Westdeutscher Fussballverband e.V.
Regionalliga West 07.01.2013

"Volle Lotte": Gataric-Zwillinge
sind die Erfolgsgaranten des Spitzenreiters

Regionalliga-Interview

Froh, wieder vereint zu sein: Dalibor (l.) und Danijel Gataric von den Sportfreunden Lotte (Foto: Mrugalla).

Dalibor Gataric trägt an diesem Tag einen blauen Pullover, Danijel einen grauen. Das ist deshalb gut und wichtig, weil man sie sonst kaum auseinander halten könnte. Denn die beiden 26-Jährigen sind das einzige eineiige Zwillingspaar der Regionalliga West.

Seit dieser Saison sind sie wieder vereint. Dalibor Gataric steht bereits seit drei Jahren bei den Sportfreunden Lotte unter Vertrag. Danijel ist vor sechs Monaten zur Mannschaft von Trainer Maik Walpurgis gewechselt. Und gemeinsam haben sie entscheidenden Anteil daran, dass Lotte während der Weihnachtspause auf dem ersten Tabellenplatz steht.

Dalibor ist mit acht Toren der beste Angreifer seines Vereins. Und Danijel ist ein Garant dafür, dass Lotte erst 19 Gegentreffer kassiert hat und damit eine der besten Abwehrreihen stellt. Im Gespräch mit Sven Winterschladen von dfb.de in ihrer Wohnung in Oberhausen reden die Zwillinge über die Möglichkeit des Aufstiegs, über die Zeit ihrer Trennung und wie sie gegnerische Spieler dank ihrer Ähnlichkeit täuschen können.

DFB.de: Seit Sommer 2012 sind Sie wieder vereint bei den Sportfreunden Lotte. Wie schwer war die Trennung über all die Jahre?

Dalibor Gataric: Wir haben uns Anfang 2010 erstmals so richtig getrennt. Da ist Danijel von Wormatia Worms nach Kassel gewechselt, ich nach Lotte. Vorher haben wir eigentlich fast immer überall zusammen gespielt. Das fing ja schon mit dem Spaziergang mit unserem Vater an, als wir sechs Jahre alt waren. Da sind wir an einem Fußballplatz vorbeigekommen. Unser Vater hat uns gefragt, ob wir da nicht mal mitspielen wollen. Ich kann mich nicht genau erinnern. Aber so muss es begonnen haben.

Danijel Gataric: Ich weiß es noch ganz genau, und so war es.

Dalibor Gataric: Wir haben also zunächst immer gemeinsam gespielt. In Buschhausen haben wir angefangen. Danach ging es zusammen zum MSV Duisburg, zu Rot-Weiß Oberhausen, zum 1. FC Köln, zu FSV Oggersheim und eben zu Wormatia Worms. Sicherlich macht man sich seine Gedanken, wenn dann plötzlich eine Trennung ansteht. Es war bestimmt kein einfacher Schritt. Wir haben viel darüber gesprochen. Oder wie hast du das erlebt?

Danijel Gataric: Es war im Dezember 2009, Januar 2010. In Worms gab es damals eine Tendenz, dass sich der Verein in die Oberliga zurückziehen will. Aber wir haben von Anfang klar gemacht, dass das für uns kein Thema ist. Wir wollten mindestens Regionalliga spielen. Also haben wir waren gemeinsam ein Probetraining in Lotte gemacht. Damals haben die einen Abwehrspieler gesucht. Kurioserweise war zu jener Zeit Dalibor noch Defensivspieler und ich Angreifer. Deshalb haben sie sich für ihn entschieden. Ich bin dann nach Kassel gewechselt.

Dalibor Gataric: Heute ist es genau anders herum. Ich spiele vorne, Danijel in der Verteidigung. Das hat sich einmal komplett gedreht.

DFB.de: Wie war die Zeit der Trennung?

Dalibor Gataric: Wir wussten, dass das irgendwann auf uns zukommt. In diesem Beruf kann man nicht damit planen, dass wir immer beim gleichen Verein unter Vertrag stehen werden. Das klappt auf diesem Niveau nicht mehr.

Danijel Gataric: Wir waren darauf eingestellt. Natürlich mussten wir uns erst umstellen. Aber letztlich haben wir es ganz gut hinbekommen. Zumindest ist das meine Einschätzung. Wie siehst du es?

