Westdeutscher Fussballverband e.V.
Regionalliga West 15.08.2012

Viktoria-Trainer Scholz:
"Fußball bedeutet pure Lebensfreude"

Viktoria Trainer Scholz

Der Kölner Sportpark Höhenberg wird auch Flughafenstadion genannt. Der Name passt zur Philosophie des FC Viktoria Köln, der als Aufsteiger nach drei Spieltagen mit optimalen neun Punkten Tabellenführer in der neuen Regionalliga West ist. Denn der erst im Juni 2010 neu gegründete Verein, der damals die NRW-Liga-Lizenz des Aufsteigers FC Junkersdorf übernommen hatte, will im Eiltempo zum Höhenflug in Richtung Profifußball ansetzen.

Den Durchmarsch in die neue vierthöchste Spielklasse hatte die Mannschaft von Trainer und Ex-Nationalspieler Heiko Scholz (46) mit einem Tore- (102) und einem Punkte-Rekord (79) geschafft. Jetzt setzt die Viktoria als Neuling schon wieder zu Höhenflügen an. Zumindest nach den ersten Spieltagen haben die Kölner alle wichtigen Rekorde inne. Die meisten Punkte (neun), die meisten Tore (acht), die wenigsten Gegentreffer (einer). Am Samstag (ab 14 Uhr) steht die Serie auf dem Prüfstand. Im Flughafenstadion ist die Reserve des FC Schalke 04 zu Gast, die ebenfalls neun Zähler aufweist.

Die Viktoria-Mannschaft ist allerdings auch - besonders dank des Engagements von Mäzen Franz-Josef Wernze - gespickt mit erfahrenen und routinierten Spielern. Zu den Stars bei den Kölnern und in der gesamten Liga zählen unter anderem der ehemalige Zweitligaprofi Mike Wunderlich (FSV Frankfurt) sowie der erstligaerfahrene Zugang Alexander Voigt (vom FC Carl Zeiss Jena, früher 1. FC Köln). Im Interview spricht der Journalist Thomas Ziehn mit Viktoria-Trainer Heiko Scholz über die neue Liga und den Erfolg.

Herr Scholz, die Viktoria ist schon wieder Tabellenführer. Wie fällt Ihr Fazit nach drei Spieltagen aus?

Heiko Scholz: Wir sind gut angekommen - mehr allerdings auch nicht. Für alle drei Siege gilt, dass es ganz bestimmt keine Selbstläufer waren. Wir mussten sehr hart für den Erfolg arbeiten. Insgesamt haben schon die ersten Spieltage gezeigt, dass es eine enorm spannende Saison wird. Ich gehe davon aus, dass es keiner Mannschaft gelingen wird, sich deutlich abzusetzen. Die Formel lautet: Auswärts punkten und zu Hause gewinnen. Dann bleibt man oben. Wir sind sehr froh, auswärts schon zweimal gewonnen zu haben.

Wo liegen die Gründe dafür, dass es auch in der Regionalliga gleich so gut läuft?

Scholz: Unsere Zugänge passen allesamt optimal in unser Konzept und in die Mannschaft. Ihr Charakter ist einwandfrei. In allen Spielen war ich auch mit meinen Einwechselspielern sehr zufrieden. Sie haben das abgerufen, was ich von ihnen erwarte. Das zeigt, dass sie nicht sauer sind, wenn sie auf der Bank sitzen müssen. Einen Stinkstiefel kann keine Mannschaft gebrauchen. Im Training sind meine Spieler täglich voll bei der Sache.

Bei der Trainerumfrage vor der Saison hatten der Viktoria immerhin zehn Trainer den Durchmarsch in die 3. Liga zugetraut. Ist das schon realistisch?

