Westdeutscher Fussballverband e.V.
Allgemein 26.02.2019

Amateurvereine fragen, DFB-Präsident Reinhard Grindel antwortet

3. Amateurfußball-Kongress

Reinhard Grindel (h.M.): "Gemeinsam" an den Problemen der Basis arbeiten. (Foto: © 2019 Getty Images)
Reinhard Grindel (h.M.): "Gemeinsam" an den Problemen der Basis arbeiten. (Foto: © 2019 Getty Images)

Während des Amateurfußball-Kongresses stellten die Teilnehmenden über die Kongress-App zahlreiche Fragen. Auch über die sozialen Netzwerke nutzten die User die Chance, ihre Fragen anzubringen. Im Gespräch mit DFB.de geht DFB-Präsident Reinhard Grindel auf die häufigsten Fragen ein.

Frage: Wie möchte der DFB die Zahlung von Geldern an Amateurfußballer verhindern?

Reinhard Grindel: Rechtlich können wir nur Einfluss nehmen, wenn Zahlungen nicht nach zulässigen Verträgen erfolgen. Ansonsten bleibt uns nur zu appellieren, dass die Hinweise des Sportentwicklungsberichts der Sporthochschule in Köln ernst zu nehmen sind. Er besagt, dass Amateurvereine, die ihre Spieler bezahlen, deutlich höhere finanzielle Risiken in Kauf nehmen als Vereine, bei denen das nicht der Fall ist. Im Übrigen ist es wahrscheinlich naiv, dazu aufzurufen, bis zur Landesliga keine Gelder mehr zu bezahlen, da sich leider immer ein Sponsor finden wird, der die Brieftasche aufmacht. Dennoch sollten wir es thematisieren, dass auf Kreis- und Bezirksliga-Ebene der Spaß am leistungsorientierten Fußball absolut im Vordergrund stehen muss und nicht das Geld.

Videos, Talkrunden und mehr: Hier finden Sie alle Informationen zum 3. Amateurfußball-Kongress!

Frage: Warum gibt es statt des Bestrafungssystems, zum Beispiel bei einer zu geringen Anzahl an aktiven Schiedsrichtern, kein Belohnungssystem?

Grindel: Grundsätzlich muss man sagen, dass die Einhaltung von Regeln und Vorschriften erwartet werden kann. Es kann also nicht richtig sein, dass es zu Belohnungen führt, wenn sich ein Verband per demokratischem Beschluss ein Schiedsrichter-Soll gibt und Vereine diese Vorgabe erfüllen. Durch die Fair Play-Wertung haben wir zudem ein gewisses Belohnungssystem, bei dem die fairsten Mannschaften teils mit beachtlichen Geldpreisen ausgezeichnet werden. Ich halte es aber schon für richtig: Wer innerverbandliche Vorschriften nicht einhält, muss auch mit entsprechenden Strafen rechnen. Wobei eines auch wahr ist: Es kann natürlich nicht sein, dass Fußballkreise keine Schiedsrichterkurse anbieten und Vereine, obwohl sie genügend Interessenten hätten, keine Schiedsrichter ausbilden können und am Ende ohne vorwerfbares Versäumnis eine Strafe zahlen müssen.

Amateurfußball-Kongress: Interview mit Peter Frymuth 

Frage: Die Verbände sind stolz auf die umfassenden Scouting-Aktivitäten, die Stützpunkte und Nachwuchsleistungszentren. Was aber macht das mit den Kindern, die nicht gesichtet werden? Tradition und Zusammenhalt im Verein werden durch individuellen Leistungsdruck verdrängt. Ist das der richtige Weg?

Grindel: Man sollte die Eltern bei diesem Thema nicht aus der Verantwortung lassen. Es kann ein Inhalt von Eltern-Kind-Gesprächen sein, dass man einfach Fußball spielt, weil man Freude daran hat und nicht gleich verzweifeln muss, wenn ein Kind es nicht geschafft hat, vom Stützpunkt eingeladen zu werden. Wichtig ist, auch immer wieder die Trainer zu mahnen, nicht bereits frühzeitig Druck auszuüben. Daher gibt es in den jüngsten Jahrgängen unsere Fair Play-Ligen, bei denen bewusst dafür gesorgt werden, dass sich nicht nur die Eltern, sondern auch die Trainer zurückhalten. Ganz grundsätzlich sollten Talente aber durchaus gefördert werden. Insofern sind die Stützpunkte und Sichtungen sinnvolle Einrichtungen und für unsere Talentförderung unerlässlich. Im Umkehrschluss darf das jedoch nicht bedeuten, dass die Kinder, die es nicht an den Stützpunkt schaffen, es als Niederlage empfinden. Da müssen sich die Trainer pädagogisch klug verhalten und auch die Eltern müssen entsprechend einwirken.