Dalibor Gataric: Ja, das war in Ordnung. Denn unser Kontakt war trotz allem noch sehr eng. Ich glaube, wir haben jeden Tag mindestens einmal telefoniert und uns gegenseitig so oft wie möglich besucht.

DFB.de: Ist es so, dass Sie trotzdem im Doppelpack am stärksten sind?

Dalibor Gataric: Wir hängen sehr eng zusammen. Natürlich ist es für uns schön, wenn der Zwillingsbruder in der Nähe ist. Dass wir aber nur gemeinsam stark sind, glaube ich nicht. Gerade auf dem Fußballplatz können wir auch einzeln überzeugen.

DFB.de: Wieso dann doch wieder die Zusammenführung in diesem Sommer?

Danijel Gataric: Durch Dalibor hatte ich stets einen sehr guten Draht nach Lotte. Ich wusste ganz genau, was da passiert. Ich kannte viele Spieler und den Trainer auch. Im Frühjahr kam dann eine Anfrage von den Sportfreunden. Ein ambitionierter Regionalligist, ein guter Trainer, ein attraktives Angebot, der Bruder vor Ort – besser hätte es nicht kommen können. Ich musste nicht lange überlegen.

DFB.de: Konnten Sie nach zweieinhalb Jahren Trennung bei Ihrem Bruder Dalibor eine Entwicklung erkennen?

Danijel Gataric: Auf jeden Fall. Dalibor ist extrem ruhig am Ball geworden. Außerdem hat er sich eine unglaubliche Zielstrebigkeit angeeignet, unbedingt Tore schießen zu wollen. Technisch sehr stark war er sowieso schon immer. Ich war im Sommer erstaunt, wie gut er geworden ist.

Dalibor Gataric: Ich denke schon, dass das im Erwachsenenbereich meine beste Hinserie war. Mit acht Toren und noch einigen Vorlagen kann man zufrieden sein.

Danijel Gataric: Aber dein Weg in Lotte war ja schon kurios. Erzähl doch mal!

Dalibor Gataric: Sie haben mich damals als Außenverteidiger verpflichtet. Irgendwann hat sich herausgestellt, dass das nicht meine Position ist. Dieses Gefühl hatte ich schon länger. Dann habe ich eineinhalb Jahre im defensiven Mittelfeld gespielt. Inzwischen bin ich noch weiter nach vorne gekommen. Jetzt fühle ich mich links auf der Außenbahn richtig wohl.

Danijel Gataric: Ich habe genau den anderen Weg eingeschlagen: Früher war ich Stürmer, heute bin ich Verteidiger. Irgendwann haben sich unsere Wege also gekreuzt.

Dalibor Gataric: Ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich als Angreifer nur im Training gegen meinen Bruder spielen muss. Er hat sich körperlich sehr entwickelt. Man sieht im deutlich an, dass er in der vergangenen Saison Stammspieler in der 3. Liga war. Da geht es noch einmal anders zur Sache. Diese Erfahrung macht ihn wirklich stark.

DFB.de: Sind Sie in einem Pflichtspiel auch schon mal aufeinander getroffen?

Danijel Gataric: Nein, noch nie. Zwar hatten wir zu meiner Zeit in Oberhausen mal ein Testspiel gegen Lotte. Aber Dalibor hat vor der Pause gespielt, ich bin erst nach dem Wechsel in die Begegnung gekommen. Wir sind uns also sozusagen aus dem Weg gegangen.

DFB.de: Wie ist das eigentlich für die Mitspieler, wenn plötzlich Zwillinge im Kader stehen? Werden Sie häufig verwechselt?

Dalibor Gataric: Mittlerweile geht es. Im Sommer fand ein Umbruch im Kader statt, da sind viele neue Spieler gekommen. Das war es anfangs schon etwas schwierig. Aber das ist üblich so. Wer uns das erste Mal sieht, wird kaum einen Unterschied erkennen. Das kommt erst mit der Zeit.

Danijel Gataric: Dalibor hat ein schmaleres Gesicht. Unsere Nasen sehen etwas verschieden aus.

