Westdeutscher Fussballverband e.V.
Herren-Regionalliga West 26.03.2020

"Goldene Tickets" und "Geister-Pils": Aktionen der West-Regionalligisten in der Corona-Krise

Martin vom Hofe: "Wie sehr die Alemannia emotionalisiert, sieht man in einer solchen Phase" (Foto: © privat/DFB.de)
Martin vom Hofe: "Wie sehr die Alemannia emotionalisiert, sieht man in einer solchen Phase" (Foto: © privat/DFB.de)

Mit einfallsreichen Aktionen arbeiten einige Vereine aus der Regionalliga West an der Reduzierung des finanziellen Schadens durch die Corona-Krise. RW Essen und Alemannia Aachen bieten virtuelle Tickets an, bei RW Oberhausen gibt es zum Geisterspiel auch "Geister-Pils". 

Dies sind nur einige Aktionen, die Vereine aus der Regionalliga West aktuell durchführen. Auf den Homepages der Klubs gibt es stellenweise weitere Ideen, wie den Vereinen geholfen werden kann.

Goldenes Ticket: Hier geht es zur Homepage von Alemannia Aachen

Virtuelles Heimspiel: Hier geht es zur Aktion von RW Essen

Geisterspiel mit Geister-Pils: Hier geht es zur Aktion von RW Oberhausen

Mit Wurst und Kölsch zum Stadionerlebnis: Hier geht es zur Aktion von Fortuna Köln

Mal kamen 30.000 Fans zu einem Viertligaspiel gegen Rot-Weiss Essen, mal sammelten Fans als "Öcher Investörchen" gut 50.000 Euro für ihren Verein, mal wurden auch Retter-T-Shirts verkauft, als der Club ums wirtschaftliche Überleben kämpfte: Um besondere Aktionen waren sie bei Alemannia Aachen in den vergangenen Jahren nie verlegen. Die Corona-Krise ruft den Traditionsclub aus der Regionalliga West mitsamt seiner treuen Anhängerschaft nun erneut auf den Plan. Die Alemannia verkauft "Goldene Tickets", also Geistertickets, um aktuell ausbleibende Einnahmen aus den Heimspielen zumindest etwas abzufedern.

"Das tut richtig gut", sagt Alemannias Geschäftsführer Martin vom Hofe im Gespräch auf der DFB-Homepage und ist begeistert vom Zuspruch der Fans. Binnen acht Tagen wurden bereits rund 1500 fiktive Eintrittskarten á zehn Euro verkauft. Diese berechtigen nicht zum Eintritt ins Tivoli-Stadion, sondern können nach der Corona-Pause lediglich in eine Wurst, eine Portion Pommes oder ein Getränk umgetauscht werden.

Nach oben seien keine Grenzen gesetzt, lässt vom Hofe durchblicken. Natürlich hofft er, dass noch einige Tausend Tickets abgesetzt werden können. Damit soll die sowieso schon äußerst knappe Vereinskasse der Aachener zumindest etwas aufgepeppt und die Liquidität in dieser Krisenphase verbessert werden.

Essen: Virtuelles Heimspiel

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise können auch Rot-Weiss Essen existenziell hart treffen. Um einen möglichen Wegfall fest eingeplanter Umsätze abzufedern, hat RWE ein virtuelles Spiel auf den momentan leeren Spielplan gesetzt und damit gleich ein ambitioniertes Ziel verbunden.

Nichts Geringeres als eine ausverkaufte Hafenstraße ist das Ziel der Aktion. Virtuell ist das Zusammenrücken auch in Zeiten des Coronavirus unproblematisch, deshalb können sich Rot-Weisse, die ihren Verein in dieser schwierigen Zeit unterstützen möchten, ab sofort ihr Ticket für das Duell Rot-Weiss Essen gegen Corona sichern. Ob Steh- oder Sitzplatz, ob Block R3 oder R5: Die verschiedenen Kategorien gelten natürlich auch für das virtuelle Spiel. Und selbstverständlich wird zu diesem Anlass auch gekühltes Bier und leckere Bratwurst angeboten. 

„Es handelt sich für den Verein um eine wirtschaftlich sehr ernste Situation, in der wir als gesamte RWE-Familie aktiv und kreativ werden müssen. Wir alle wollen den Schaden für unseren Verein so weit es eben geht eindämmen“, ordnet Marcus Uhlig das Ziel der Aktion ein und ergänzt: „Was die Zuschauerzahlen und den Bierkonsum angeht, sind wir nicht nur in der Regionalliga ganz weit vorne mit dabei. Wir sind alle gespannt zu sehen, wie es bei diesem virtuellen Spiel aussieht.“ 

Oberhausen: Zum Geisterspiel gibt es jetzt „Geister Pils“

Not macht erfinderisch! Oder besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Weil das Coronavirus seit Wochen den Kernbetrieb des Regionalligisten Rot-Weiß Oberhausen lahmlegt, machen sich derzeit Verantwortliche und Fans Gedanken, wie man trotz der spielfreien Zeit Geld in die klamme Vereinskasse spülen kann. Nach der erfolgreichen Idee vom Geisterspiel-Ticket (aktuell: 1.976 verkaufte Tickets), hat der Verein nun die imaginäre Vereinsbrauerei Oberhausen „angezapft“ und präsentiert das „Geister Pils“.

Wer im gut sortierten Fachgeschäft, der umgangssprachlich genannten „Kneipe“ ein kühles Blondes bestellt, bekommt den Gerstensaft binnen weniger Minuten auf einem Papp-Bierdeckel serviert. Das ist auch der RWO-Plan. Da der Verein aber derzeit kein Bier ausschenken darf, verkauft er einfach die dazugehörigen Bierdeckel solange der Vorrat reicht.

Ein Deckel kostet 5,- EUR. Auf der Rückseite gibt es je eins von fünf Sammelmotiven, die einer kleinen rot-weißen Zeitreise gleichen. Wer sich direkt alle fünf Motive sichern möchte, macht aus seinem Gedeck automatisch einen „Sixpack“ und zahlt einmalig nur 25,- EUR. Dazu erhält man aber auch das begehrte sechste Motiv – den Getränkegutschein, der im Stadion Niederrhein eingelöst werden kann, wenn der Ball wieder vor Publikum rollt.

Fortuna Köln: "Rundum-Paket" für den virtuellen Stadionbesuch

Etwa 1000 virtuelle "Unterstützertickets" hat Fortuna Köln seit dem 16. März verkauft. Um ausbleibende Zuschauereinnahmen auszugleichen, konnten Sympathisanten des Traditionsvereins aus der Kölner Südstadt so viele Tickets ordern, wie sie wollten. Durch den Kauf qualifizierten sie sich für eine Verlosung von Fortuna-Fanartikeln: vom Trikot bis zur Dauerkarte für die kommende Saison alles dabei.

Und weil sie so gut ankam, erweiterte der Regionalligist die Aktion kurzerhand zum virtuellen Stadionerlebnis. So können Fans inzwischen auch die virtuelle Stadionwurst oder das virtuelle Stadionkölsch erwerben. Ein kreatives "Rundum-Paket" also, das in Zeiten von Social Distancing für Zusammengehörigkeit unter den Fortuna-Unterstützern sorgt.​ Hier geht es zur Meldung und dem virtuellen Stadionkiosk.

Spielberechtigungen Regionalliga West