Westdeutscher Fussballverband e.V.
Regionalliga West 19.07.2013

Uerdinger Kuriositäten:
Spieler-Auktionen und ein eingewechselter Boss

Neu in der Regionalliga

Im Grotenburg-stadion ist immer einiges los. (Foto: WFLV/Leroi)

«Drei, zwei, eins ... KFC Uerdingen»! Der ehemalige Bundesligist sorgt mit Internetauktionen und weiteren kuriosen Aktionen seit Jahren für Aufmerksamkeit. Präsident Kourkoudialos, der einst Ailton holte, ließ sich schon selbst einwechseln.

   Agissilaos Kourkoudialos hatte sein Trikot beim Trainingsauftakt der Regionalliga-Fußballer des KFC Uerdingen im Schrank lassen. «Eigentlich habe ich meine aktive Laufbahn beendet, aber wenn der Trainer mich braucht, stehe ich natürlich bereit», sagte der Präsident und Geldgeber des Krefelder Vereins. Ihm war der Spaß bei diesen Worten anzusehen.

   Der 47 Jahre alte Immobilienunternehmer hatte sich erst zum Abschluss der zurückliegenden Aufstiegssaison einen «Kindheitstraum» erfüllt. Getreu dem Motto «Wer die Musik bezahlt, bestimmt auch, was gespielt wird», ließ sich Kourkoudialos im Oberligamatch gegen Germania Ratingen in der 76. Minute einwechseln.

   Ärgern musste er sich nur über seinen verschossenen Elfmeter kurz vor dem Abpfiff. Gefeiert wurde der Grieche von den 2000 Zuschauern beim 2:0-Sieg dennoch. «Es hat unglaublich viel Spaß gemacht», erzählte Kourkoudialos. Bei den Uerdinger Fans hat der als «verrückter Präsident» geltende Boss längst Kultcharakter.

   Er verstand die von ihm forcierte Einwechslung, für die er eigens einen Spielerpass beantragt hatte, als kleine Belohnung für sein jahrelanges finanzielles Engagement. Wer in den KFC Uerdingen investiert, bekommt eben etwas für sein Geld. Dazu reichen auch geringere Beträge. Die Liste der kuriosen Aktionen, mit denen der ehemalige Bundesligist zuletzt für mediale Aufmerksamkeit sorgte, ist lang. Ihre jüngste Saisonabschlusstour nach Mallorca finanzierten sich die Krefelder Spieler durch «Selbstversteigerungen».

   Per Internetauktion boten sich 13 Teammitglieder für Aufgaben wie Gartenarbeit und Autowaschen feil. Kapitän Kosi Saka, der für Borussia Dortmund elfmal in der Bundesliga spielte, erzählte in einer Kneipe mehr als 200 Witze. Dafür gab's 400 Euro für die Kasse. Keeper Sascha Samulewitz wurde als Putzkraft und Babysitter ersteigert. Torjäger Issa Issa leitete für 250 Euro ein Jugendtraining.

   Internetauktionen haben beim KFC eine gewisse Tradition. Für 2688,05 Euro ersteigerte sich der Versicherungskaufmann Markus Oellers im Sommer 2005 einen Kaderplatz für eine ganze Saison. Oellers holte sich im Training Blasen an den Füßen und wurde beim Saisonhöhepunkt, dem Freundschaftsspiel gegen Bayern München, für vier Minuten und drei Ballkontakte eingewechselt. Als Trophäe sicherte er sich das Trikot von Mehmet Scholl.

   Im Januar 2008, als der KFC kurz vor der Insolvenz stand, kam sogar der Trainerposten unter den Hammer. Ein Unternehmer investierte 4110 Euro, um für das «Rettungsspiel» gegen Oberhausen den damaligen KFC-Coach Aleksandar Ristic abzulösen. Ristic machte den Assistenten, nach dem Abpfiff wurde dem Ersteigerer absprachegemäß «gekündigt».

   Dann übernahm Kourkoudialos den Vorsitz und rührte die Werbetrommel. Ein spektakulärer Coup war 2010 die Verpflichtung des früheren Bundesligastars Ailton für Spiele in der 6. Liga. Sportlich war das Engagement zwar ein Flop, doch dafür wurden rund 800 Trikots mit dem Namenszug des Brasilianers verkauft, die Uerdinger hatten mehr Schlagzeilen als bei ihrem DFB-Pokalsieg 1985.

   «Ich bin mit Herz für diesen Club bei der Sache», sagte Kourkoudialos, Er plant, die Uerdinger binnen der kommenden Jahre in den Profifußball zurückführen. Eine erneute Einwechslung des Geldgebers dürfte dann nicht ausgeschlossen sein - wenn der Trainer ihn braucht.

Von Roland Leroi, WFLV

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