Westdeutscher Fussballverband e.V.
Allgemein 15.11.2018

„Wir haben Hunger, gemeinsam Lösungen gegen Gewalt zu finden"

Euregio-Kongress in Kleve: „Gemeinsam für einen sportlichen Umgang"

WDFV-Präsident Hermann Korfmacher (links) freute sich im Gespräch mit Marko Kaaf (rechts) vom KNVB über den zielführenden Austausch. Moderator Frans Miggelbrink (mitte) führte in deutscher und holländischer Sprache durch die Veranstaltung.
WDFV-Präsident Hermann Korfmacher (links) freute sich im Gespräch mit Marko Kaaf (rechts) vom KNVB über den zielführenden Austausch. Moderator Frans Miggelbrink (mitte) führte in deutscher und holländischer Sprache durch die Veranstaltung.

 

Eltern streiten sich am Spielfeldrand der Bambini-Fußballer. Spieler beleidigen den Schiedsrichter. Fans randalieren auf den Rängen. Leider sind Szenen wie diese im Amateurfußball bekannt. Der Anteil der Ausschreitungen auf Fußballplätzen in Deutschland und den Niederlanden liegt im Promillebereich – nichtsdestotrotz ist die Zahl noch zu hoch.

Im Rahmen der vom Westdeutschen Fußballverband (WDFV) und dem Niederländischen Fußballverband (KNVB) durchgeführten Euregio-Tagung „Gemeinsam für einen sportlichen Umgang“ fand in Kleve ein reger Austausch zwischen deutschen und niederländischen Fußballfreunden statt.

Im Vordergrund des zweitägigen Euregio-Kongresses, der am 9. und 10. November ausgerichtet wurde, stand die Beantwortung der Frage, wie es gelingen kann, Gewalt und Diskriminierung auf und neben dem Fußballfeld erfolgreich entgegenzutreten? „Im Endeffekt geht es doch für alle um die Liebe zum Fußball“, hieß es am Ende in einem abschließenden Fazit. Gut sei es, wenn sich die sportlichen Kontrahenten schon vor dem Anpfiff kennen lernen: „Wenn man jemanden sympathisch findet, haut man ihm keine runter.“

Strategien gegen Gewalt und Diskriminierung 

In der Euregio Rhein-Waal in Kleve nahe der holländischen Grenze versammelten sich 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland und den Niederlanden für einen gegenseitigen Austausch. Übergeordnetes Ziel war es, gemeinsam weitere Strategien zu entwickeln, wie Gewalt und Diskriminierung im Fußball durch Vereins- und Verbandsarbeit vorgebeugt werden kann.

„Fußball vermittelt und lebt seit jeher zentrale Werte in unserer Gesellschaft vor. Dies muss verstärkt in den Vordergrund rücken. Aber auch darüber hinaus haben Vereine einige Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen“, erklärte Hermann Korfmacher, Präsident des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV), der den Kongress im Gespräch mit Marko Kaaf (Vertreter KNVB) in der Pressekonferenz zum „Freundschaftsspiel“ Deutschland – Niederlande eröffnete.

Hermann Korfmacher erläuterte bei dieser Gelegenheit die Motivation zur Durchführung der Veranstaltung: „Speziell Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund sehen sich mit Anfeindungen und Diskriminierungen konfrontiert. Um gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegenzutreten und diese Menschen zu unterstützen, müssen wir als Fußballfamilie noch näher zusammenrücken und Lösungen entwickeln. Daher möchten wir uns bei dieser Tagung auch zu den Verbandsangeboten austauschen. Wir wollen herausarbeiten, ob weitere Bedarfe abgedeckt werden.“

Hannes Delto, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Georg-August-Universität Göttingen und Assoziiertes Mitglied im Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, präsentierte Studienergebnisse des Forschungsprojekts „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im Sport“.

Unter dem Titel „Radikalisierung oder Extremismus? Ziviler Umgang im Fußball und die Macht des Vorurteils“ stellte Delto empirische Daten zur Einstellung, Mentalität und Vorurteilen von Vereinsmitgliedern vor. Dabei wurde deutlich, dass die Werte des Sports – Fair Play, Toleranz, Solidarität und Respekt – bei Fußballern tatsächlich wahrgenommen werden. Delto bezeichnete im Zuge dessen den Fußball treffend als „zivilgesellschaftlichen Akteur und Sozialisationsinstanz mit Integrationsfunktion“. Abschließend lieferte der Wissenschaftler Handlungsempfehlungen für den zivilen Umgang im Fußball mit Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit.

Von niederländischer Seite referierte der Soziologe David Romijn vom Mulier Instituut. Im Rahmen seiner Forschungstätigkeit untersuchte er Zahlen zu Gewaltexzessen im Sport.

In einer regen Expertendiskussion wurden mit dem Plenum basierend auf dem neu gewonnenen Wissen aktuelle Problemstellungen erörtert. Stefanie Schulte, Abteilungsleiterin Gesellschaftliche Verantwortung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), betonte die Notwendigkeit, gezielte Maßnahmen gegen Gewalt und Diskriminierung auf Vereins- und Verbandsebene zu ergreifen. Auch die Vertreter der Landesverbände aus Hessen, Thorsten Schenk, und Schleswig-Holstein, Harald Berndt, berichteten über aufgetretene Problemstellungen in ihren Verbänden und erläuterten ihre konkreten Lösungsansätze.

Gute Arbeit in den Workshops

Am zweiten Veranstaltungstag wurden im Rahmen von vier Workshops die folgenden Themen ausführlich behandelt:

-          Wie kann das Verhalten der Eltern am Spielfeldrand beeinflusst werden?

-          Maßnahmen zur Gewaltprävention

-          Vielfalt und Diskriminierung

-          Unterstützungsmöglichkeiten für Vereine

Zum Abschluss wurden die Ergebnisse des Kongresses von allen Seiten ausdrücklich positiv und zielführend gewertet. „Es wurden viele Ideen ausgetauscht. Bei diesen großen und schweren Themen war ein hohes Engagement der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sichtbar. So muss es weitergehen“, sagte Michael Lichtnecker, Leiter der Steuerungsgruppe des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen.

Marko Kaaf vom KNVB hielt fest: „Wir machen das für unsere Jungs und Mädchen und alle anderen bis zu den Alten Herren. Deswegen haben wir uns ausgetauscht. Das Wichtigste für uns ist, Spaß beim Fußball zu haben. Was ich gemerkt habe: Wir haben Spaß hier zu sein. Wir haben Hunger, Lösungen zu finden.“ Dem schloss sich Jürgen Kreyer aus dem WDFV-Präsidium mit Nachdruck an: „Wir sind noch lange nicht am Ende des Weges angelangt. Der Kongress war ein Kick-Off: Wir haben Themen angerissen und aufgenommen. Die schwere Arbeit kommt erst noch. Inhaltlich können wir sehr zufrieden sein, wir haben viele gute Ansätze und Anregungen aufgenommen. Es ist gut, voneinander zu lernen.“

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