Westdeutscher Fussballverband e.V.
Fußball-Allgemein 24.07.2014

Wiegen der Weltmeister:
Stadt Gladbeck ist stolz auf "Sohn" Draxler

Mit nur 20 Jahren auf dem Fußball-Olymp angekommen: Draxler mit Pokal im Maracanã

Auch Weltmeister haben mal klein angefangen. Die meisten auch bei "kleinen" Vereinen aus dem Amateurfußball, der ab 29. Juli eine neue Online-Heimat auf FUSSBALL.DE bekommt. DFB.de stellt die "Wiegen der Nationalspieler" vor. Heute: Julian Draxler, der beim BV Rentfort in Gladbeck das Kicken lernte.

Hubert Hengstermann könnte in diesen Tagen auch Schatzmeister seines Vereins sein. Ist er aber nicht. Hubert Hengstermann ist Jugendleiter des BV Rentfort. Und genau dort, am Sportplatz an der Hegestraße, der damals noch ein Ascheplatz war und beim ersten Regen stets unter Wasser stand, hat er die ersten Schritte eines jungen Fußballers begleitet, der heute Weltmeister ist: Julian Draxler.

Hengstermanns Jüngster, Anthony, ist ein Jahrgang mit dem Schalker Jungstar. "Die sportlichen Wege sind allerdings auseinander gedriftet", erzählt Hubert. Anthony spielt heute bei Adler Ellinghorst, Kreisliga B. Draxler stemmte vor zehn Tagen den Weltpokal in den Nachthimmel von Rio de Janeiro. Geblieben ist die Erinnerung. Und ein Relikt aus alten Zeiten: der erste Spielerpass Draxlers. Ein Schatz! Hubert Hengstermann bewahrt ihn im feuerfesten Tresor auf.

Draxlers Spielerpass liegt immer noch beim BV Rentfort

Für DFB.de hat er ihn zumindest kurz herausgeholt, eingescannt und über die Datenautobahn nach Frankfurt geschickt. "Ansonsten bleibt er aber unter Verschluss", sagt er und scherzt: "Für einen etwaigen Wechsel zu Real Madrid."

Dass das erste Zeugnis dieser bis heute wunderbaren Karriere noch immer in Rentfort zu finden ist, ist purer Zufall. Normalerweise wäre der Spielerpass beim Wechsel des jugendlichen Draxlers zur SSV Buer im Sommer 2000 in den Besitz der Gelsenkirchener übergegangen, und im weiteren Verlauf in jenen des FC Schalke 04, der den immer noch jugendlichen Draxler nur ein Jahr später in seine Nachwuchsabteilung aufnahm.

Das Schicksal aber hatte anderes mit ihm vor: Eines Tages war die Kladde mit allen Spielerpässen schlicht verschwunden. "Der Trainer damals war ein schöner Klüngel, der hat die Pässe komplett verschlampt", erzählt Hengstermann. Der BV Rentfort beantragte daraufhin bei der Passstelle in Duisburg-Wedau Zweitdokumente. Als die ausgestellt waren, tauchten die Originale wieder auf; plötzlich und unverhofft, irgendwo ganz hinten in einem Trikotschrank.

"Wenn se dich aussortieren, kommste zurück": Draxlers Pass beim BV Rentfort

Besuche werden weniger, die Zeit ist knapp

Aktuell ist dieser Spielerpass die einzig verbliebene Verbindung zu Julian Draxler. Damals, als er schon in der Schalker Jugend spielte, trainierte er ab und zu noch in Rentfort mit, düpierte dabei mitunter die ehemaligen Mitspieler. "Die Unterschiede waren schon gravierend", sagt Hubert Hengstermann, der seit 1993 beim BV am Ball ist und bis zur vergangenen Saison auch selbst Jugendmannschaften trainiert hat. Verabschiedet hat er Draxler damals mit der nicht ganz ernst gemeinten, aber immer selben Feststellung: "Wenn se dich auf Schalke mal aussortieren, dann kommste aber zu uns zurück." Und bei jedem neuen Trainingsbesuch begrüßte Hengstermann Draxler mit der nicht ganz ernst gemeinten, aber immer selben Frage: "Und, haben se dich auf Schalke endlich rausgeschmissen?"

Julian Draxler kam häufiger, damals, und er schaute auch noch vorbei, nachdem sein Stern in der Bundesliga aufgegangen war, nach dem unvergessenen Nürnberg-Spiel. Zuletzt wurde er für ein Interview mit dem Reviersport am Sportplatz an der Hegestraße gesichtet. Das ist schon ein paar Tage her, genau genommen beinahe zwei Jahre. Mittlerweile fehlt die Zeit.

"Unser Julian ist Weltmeister"

Sollte der Mittelfeldspieler, der 1998 als Vierjähriger beim BV Rentfort anfing, sie mal wieder finden, wird er am Sportplatz an der Hegestraße viel Neues entdecken. Der alte Ascheplatz, der im Sommer immer so staubte und im Winter absoff, ist einer "wunderschönen Platzanlage" (Hubert Hengstermann) gewichen. Heute kicken die 13 Jugend- und drei Seniorenmannschaften, die wiederum zu 80 Prozent aus Eigengewächsen bestehen, auf Kunstrasen. Die Stadt Gladbeck hat die Anlage vor vier Jahren komplett saniert. Und sie ist noch immer verdammt stolz auf ihren erfolgreichen Sohn.

Nach dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft gratulierte Bürgermeister Roland Julian Draxler in einem offenen Brief. Er schrieb: "Mit dabei: Ein Gladbecker! Ich gratuliere Dir ganz herzlich zu dem größten Titel, den man im Sport überhaupt gewinnen kann! In Deiner Heimatstadt wurde der Sieg beim Public Viewing in der Mathias-Jakobs-Stadthalle, in Gemeindezentren, in Vereinsheimen, auf privaten Partys und später natürlich auf den Straßen bis spät in die Nacht ausgelassen und euphorisch gefeiert. Dabei war immer wieder dieser eine Satz zu hören: Unser Julian ist Weltmeister!"

Hubert Hengstermann bewahrt in Rentfort, in seinem feuerfesten Tresor, einen wahren Schatz.

 

Quelle: DFB

Spielberechtigungen Regionalliga West