Westdeutscher Fussballverband e.V.
Freizeit- und Breitensport 15.09.2018

Reger Austausch auf der WDFV-Tagung: eSoccer bietet Potenzial für Fußballvereine

Hermann Korfmacher ist vom Potenzial des eSoccer überzeugt. Der WDFV-Präsident begrüßte die Gäste in Münster.
Hermann Korfmacher ist vom Potenzial des eSoccer überzeugt. Der WDFV-Präsident begrüßte die Gäste in Münster.

Die Popularität der Videospielbranche steigt rasant an und auch die Sparte eSoccer findet eine immer größer werdende Begeisterung. „eSoccer ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Jugendkultur geworden und bietet ein großes Potenzial für Fußballvereine“, erklärte Hermann Korfmacher, Präsident des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV), im Rahmen der Infotagung, die der WDFV gemeinsam mit seinem Partner WestLotto am 15. September für die Fußballvereine in Nordrhein-Westfalen und insbesondere deren Jugendabteilungen durchgeführt hat.

Alle interessierten Gäste, die den Weg in die WestLotto-Zentrale in Münster gefunden hatten und von WestLotto-Geschäftsführer Andreas Kötter begrüßt wurden, waren Teil eines großen, spannenden Austauschs mit vielen Experten. Bei der ganztägigen Veranstaltung, bei der auch Jens-Peter Nettekoven (MdL), Sprecher der CDU-Fraktion im Sportausschuss des Landes Nordrhein-Westfalen, als Vertreter der Politik und als interessierter Gast teilnahm, wurden viele Facetten des eSoccer und der eSport-Branche im Allgemeinen deutlich gemacht. Organisiert wurde die Tagung durch den Freizeit- und Breitensportausschuss des WDFV.

Hat eSoccer Konsequenzen für den organisierten Fußball? Bietet eSoccer den Amateurvereinen die Möglichkeit, Jugendliche und junge Erwachsene als neue Mitglieder zu gewinnen oder an sich zu binden? Gibt es Gefahren wie etwa Suchtverhalten oder Mitgliederschwund im Jugendbereich? Diesen und weiteren Fragen ging der WDFV im Rahmen der Tagung unter dem Titel „eSoccer – eine Chance für Fußballvereine?“ nach.

„Es war ein Ziel dieser Tagung, die Entwicklung zu analysieren. Natürlich auch auf mögliche Gefahren hinweisen und die Konsequenzen für den organisierten Fußball aufzeigen“, erklärte Hermann Korfmacher. Der WDFV-Präsident ergänzte: „Mit Sicherheit ist dies ein Thema, das sich vornehmlich in unseren Landesverbänden und den vielen Fußballvereinen in NRW abspielt. Der WDFV bietet mit dieser Veranstaltung gerne die Plattform, um sich umfassend für die Zukunft aufzustellen. Die Gesellschaft und die sich bietenden Freizeitmöglichkeiten ändern sich in einem rasanten Tempo. Für Jugendliche hat das Spielen an der Konsole ganz offensichtlich einen hohen Freizeitwert. Das können Fußballvereine durchaus für sich nutzen. Besonders in Deutschland ist der Marktanteil der Fußballsimulationen unter den digitalen Spielen hoch. eSoccer als fester Bestandteil der Jugendkultur wird zunehmend Eingang in das Vereinsleben finden.“

FIFA-18-Praxisdemo durch Profi Tim Latka

Im Verlauf der Tagung wurde deutlich, wie weit sich der eSoccer-Bereich schon entwickelt hat. Profi Tim Schwartmann begeisterte mit einer FIFA-18-Praxisdemo. Ihn kennen viele nur unter dem Namen „Tim Latka“. Der 20-Jährige ist professioneller FIFA-Spieler bei Schalke 04 und einer der besten Spieler in Deutschland. Er gehört zu den Spielern, die vom „Zocken“ bereits leben können.

Der WDFV möchte auch als Plattform für seine Landesverbände die Möglichkeiten ausloten, die sich für den Vereinssport bieten. Der Bedarf ist vorhanden. In einer Befragung des WDFV zeigten über 56 Prozent der Vereine Interesse am Thema „eSports“. Dr. Fabian Hedderich und Jan Schlüter von Nielsen Sports berichteten in einem analytischen Beitrag über die Entwicklung des eSports in Deutschland. Beide ließen viele Zahlen, Daten und Fakten einfließen. Darunter die Angaben, dass der eSport-Bereich deutlich im Aufwind ist und das 90 Prozent der Menschen, die eSoccer spielen, sich auch für realen Fußball interessieren.

Daniel von Busse vom TV-Sender SPORT1 führte schließlich aus, dass die Planung, einen eSports-Kanal anzubieten, schon weit fortgeschritten sei. Der Kanal soll ab 2019 an allen sieben Wochentagen 24 Stunden senden. Zur Zielgruppe lieferte von Busse interessante Zahlen. 48 Prozent der eSport-Interessierten sind zwischen 14 und 29 Jahren alt, davon sind 75 Prozent männlich. Das Publikum ist zudem gebildet (63 Prozent haben Abitur, absolvierten oder absolvieren eine Hochschule oder Studium) und gehört zu den Gutverdienern: 49 Prozent haben ein Nettoeinkommen von mindestens 2500 Euro.

Hans Jagnow, Präsident des eSport-Bund Deutschland (ESBD) referierte auf der Tagung zum Thema „Was können klassischer Sport und eSport voneinander lernen?“und bot spannende Erkenntnisse. Über „Gutes Spiel, schlechtes Spiel“ - Ethische Aspekte und Suchtgefahren, berichtet Lorenzo von Petersdorff (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle). Thomas Kottig, Trainer beim Amateurverein FC Epe erklärte aus der Praxis „Wie und warum wir beim FC Epe eSoccer anbieten!“ Sehr interessant waren zudem die Ausführungen von WestLotto-Kommunikationsleiter Axel Weber und Dr. Jan Kleibrink (Handelsblatt Research Institute) zum Thema „eSports und Sportwetten“.

Als Regionalverband möchte der WDFV vor allem informieren und versuchen, gegebenenfalls Vorurteile abzubauen. Auf dem Kongress in Münster wurde ein erster Schritt gemacht. Es kam zu einem intensiven Austausch, vielen Anregungen und Erkenntnissen, die nachhaltig verwertet werden sollen.

Text und Fotos: WDFV

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