Westdeutscher Fussballverband e.V.
Freizeit- und Breitensport 28.07.2015

Wie der Westfale Dieter Becker zum Kultschiri wurde

FUSSBALL.DE-Kultfigur der Woche

Daumen hoch für die Schiedsrichterei: Dieter Becker aus Castrop-Rauxel. (Foto: fussball.de/David Hennig)

Dieter Becker ist laut, er ist direkt, er ist ein Original - und bei ihm muckt auf dem Platz niemand auf: Der 64-jährige Westfale war früher als Spieler ein "Treter vor dem Herrn", seit nunmehr 26 Jahren ist er als polternder Schiedsrichter auf den Amateurplätzen unterwegs. Becker liebt den Job an der Pfeife und macht auch trotz Schmerzen weiter.

 Mit 64 Jahren treten die wenigsten Spieler noch aktiv vor den Ball. Auch Dieter Becker kickt nicht mehr. Der Westfale hat jedoch eine neue Beschäftigung nach seiner Zeit als Spieler gefunden: Nach einem kurzen Intermezzo als Trainer einer D-Jugend-Mannschaft entschloss sich der damals 38-Jährige den Schiedsrichterschein zu machen. Mittlerweile ist die Schiedsrichterei für ihn das größte Hobby.

Hört man den Castrop-Rauxeler von seinen Spielen bei Urania Lütgendortmund, Westfalia Vinnum oder Eintracht Ickern erzählen, spürt der Zuhörer gleich das Feuer, das in ihm brennt. Im Ruhrgebiet würde man sagen: Becker, dat is'n Typ – eben ein Original. Und wenn er sagt, dass „die Abseitsregel 'ne scheiß Regel ist“, dann meint der 64-Jährige dies auch so.

Becker ist dabei alles andere als sachlich oder ruhig – Becker poltert, Becker ist laut. So wie er es auf dem Platz auch ist. „Ich war nie ein Schiedsrichter, der beruhigend auf das Spiel eingewirkt hat – ich konnte das nicht. Aber bei mir muckt auch keiner auf, da kann ich hinkommen, wo ich will“, sagt Becker, der die Dinge eben anders regelt.

Offen, direkt und ehrlich

Offen, direkt und ehrlich seine Worte – das kommt nicht bei jedem an. Aber die meisten wissen den erfahrenen Haudegen mit seiner resoluten Art zu nehmen, wie er ist. Mit 38 Jahren griff Becker erst spät zur Pfeife. Schließlich trat er 20 Jahre lang selbst vor den Ball. „Sicherlich hat mir das geholfen, weil, ich war ja ein Treter vor dem Herrn“, sagt der ehemalige Vorstopper lachend. Nach so langer Zeit könne ein ehemaliger Spieler als Schiedsrichter leichter ein Spiel lesen, könne erahnen, was als Nächstes passieren würde, wisse Spieler einzuschätzen.

Die kurze Zeit als Trainer im Jugendbereich hat ihn jedoch erst auf die Idee gebracht, es mal an der Pfeife zu probieren. „Da hatte ich die Zeit, anders zu denken. Als Spieler habe ich über den Schiedsrichter auch nur gemeckert“, erinnert sich Becker. Und ohnehin: An der Seitenlinie fehlte dem langjährigen Kicker die Bewegung.

Pferdesalbe und gutes Auge

Ein halbes Jahr nach seiner Prüfung pfiff er trotz seines hohen Alters bereits in der Bezirksliga. Mittlerweile ist er seit 26 Jahren als Schiedsrichter unterwegs, leitet Spiele in der Kreisliga A. „Ich mache ja heute noch weiter, obwohl mir die Knie schmerzen. Aber wenn ich auf'm Platz bin und meine Pferdesalbe drauf habe, dann läuft es.“

Er sei zwar nicht mehr so agil wie früher, aber vieles mache er mit Erfahrung und einem guten Auge. „Ich bewege mich schon. Wenn ich nur im Mittelkreis stünde, dann würde ich aufhören. Das würde ich den Spielern nicht antun.“

Die Bewegung, die er jetzt habe, samstags und sonntags, helfe ihm, seinen Körper fit zu halten. „Dabei fühle ich mich gut“, sagt Becker. Ohne Schiedsrichterei würde der 64-Jährige wahrscheinlich keinen Sport mehr machen. Aber solange Becker laufen kann, wird man ihn auch weiterhin auf den Sportplätzen im Ruhrgebiet antreffen.

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