Westdeutscher Fussballverband e.V.
Leichtathletik 30.04.2015
Auf dem Podium (v.l.): Michael Blomeier (VLA FLVW), Hans-Joachim Scheer (Geschäftsführer LVN), Anja Wolf-Blanke (Vize-Präsidentin DLV), Michael Brinkmann (Vorsitzender Münster-Marathon), Martin Masjosthusmann (Pressewart LG Burg Wiedenbrück) und Detlev Ackermann (Laufwart LVN) hören die Begrüßung von Hermann Korfmacher. (Foto: Nicole Gdawietz)

Thema Laufgebühr: „Es wird
noch mal darüber gesprochen“

Gute Ideen bei der Podiumsdiskussion der NRW-Leichtathletikverbände

Gute Gespräche in Duisburg: Anja Wolf-Blanke und Hermann Korfmacher.

Im Zuge der Informationstagung der NRW-Leichtathletikverbände zum Diskussionspunkt "DLV-Laufgebühr" wurde eine Ad hoc-Kommission gegründet, die diese Thematik weiter vertiefen soll.

Kontrovers und ergebnisoffen wurde auf der Informationstagung zum Thema "DLV-Laufgebühr" diskutiert. Auf Initiative des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes (WFLV) und gemeinsam mit dem Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) und dem Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) wurde am 29. April 2015 im Duisburger Sportpark ein ganz offensichtlich dringend erwartetes Forum geboten. Rund 60 Interessierte hatten die Gelegenheit der Tagung zum Zuhören und zum Austausch genutzt.

„Es war ein lehrreicher Abend“, stellte WFLV-Präsident Hermann Korfmacher als Gastgeber nach der Veranstaltung fest. Knapp zwei Stunden hatten sich die zumeist aus der Laufszene stammenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer über das Thema „DLV-Laufgebühr“ – die offiziell als Genehmigungsgebühr bezeichnet wird - auseinandergesetzt und dabei einige Informationen erhalten sowie Ideen für die künftige Herangehensweise erörtert.

Um den Dialog bemüht (v.l.): Michael Brinkmann, Martin Masjosthusmann und WFLV-Vizepräsident Franz Josef Probst.

Zum Hintergrund: Der Verbandsrat des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) hatte im Sommer 2014 eine bundeseinheitliche Gebühr für Finisher bei Volks- und Straßenläufen von 1 Euro mit Wirkung zum 1.1.2016 beschlossen. Damit wird das Gebührenwesen im Laufbereich neu geordnet und deutschlandweit harmonisiert. Diese Gebühr ersetzt die bisher erhobenen Landesverbandsgebühren für Volksläufe, die gegenwärtig je nach Landesverband bis zu 50 Cent pro Teilnehmer betragen, sowie die Straßenlaufgenehmigungsgebühr für anerkannte Straßenläufe und fasst sie in einer Gebühr für alle Laufveranstaltungen zusammen. Gebührenpflichtig sind ab 2016 nur volljährige Finisher. Ausnahmen gibt es für Spendenläufe und karitative Laufwettbewerbe. Im Februar 2015 hatte der DLV-Verbandsrat diesen Beschluss bekräftigt. "Wir haben uns ausführlich mit der von einigen Veranstaltern geäußerten Kritik auseinandergesetzt und sind trotzdem einstimmig zu dem Ergebnis gekommen, dass die Genehmigungsgebühr wie beschlossen zum 1.1.2016 erhoben werden soll. Genehmigungsgebühren sind im gesamten organisierten Sport üblich und erforderlich, um die Infrastruktur des Sports zu finanzieren. Dies gilt insbesondere im Laufsport", sagte DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop.

Dieser Beschluss hatte in der Laufszene bundesweit für Diskussionen und für Aufregung, gesorgt. Vieles wurde schon angesprochen, manche guten Argumente blieben aber vielleicht unbeachtet. Auch aus diesem Grunde stand der sogenannte „Finisher-Euro“ in Duisburg im Blickpunkt.

Die Diskussionsrunde fand viel Gehör.

Möglich machte die angeregte Diskussion, die fair, sachlich und jedes Tabu stattfand, die ausgewogen zusammengestellte Besetzung auf dem Podium. Befürworter bereicherten die Runde ebenso wie scharfe Kritiker, die allesamt ihre Standpunkte vertreten konnten. Der WFLV freute sich, dass Anja Wolf-Blanke (Vize-Präsidentin DLV), Michael Blomeier (Verbandsleichtathletik-Ausschuss FLVW), Hans-Joachim Scheer (Geschäftsführer LVN), Michael Brinkmann (Vorsitzender Münster-Marathon), Martin Masjosthusmann (Pressewart LG Burg Wiedenbrück) und Detlev Ackermann (Laufwart LVN) für das Podium gewonnen werden konnten. Moderiert wurde die ausgewogene Veranstaltung in der Schauinsland-Reisen-Arena vom Journalisten Thorsten Wagner.

