließlich 8.316 Punkte und Rang elf in die Ergebnislisten ein.

WM-Zehnkampf Tag eins - Von Disziplin zu Disziplin
WM-Zehnkampf Tag zwei - Von Disziplin zu Disziplin


STIMMEN ZUM WETTBEWERB

Michael Schrader (TSV Bayer 04 Leverkusen)
Ich bin überglücklich! Mehr ging nicht. Ich bin in den letzten Jahren immer wieder zurückgeworfen worden durch Verletzungen, nachdem ich gut trainiert hatte. Aber ich liebe den Zehnkampf! Ich habe einfach immer weiter gemacht.

Rico Freimuth (Hallesche Leichtathletik-Freunde)
Ich bin relativ schwer in den Wettkampf reingekommen, dann hatte ich wieder Aufwind. Dass ich zwischenzeitlich auf Bronze-Kurs war, hat mich überrascht. Aber wenn man so Speer wirft wie ich, dann wird das nichts. Ich muss noch zwei bis drei Schwächen ausmerzen. Auch körperlich ging es mir in diesem Jahr nicht wie erhofft. Die Zeit ist noch nicht reif für mich. Aber ich bin Sechster in London geworden, jetzt WM-Siebter. Es war mir wichtig zu zeigen, dass London keine Eintagsfliege war. Auf Micha bin ich mega-stolz. Er ist wie ein Bruder für mich. Nach Ulm habe ich ihm gesagt, er kann 8.600, 8.700 Punkte machen. Ich kenne Micha, mir war klar, dass er eine Medaille holen kann.

Pascal Behrenbruch (LG Eintracht Frankfurt):
8.300 Punkte sind keine Riesen-Blamage. Aber ich habe hier eine Möglichkeit, richtig gut zu sein, so viele davon bekommt man ja nicht, das ist natürlich schon ein Dämpfer. Ich habe heute einfach gemerkt, dass ich platt bin. Vorher habe ich gesagt, ein Deutscher macht eine Medaille. Jetzt hat’s Micha geschafft. Im letzten Jahr war ich erfolgreich. Für mich selbst bin ich enttäuscht, aber für den deutschen Zehnkampf sehe ich es positiv. Der wird in Deutschland kaum wahrgenommen neben dem Fußball. Ich hoffe, dass der Zehnkampf jetzt in Deutschland Trend wird.

Quelle: DLV/leichtathletik.de

Spielberechtigungen Regionalliga West