Jugendfußball im Wandel: Gemeinsam die Zukunft gestalten

Interview Holger Bellinghoff

Nachricht vom: 24. Mär. 2026
Lesezeit: 5 Minuten

In seiner vierten Amtszeit als Vorsitzender des WDFV-Jugendausschusses spricht Holger Bellinghoff über langfristige Ziele, aktuelle Herausforderungen und die zentrale Aufgabe, Kinder und Jugendliche nachhaltig für den Fußball in Nordrhein-Westfalen zu begeistern.

WDFV: Sie sind nun in Ihrer vierten Amtszeit als Vorsitzender des WDFV-Jugendausschusses, welchen Ziele haben Sie bis zur Legislaturperiode 2029?

Holger Bellinghoff: Gemeinsam mit dem Jugendausschuss haben wir uns bereits vor einigen Jahren auf dem WDFV-Jugendtag zum Ziel gesetzt, das Projekt „Fußball made in Nordrhein-Westfalen“ erfolgreich umzusetzen. Hierzu gehört zum einen Kinder und Jugendliche für den Fußball zu begeistern sowie sie möglichst lange im Vereinssport zu halten und zum anderen die bestmöglichen Rahmenbedingungen für den Leistungs- und Breitensport zu schaffen. 
Diese Zielsetzung entspricht einem stetigen Prozess, bei dem es unabdingbar und zielführend ist den Austausch mit den Spieler*innen, Vereinen, Kreisen und Landesverbänden fortwährend aufrecht zu erhalten, um Probleme zu erkennen und zu bearbeiten aber auch um positives Feedback zu adaptieren. 

WDFV: Sie betonen immer wieder, wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche für den Fußball zu begeistern. Was braucht der Jugendfußball heute besonders, um attraktiv zu bleiben?

Holger Bellinghoff: Ich denke, dass der Jugendfußball sich bereits in Vergangenheit meistens sehr gut an die Lebensrealität der Vereine und seiner Mitglieder anpassen konnte. Exemplarisch hierfür stehen beispielweise die FairPlay-Ligen, die neuen Spielformen und zahlreiche Pilotprojekte, welche ihren Eingang in die Ordnungen gefunden haben. Wichtig ist, dass die Vereine gerade bei den jüngeren Jahrgängen den Kindern einen einfachen Zugang zum Fußball ermöglichen und den Spaß weiterhin vor den Leistungsdruck stellen. 
Zudem lebt der Fußball von der gelebten Vielfalt und Inklusion in den Vereinen. Jedes Kind ist willkommen und soll stets die Möglichkeit haben Fußball zu spielen. Wenn man sich hierbei die Kernpunkte des Fußballsports vor Augen führt, unterstreichen diese seinen attraktiven Charakter. In einem Fußballverein lernen die Spieler*innen unter anderem Teamfähigkeit, soziale Kompetenzen, Normen, Werte, Empathie, Fairness, Resilienz etc. Um nur einige Punkte zu nennen, die einen Mehrwert für die eigene Persönlichkeitsentwicklung aber auch das Zusammenleben in der Gesellschaft darstellen. 
Wenn die Kernpunkte weiterhin gelebt werden und wir gemeinsam nötige Anpassungen vornehmen, die die Zeit mit sich bringt, sollte der Jugendfußball an seiner Attraktivität nichts einbüßen. 

WDFV: Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für Vereine in der Nachwuchsarbeit im westdeutschen Fußball?

Holger Bellinghoff: Wie bereits zuvor erwähnt gilt es stets, sich an die Lebensrealität anzupassen. Mit dem gesellschaftlichem Wandel muss man beispielsweise neue Wege in der Digitalisierung oder Gewinnung von Ehrenamt gehen. Mancherorts stellen sanierungsbedürftige Sportstätten die Vereine im Trainings- und Spielbetrieb vor Probleme. Diese Herausforderungen müssen im Austausch auf verschiedenen Ebenen angegangen werden, um den Vereinssport zu stärken.

 

WDFV: Wenn Sie auf Ihre bisherige Amtszeit seit 2016 zurückblicken: Welche Entwicklungen im Jugendbereich machen Ihnen besonders Mut für die Zukunft?

Holger Bellinghoff: Egal ob während der Coronavirus-Pandemie, der EURO im eigenen Land, der Abschaffung der Junior*innen-Bundesliga oder der Einführung der neuen Spielformen, zu jeder Zeit konnte ich im Austausch mit Vertretern der Vereine, Kreise oder Verbände sowie mit Eltern und Spieler*innen feststellen, dass in guten und nicht so guten Zeiten die Begeisterung für den Fußball an sich, für das Vereinsleben und die Gemeinschaft in der Mannschaft in den meisten Fällen ungebrochen war. Diese Begeisterung teile ich auch mit meinen Kolleginnen und Kollegen in den verschiedenen Ausschüssen. Es macht Mut und stimmt mich zuversichtlich so viele Mitstreiter auf allen Ebenen des Fußballs zu finden, die sich für die Werte des Jugendfußball eingebracht haben und auch zukünftig einbringen werden. 

 


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