Frage: Muss die Ebene der Fußballkreise im Zuge des Vereinsfußballs 2024 durch hauptamtliche Mitarbeiter gestärkt werden?

Grindel: Die Fußball-Landschaft ist in Deutschland sehr unterschiedlich. Es gibt bereits einzelne Landesverbände, in denen es auf Kreisebene schon Hauptamtliche gibt. Wichtig ist, dass die Landesverbände genügend Mitarbeiter haben, die im Bereich des Vereinsservices arbeiten. Es muss also die Kommunikation zwischen Landesverbänden und Vereinen stimmen, damit Vereine mit ganz bestimmten Fragestellungen eine passende Anlaufstelle vorfinden. Wünschenswert wäre es sicherlich, auch auf Kreisebene hauptamtlich Tätige einzusetzen, die in einer Scharnierfunktion zwischen Landesebene und Klub zum Beispiel die Vereinsberatung intensivieren. Aber das ist eben nur dort möglich, wo es die Landesverbände auch finanzieren können.

Frage: Inwieweit können Bundesliga-Schiedsrichter als Vorbilder helfen, die Gewinnung von Amateur-Schiedsrichtern voranzutreiben?

Grindel: Es gibt immer wieder Kreisschiedsrichter-Treffen, wo auch Bundesliga-Schiedsrichter auftreten. Zudem gibt es die Aktion "Danke ans Ehrenamt" an ausgewählten Bundesliga-Spieltagen, an denen durch die Beflockung der Schiedsrichter-Trikots die Wertschätzung gegenüber den Amateuren ausgedrückt wird. Unsere Schiedsrichter sind sich ihrer Vorbildfunktion also durchaus bewusst. Ich würde anregen, dass Fußballkreise, bei denen in der Nachbarschaft ein Bundesliga-Schiedsrichter beheimatet ist, den ab und an einladen, um Jüngere für das Schiedsrichterwesen zu motivieren.

Frage: Was kann der DFB von dem Auftritt der Handball-Nationalmannschaft lernen? Fair Play rein, Schauspiel raus. Was plant der DFB, um eine solche Kultur auch in den Fußball zu bringen?

Grindel: Ich bin mir nicht sicher, ob die Handballer mehr Autogramme und Selfies gegeben haben als unsere Spieler bei den letzten Begegnungen. Hinter der Frage steckt jedoch etwas anderes: Die Menschen stören sich am ständigen Reklamieren und an Trainern, die schon bei einer falschen Einwurf-Entscheidung ausrasten. Wir nutzen jede Möglichkeit, um alle Beteiligten für dieses Thema zu sensibilisieren, zum Beispiel bei den Schiedsrichter-Lehrgängen.

Frage: Benötigen der DFB und seine Landesverbände einen Imagewechsel oder mehr Transparenz, um die gefühlte Distanz zu den Amateurvereinen zu reduzieren und dadurch auch wieder die Motivation an der Basis zu steigern?

Grindel: Wir haben schon nach dem letzten Amateurfußball-Kongress 2012 mit dem Vereinsdialog, den Kreisdialogen, Vorstands- und Führungsspieler-Treffs Strategien und Konzepte entwickelt, um Basis und Spitze zusammenzubringen. Davon zeugen tausende Begegnungen zwischen dem Präsidium unserer Landesverbände und der Basis, also den Vereinen. Der Amateurfußball-Kongress jetzt ist der beste Beleg dafür, dass zwischen Vereinsvertreten bis hin zum DFB-Präsidium auf Augenhöhe diskutiert wird. Ich glaube, um die Vorurteile zu überwinden, müssen wir diese vielen Dialoge fortsetzen. Der Kongress zeigt aber auch, dass wir sehr wohl von den Problemen der Basis wissen und wir gemeinsam an Lösungen arbeiten. Die Digitalisierung hilft uns hier, da sie uns in die Lage versetzt, durch unsere Online-Angebote als DFB direkt vor Ort zu helfen.

Text: DFB

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