Dalibor Gataric: Aber auch am Verhalten und der Sprache kann man uns auseinander halten. Außerdem bin ich ja meist im gegnerischen Strafraum unterwegs. Danijel verteidigt unser eigenes Tor.

DFB.de: Für die Gegner dürfte es noch schwerer sein. Kann man daraus vielleicht sogar einen Vorteil ziehen?

Danijel Gataric: Naja, in der Regionalliga ist das nicht mehr so einfach. Da sind wir inzwischen doch schon relativ bekannt. Natürlich gibt es da immer wieder mal das eine oder andere erstaunte Gesicht.

Dalibor Gataric: Neulich hatte ich dafür wieder ein sehr lustiges Beispiel. Da hat mich doch tatsächlich ein Gegenspieler nach einem Torschuss gefragt, wie es denn sein könne, dass ich gerade noch am eigenen Strafraum verteidigt habe. Aber das ist wirklich eher selten der Fall.

DFB.de: Was ist möglich mit Lotte? Sie überwintern auf dem ersten Platz?

Dalibor Gataric: Der Aufstieg ist ein kompliziertes Thema. In der Regionalliga West gibt es viele ambitionierte Teams. Außerdem muss der Meister sich auch noch in Relegationsspielen gegen einen Verein aus einer anderen Staffel durchsetzen. Das ist also ein steiniger Weg. Ich spiele jetzt meine vierte Saison in Lotte. Dreimal sind wir Zweiter geworden, haben den Aufstieg teilweise sehr knapp verpasst. Irgendwann sind wir hier auch mal dran, wir haben es langsam verdient. Aber es wird ganz, ganz eng. Bis ganz zum Schluss.

Lotte überwintert auf der Pole-Position -
RW Essen hält Kontakt zur Spitzengruppe

21. Regionalliga-Spieltag

Lotte überwintert als Spitzenreiter (Foto: Mrugalla)

Rot-Weiss Essen hat in der Regionalliga West den Kontakt zur Tabellen-Spitzengruppe gehalten. Zum Abschluss des 21. Spieltags setzte sich der Traditionsclub am Sonntag mit 4:2 bei der SSVg Velbert durch und konnte mit nun 42 Punkten den fünften Platz festigen. Als Spitzenreiter gehen allerdings die Sportfreunde Lotte (44 Punkte) in die Winterpause. Die Mannschaft verabschiedete sich einem 1:0-Erfolg gegen die U 23 des 1. FC Köln in die Winterpause. Ebenfalls 44 Punkte hat der Nachwuchs von Schalke 04 nach einem 2:1 gegen RW Oberhausen.

Die Statistik zum Spieltag finden Sie hier!

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"Herbstmeister" Fortuna Köln (42) musste sich kurz vor der Winterpause mit einem 1:1 gegen den Wuppertaler SV begnügen und rutschte auf den vierten Platz. Die Fortuna hat allerdings ebenso wie der drittplatzierte Lokalrivale Viktoria Köln (43) ein Spiel weniger als Lotte und Schalke ausgetragen.

Der SC Wiedenbrück konnte sich mit einem 2:0-Sieg beim FC Kray von der Abstiegszone distanzieren. Der SV Bergisch Gladbach kassierte beim 0:6 gegen die U 23 von Borussia Mönchengladbach einen Rückschlag. Die Saison wird am 1. Februar 2013 mit dem 22. Spieltag fortgesetzt. Die ausstehenden Nachholspiele sind noch nicht terminiert.

Herbe Enttäuschung für Kray

Mit einer herben Enttäuschung endete das erfolgreiche Fußballjahr 2012 somit für den FC Kray. Gegen den SC Wiedenbrück kassierte der Regionalliga-Aufsteiger eine 0:2-Heimschlappe und überwintert auf Platz 18. Ausschlaggebend für die Niederlage war neben katastrophalen Fehlern im zentralen Mittelfeld auch ein von Georgios Ketsatis verschossener Foulelfmeter.

Viel Frust für Kray-Coach Dirk Wißel.

