Westdeutscher Fussballverband e.V.
Bewegt älter werden 20.08.2014

Bewegt ÄLTER werden – am Ball bleiben!

WFLV-Aktion

Die Workshop-Methode „World Café“ bietet ausgezeichnete Kommunikationsmöglichkeiten.

Der Fußball stand eindeutig im Mittelpunkt, als sich F+B Vertreter der drei Fußball-Landesverbände und des Regionalverbandes WFLV nunmehr zum Workshop „Bewegt ÄLTER werden!“ in Duisburg trafen. Dieser Workshop lief im LSB Programm „Bewegt ÄLTER werden in NRW! und wird von LSB und dem Land NRW gefördert.

Moderator Holger Vetter aus Oerlinghausen hatte sich penibel auf seine Aufgabe vorbereitet. So führte er in der Woche vor der Zusammenkunft telefonische Dialog-Interviews mit einzelnen Teilnehmern des Workshops. Neben Fragen zur allgemeinen Situation im Bereich „Sport für Ältere“ wurden auch konkrete Hindernisse und Hemmschuhe abgefragt. „In vielen Köpfen existiert immer noch der Gedanke, Fußballspielen heißt 11 gegen 11, über 90 Minuten und großes Spielfeld.

Dabei sind im Fußball doch so viele Varianten möglich, die sich wunderbar dem Alter oder dem Leistungsvermögen einer Fußballgruppe anpassen lassen“, meinte Uli Clemens, F+B Vertreter aus Westfalen. Hier gelte es, Umdenkungsprozesse einzuleiten und neue Schwerpunkte zu setzen.

Reger Austausch zum Thema „Seniorenfußball“.

„Wenn die Fußballspieler älter werden, stehen doch ganz andere Dinge im Mittelpunkt des Interesses. OK, gewinnen wollen immer noch alle, aber für viele bekommt der soziale Aspekt eine ganz besondere Bedeutung. Denn beim Übergang vom Berufsleben ins Rentner-Dasein, zum Beispiel, kann der wöchentlich Kick mit Gleichaltrigen eine tatsächlich sinngebende Rolle spielen, “ berichtete Georg Lörcks, F+B Ausschussvorsitzender beim Fußballverband Niederrhein, aus seinen Erfahrungen mit der älteren Klientel. Aktive und ehemalige Spieler seien das größte Potential, denn diese brauche man nicht mehr von der Faszination „Fußball“ zu überzeugen.

„Alles richtig“ - bestätigt Wolfgang Schwehm, pädagogischer Leiter des Bildungswerks/Qualifizierungszentrum WFLV und möchte noch mehr! Er glaubt an einen zusätzlichen Interessenten-Strang des Fußballs, den es schon lange gibt, den der Vereinsfußball aber bisher kaum wahrgenommen hat und den man bewerben und benennen muss: Vielleicht mit Spaß-Fußball oder Fun-Fußball.
Er soll die Menschen ansprechen, die in ihrer Jugend vielleicht nicht Fußball gespielt haben und nicht aus dem Wettkampf-Fußball kommen, sondern leidenschaftlich dem Fußball zugewandt sind und rein aus Spaß spielen oder spielen lernen möchten. Darin sieht der hauptberufliche Organisator von bis zu 500 Lehrveranstaltungen pro Jahr (in seinem Team um Außenstellenleiter Jürgen Kreyer) eine gute Chance, neue Vereinsmitglieder im Freizeit- und Breitensport zu gewinnen.

Das könne der weit verbreiteten Ämterhäufung entgegenwirken, der Erschließung neuer Kompetenzen für den Verein dienlich sein und durch das Generieren neuer Mitgliedsbeiträge sogar positiv auf den Wettkampfsport zurück-wirken. Auch die inhaltliche Qualifizierung interessierter Vereine, eben Zielgruppenangebote dieser Art, würde die Weiterbildungseinrichtung des Fußballs organisieren und durchführen können.

Heinz-Bernd Freund präsentiert stolz seine Siegener Ü60 Kreisauswahl.

Doch neue Ideen erfordern spezifische Kümmerer, engagierte Menschen, die sich der Sache verschrieben haben und konstant an ihr arbeiten. So wie Heinz-Bernd Freund, Manager der Ü60-Kreisauswahl Siegen-Wittgenstein, der innerhalb von drei Jahren eine Ü60 Trainingsgruppe mit knapp 50 Spielern aufgebaut hat. Seine Ideen und Aktivitäten verdeutlichte er den Workshop-Teilnehmern mit Hilfe einer PowerPointPräsentation: Die Erfahrung zeigt (und nicht nur dort), dass die Zielgruppe der Fußball spielenden Senioren mit dem Alter verständlicherweise immer mehr abnimmt. Einzelne Vereine haben gar nicht mehr ausreichend Mitglieder in dem Alter, um eine Mannschaft auf die Beine zu stellen. Da bietet es sich an, diese Gruppierung auf die Kreisebene auszuweiten. Durch persönliche Gespräche mit potentiellen Kandidaten schaffte es Heinz-Bernd Freund, eine hochmotivierte Trainingsgruppe zusammenzustellen. Als er 2011 begann, hatte er nach wenigen Monaten 16 Spieler aus 14 Vereinen zusammengetrommelt, 2014 - also drei Jahre später - waren es bereits 45 Spieler aus 22 Vereinen – ein Ende ist nicht abzusehen!

Im Rahmen von offenen Trainingsterminen treffen sich die Oldie-Kicker 1-2 mal pro Woche, der jüngste Spieler ist Jahrgang 1954, der älteste 1937!!! Die Ü60 Kreisauswahl Siegen wird inzwischen auch immer häufiger genannt, wenn es um Best Practice Beispiele im Fußball der Älteren geht. Soziale Herkunft spielt bei diesen Treffs überhaupt keine Rolle, quer durch alle Schichten läuft das Spektrum der Freizeitkicker. „Freitagmorgens ruhen in Freudenberg die Amtsgeschäfte“, verrät Heinz-Bernd Freund mit einem Augenzwinkern, „denn dann spielt der Bürgermeister in unserer Ü60-Truppe mit!“
Und jetzt freuen sich die Alten Herren aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein auf die Westdeutschen Ü60-Meisterschaften, die am 30.08.2014 in Duisburg stattfinden, denn – gewinnen wollen sie immer noch!

Mit diesem lebhaften Farbtupfer konnte Holger Vetter einen überaus produktiven Workshop beschließen. Die Teilnehmer bestätigten in der Abschlussrunde ihre Zufriedenheit mit den Ergebnissen und wünschten sich eine Fortsetzung des Themas.

Text und Fotos: Rainer Engler/WFLV

Spielberechtigungen Regionalliga West