Scholz: Das Ziel des Vereins ist es, langfristig in Köln die zweite Kraft hinter dem 1. FC Köln zu werden. Wir spielen nun mit Fortuna Köln und der Kölner Reserve in einer Liga, sind unserem Ziel also schon ein gutes Stück näher gekommen. Ich denke nicht, dass ein erneuter Aufstieg schon jetzt realistisch ist. Wir haben zwar Spieler mit Erfahrung in höheren Ligen geholt. Vielen fehlte allerdings weitgehend die Wettkampfpraxis. Außerdem ist es nicht möglich, die Viktoria sportlich permanent auf der Überholspur zu halten, ohne dass das Umfeld mitwächst.

Jetzt wäre ein Jahr Zeit, um den Verein zu entwickeln.

Scholz: Das werden wir auch tun. Aus sportlicher Sicht geben wir uns dennoch keinen Träumereien hin. Es sind schließlich gerade einmal drei Spieltage vorbei und die Tabelle zeigt eine Momentaufnahme. Klar ist, dass wir unseren Lauf so lange wie möglich halten wollen. Ich gehe aber nicht davon aus, dass wir - wie in der Vorsaison - zehnmal hintereinander gewinnen werden. Sollte am Ende tatsächlich eine Platzierung zwischen Rang eins und fünf herausspringen, dann wäre das absolut überragend.

Welchen Anteil hat der Trainer am Erfolg der Viktoria?

Scholz: Das ist für mich unwichtig. Entscheidend ist, dass ich jeden Tag mit Freude und Spaß zur Arbeit fahre. Das hat mit Erfolg nicht so viel zu tun. Wenn die Mannschaft charakterlich einwandfrei ist und prima mitzieht, bin ich zufrieden - und genau das ist der Fall.

Sie hatten mit Alexander Voigt vom Drittligisten FC Carl Zeiss Jena einen weiteren Spieler mit viel Erfahrung verpflichtet. Was versprechen Sie sich von ihm?

Scholz: Bisher sind wir sehr zufrieden. Trotz seiner 34 Jahre ist Alexander Voigt körperlich in Topform. Auf dem Platz ist er gemeinsam mit Mike Wunderlich mein verlängerter Arm. Ich bin sicher, dass wir noch viel Spaß an Alex haben werden.

"Wer hoch steigt, kann tief fallen", lautet ein Sprichwort. Haben sie manchmal Angst davor?

Scholz: Niemals! Wer im Fußball vor irgendetwas Angst hat, kann direkt zu Hause bleiben. Ich bin nun schon mehrere Jahrzehnte im Geschäft: Ich mag diesen herrlichen Druck im Fußball. Es gibt für mich keinen schöneren Beruf. Er bedeutet für mich pure Lebensfreude.

Welche persönlichen Ziele verfolgen Sie als Trainer? Mit 46 Jahren haben Sie einen Großteil Ihrer Laufbahn schließlich noch vor sich.

Scholz: Ich war ja schon einmal ganz oben. Interimsweise hatte ich den MSV Duisburg in der Bundesliga betreut. Da habe ich gemerkt, dass ich es kann. Ich musste dann aber doch einen anderen Weg einschlagen, mit dem ich bisher sehr zufrieden bin. Selbstverständlich ist die Bundesliga irgendwann einmal ein Ziel. Doch ich bin Realist: Bei mir wird niemals der FC Bayern München anklopfen. Vielleicht gelingt ja zunächst einmal der Aufstieg mit der Viktoria in die 3. Liga.

Am Samstag steht das Spitzenduell in der Regionalliga West gegen die Reserve des FC Schalke 04 an. Was erwarten Sie von dieser Partie?

Scholz: Ich hoffe, sie verläuft für uns erfolgreich. Alle zweiten Mannschaften verfügen über überragende Fußballer. Es ist entscheidend, mit Männerfußball dagegen zu halten. Wenn wir es schaffen, hinten gut zu stehen, haben wir gute Chancen. Denn vorne sind wir jederzeit für ein bis zwei Tore gut.

 
Quelle: DFB

Spielberechtigungen Regionalliga West