Eigentlich hatten sich die Krayer einiges vorgenommen. Mit einem Sieg im letzten Heimspiel des Jahres wollten sie auf 20 Punkte kommen und sich eine ordentliche Ausgangsposition für den Kampf um den Klassenerhalt verschaffen. Dreieinhalb Minuten nach dem Anpfiff lagen die Gastgeber jedoch schon in Rückstand. Nach einem Fehler von Ilias Elouriachi im Mittelfeld steuerte Wiedenbrücks Spielmacher Zlatko Muhovic plötzlich mutterseelenallein aufs Krayer Tor zu und ließ dem von seinen Rückenproblemen befreiten Omar Allouche keine Chance. „Wenn man sich so leichte Fehler im Aufbau erlaubt, dann darf man sich nicht wundern, wenn es nach drei Minuten 0:1 steht“, ärgerte sich Trainer Dirk Wißel hinterher.

Die Krayer zeigten sich allerdings wenig geschockt und hatten durch Philipp Schmidt (6.) und Kevin Barra (12.) gleich zwei gute Möglichkeiten. Beide Male reagierte Wiedenbrücks Torwart Marcel Hölscher allerdings glänzend. Die größte Chance zum Ausgleich vergab indes Georgios Ketsatis. Nachdem Hölscher Timur Karagülmez im Strafraum festgehalten hatte, trat der Krayer Linksverteidiger zum fälligen Strafstoß an – und jagte das Leder zwei Meter übers Tor.

Eine Minute vor der Pause pfiff der Schiedsrichter dann auf der anderen Seite Elfmeter. Nachdem Kapitän Kevin Barra leichtfertig einen Ball vertändelt hatte, brachte Hussein Allouche den durchstartenden Zlatko Muhovic regelwidrig zu Fall. Soner Dayangan nahm das Geschenk dankbar an und verwandelte sicher zum 0:2.

Dirk Wißel reagierte zur Pause auf die Defensivschwächen und nahm seine beiden „Sechser“ Kevin Barra und Ricardo Zweck vom Feld. Ihre Vertreter Dominik Immanuel und Ioannis Ketsatis konnten dem Krayer Spiel allerdings keine neuen Impulse geben. Der Aufsteiger wirkte müde, Torchancen blieben Mangelware. „In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel kontrolliert und wenig zugelassen“, freute sich Wiedenbrücks Trainer Theo Schneider über den vierten Sieg im fünften Spiel in Folge ohne Niederlage. Sein Kollege Dirk Wißel war weniger begeistert: „Engagement und Wille sind vorhanden. Doch es ist schlecht, wenn man denselben Fehler fünf- bis sechsmal macht.“

Jubel bei RW Essen

RW Essen in der Erfolgsspur

Rot-Weiss Essen bleibt zur Winterpause auf Schlagdistanz zur Tabellenspitze in der Regionalliga West. Zum Abschluss des 21. Spieltages setzte sich die Mannschaft von RWE-Trainer Waldemar Wrobel beim Aufsteiger SSVg. Velbert 4:2 (3:0) durch. Als Tabellenfünfter weisen die Essener zwei Punkte Rückstand zum Spitzenreiter Sportfreunde Lotte auf.

In Velbert legten die Rot-Weissen mit einem Blitzstart in der Anfangsviertelstunde den Grundstein zum zwölften Saisonsieg. Bereits nach 13 Minuten führte RWE durch die Tore von Kevin Pires-Rodrigues (3.), Benedikt Koep (9., Foulelfmeter) und Kerim Avci (13.), der Velberts Torhüter Manuel Lenz mit einem sehenswerten Lupfer überwinden konnte, 3:0.

Nach der Pause gelang RWE-Mittelfeldspieler Kerim Avci (66.) sein zweiter Treffer. Die Mannschaft von SSVg-Trainer Lars Leese konnte durch einen vom ehemaligen Essener Markus Kaya (56.) verwandelten Foulelfmeter und einem Tor des eingewechselten Jeffrey Tumanan (72.) zweimal verkürzen.

„Die ersten 20 Minuten waren große Klasse“, so RWE-Trainer Waldemar Wrobel. „In der zweiten Halbzeit fehlte uns etwas die Galligkeit. Wir hätten unsere Konter noch besser ausspielen können.“ Velberts Trainer Lars Leese war enttäuscht: „Die Anfangsphase war ein Albtraum für uns. Wir haben überhaupt keinen Zugriff bekommen. Das RWE fast doppelt so viele Punkte hat wie wir, kommt nicht von ungefähr.“ Quelle: WFLV/Leroi/DFB

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