In seiner Begrüßung wies Hermann Korfmacher auf die Bedeutung der Solidargemeinschaft im Sport und hier im speziellen im Laufsport hin. „Hier geht es um die große Solidargemeinschaft. Gemeinsam haben wir im regionalen Zusammenschluss der Verbände unter dem Dach des WFLV schon einiges erreicht – und auch sportpolitisch große Erfolge feiern können. Die gute Arbeit der NRW-Leichtathletik macht sich regelmäßig in den Medaillenspiegeln, Bestenlisten und Wettkampfauswertungen bemerkbar. Das gilt für regionale und Landeswettkämpfe, ebenso wie für internationale Veranstaltungen bis hin zu Olympischen Spielen“, erklärte Hermann Korfmacher und führte aus: „Laufen ist Volkssport, laufen ist gesund, laufen ist wichtig, egal, ob es nun durch Freizeit- oder Leistungssportler betreiben wird. Auch beim Thema Laufgebühr geht es um eine Solidargemeinschaft. Der Erlös, der durch die bundeseinheitliche Gebühr erzielt wird, soll einzig und alleine dem Laufsport zugutekommen. Vereine und Verbände sind Non-Profit-Organisationen, die gemeinnützig und überwiegend ehrenamtlich einen unbezahlbaren Mehrwert für unsere Gesellschaft schaffen.“

Im Publikum gab es viel Rededarf.

In der folgenden Podiumsdiskussion wurden so viele Aspekte wie möglich beleuchtet. Einerseits wurde darauf hingewiesen, dass die Leichtathletik natürlich finanziell gefördert werden muss. Bislang erhalten die Verbände Gelder durch Mitgliedschaften, öffentliche Zuschüsse und erwirtschaftete Serviceleistungen. „Die finanzielle Frage muss man sich stellen“, sagte Hans-Joachim Scheer. Auf der anderen Seite stellte Martin Masjosthusmann in Frage, welche Gegenleistungen es für den „Finisher-Euro“ gebe. Die meiste Arbeit bei der Lauforganisation würden schließlich unbezahlte Ehrenamtler übernehmen. Michael Brinkmann meinte, dass es zu leicht sei, den einen Euro bei Laufveranstaltungen einfach auf die Laufgebühr der Teilnehmer zu schlagen. Die Rechnung gehe gerade bei kleineren Events nicht, wurde auch aus dem Publikum angemerkt.

Gleichwohl erklärte Michael Brinkmann, dass er die „Lauf-Maut“ sehr wohl bei einem Euro sehe, aber „nicht jetzt“, sondern erst in einigen Jahren. Detlev Ackermann wies auf die kommerziellen Interessen bei Großveranstaltungen hin: Das sei im Vergleich zu familiären Laufveranstaltungen „eine Parallelwelt“. Michael Blomeier erläuterte, dass er keinen Sportler kenne, der wegen der Laufgebühr von einem Euro künftig nicht mehr laufen wolle. Anja Wolf-Blanke gab zu bedenken, dass auch der Laufsport auf die Jugend, die sich keine eigenen Einnahmen erwirtschaften kann, angewiesen sei: „Wir graben uns die eigene Zukunft ab.“

Als Quintessenz auch der vielen Beiträge aus dem Plenum wurde deutlich, dass zwar die Vereinheitlichung und somit Erhöhung der Laufgebühr sehr wohl, kritisch gesehen wird. Gravierender sei aber negativ haften geblieben, dass die erhöhte „Laufgebühr“ erst kommuniziert worden sei, als schon alles beschlossen war. Diesbezüglich gebe es Mängel in der Transparenz, zumal für die Öffentlichkeit unklar sei, wie genau die eingenommenen Gelder verwendet werden. „Die Art und Weise, wie das beschlossen wurde, war nicht gut“, meinte Michael Brinkmann. Die Basis sei bei dieser Frage vergessen worden.

"Wir müssen etwas tun und weiter arbeiten“, erklärte Hans-Gerhard Schulz (links).

„Was die Kommunikation angeht, ist bestimmt nicht alles richtig gelaufen. Das gebe ich gerne zu“, gestand Anja Wolf-Blanke ein. Gleichwohl untermauerte die DLV-Vize-Präsidentin, dass auch für sie ein Konsens sehr wichtig sei und verwies auf angestrebte Gespräche im DLV-Verwaltungsrat und mit dem DLV-Präsidenten Dr. Clemens Prokop. „Es wird mit Sicherheit nochmal darüber gesprochen“, kündigte Anja Wolf-Blanke zum Thema Laufgebühr an. Fakt sei allerdings, dass es eine bundeseinheitliche Gebühr geben werde. Über die Höhe und die weitere Verwendung der Gelder, die auch in die Landesverbände und somit in die Jugendarbeit fließen sollen, dürfte dann auch gesprochen werden. Martin Masjosthusmann forderte „konstruktive Lösungen, um den Schaden zu bereinigen.“ Er begrüßte es, dass weiter über das Thema geredet werden soll.

„Früher waren wir eine Laufnation, jetzt sind wir eher eine Wurfnation. Wir brauchen eine Anschubfinanzierung, um die Jugend weiter zu fördern. Wir müssen etwas tun und weiter arbeiten“, erklärte Hans-Gerhard Schulz, Vorsitzender des WFLV-Leichtathletikausschusses, in einem Plädoyer zum Ende der informativen Veranstaltung.

„Probleme sind da, um gelöst zu werden“, stellte Hermann Korfmacher fest. Der WFLV-Präsident freute sich, dass als ein Ergebnis der Informationstagung eine Ad hoc-Kommission gegründet wurde, die das Thema „Laufgebühr“ nachdrücklich erörtern und mit Ideen bereichern wird. Sieben laufbegeisterte Personen vom Podium und aus dem Publikum erklärten sich sofort bereit, in der von Hermann Korfmacher organisierten Ad hoc-Kommission mitzuarbeiten.

Hermann Korfmacher (rechts) freute sich über die Gründung der Ad hoc-Kommission.

Text: WFLV

Fotos: Nicole Gdawietz

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